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In den Play-offs der Eishockey-Oberligasaison strömten die Zuschauer in Massen zu den Spielen der Starbulls Rosenheim.

Die Topscorer Stephens und Dalpiaz

Rosenheim - Richtig gut sah sie ja nicht aus, die sechs Jahre umspannende Oberliga-Bilanz der Starbulls Rosenheim. Zwar konnte man in der Vorrunde meist ganz gut mitspielen, aber im Play-off war stets nach kürzester Zeit Schluss...

2005: Vorbei nach drei Spielen gegen den Aufsteiger München; 2006: das gleiche gegen Landsberg; 2007: eine als "Pokalrunde" getarnte Abstiegsrunde ohne Absteiger, wo man mit hohen, aber eher wertlosen Siegen gegen Klostersee und Füssen wenigstens noch ein bisschen Spaß hatte; 2008: eine endlos scheinende Abstiegs-Play-off-Serie gegen Passau, das aber auch nicht absteigen musste: und 2009: zwar das erste siegreiche Play-off-Spiel, dennoch Aus im Viertelfinale gegen Aufsteiger Kaufbeuren.

Um wieviel anders dagegen das Playoff 2010: Als Fünfter praktisch in jeder Runde Außenseiter, vom Weiterkommen durch Kampf (und negativer Tordifferenz) bis hin zu einem unaufhaltsamen Lauf, den auch zwei Spitzenteams, darunter der absolute Ligafavorit (30 Doppelrunden-Punkte mehr als die Starbulls), nicht mehr stoppen konnte.

Topscorer: Mitch Stephens war eine Klasse-Verpflichtung.

Dabei war die Saison bis dahin eher "durchwachsen" verlaufen, wie man so sagt. Nach dem obligatorischen Traumstart mit fünf Siegen in Folge wurde der Lauf zunehmend holpriger, und irgendwann war der Kontakt zur Spitze (oder zu Platz zwei, denn Herne spielte punktemäßig in einer eigenen Liga) auch verloren. Dabei war der Kader mit einem Zweitliga-Routinier und zwei Leistungsträgern des Vorjahres-Teams noch einmal aufgerüstet worden. Aber Topscorer Dylan Stanley brauchte einige Zeit, um wieder in Schwung zu kommen, und Blueliner Matthias Bergmann konnte seine Offensiv-Rekorde aus der Vorjahr nicht wiederholen, und auch Konstantin Firsanov agierte nur selten zweitligareif.

Topscorer: Claus Dalpiaz hielt nicht nur seinen Kasten sauber.

So stand man zum Vorrundenende auf dem fünften Platz, und während man defensiv mit den viertwenigsten Gegentoren der Liga (3,18 im Schnitt) gerüstet schien, erweckte die Offensive nicht unbedingt Vertrauen: Nur zwei Play-off-Teams hatten (geringfügig) weniger Tore geschossen als die 3,40 im Schnitt von Mitch Stephens & Co. Und was noch schlimmer schien: Die gerade im Play-off so wichtigen "Special Teams" schienen auch außer Tritt geraten zu sein. Zwar hatten die Starbulls statistisch das zweitbeste Powerplay und das beste Penalty-Killing der Liga, aber auch diese Quoten hatten im letzten Vorrunden-Viertel stark nachgelassen.

Aber der Rest ist bekannt und die Erinnerung daran noch frisch: Nach zwei Debakeln (1:7 und 2:6 in den ersten vier Spielen) ging ein Ruck durch die Mannschaft, und es folgte eine Phase von acht Siegen in zehn Spielen und eine beispiellose Energieleistung, musste man doch in der zweiten Märzhälfte zehn Spiele in 21 Tagen (!) bestreiten. Aber wie heißt das Sprichwort: Der Appetit kommt beim Essen. Und nach den bärenstarken Auftritten gegen Herne war der glatte Finalsieg in der Mindestdauer von drei Siegen gegen Peiting schon (fast) keine Überraschung mehr.

Am Ende konnten die Starbulls oft jubeln.

Doch schauen wir uns doch das Meisterteam einmal genauer an. Zwar erschien die Rekordzahl von 36 Spielern (!) auf den Spielprotokollen, darin sind aber auch Standby-Torhüter Olli Häusler, Matt Smith, der nach einem Spiel wieder Richtung Heimat abdampfte, Mondi Hilger, der nur drei Spiele bestritt, sowie eine Menge DNL-Spieler, die nur gelegentlich "reinschnuppern" sollten, enthalten, so dass im Wesentlichen zwei Torhüter, neun Verteidiger und vierzehn Stürmer dauerhaft das grün-weiße Trikot trugen. Glück war natürlich, dass außer Martin Reichel, Marcus Marsall und im Play-off Christian Schönmoser kein Stammspieler längere Zeit ausfiel, so dass mit Dalpiaz, Paderhuber, Rohner, Bergmann, Höck, Stephens, Newhook, Stanley, Reader, Möchel, Schopf, Hanselko, Firsanov und Zick gleich 14 Spieler immer dabei waren oder nur in einem oder zwei Spielen fehlten.

Die vier Topscorer waren sowohl in der Vorrunde als auch im Play-off die gleichen, wenn auch in anderer Reihenfolge. In der Vorrunde siegte Mitch Stephens mit 63 Punkten vor Ron Newhook (51), Stephan Gottwald (33) und Dylan Stanley (30), im Play-off hatte Stanley mit 20 Punkten die Nase vorn; es folgten Newhook (19), Stephens (17) und Gottwald (14).

Topscorer und Toptorjäger der Gesamtsaison war Stephens mit 80 Punkten, darunter 29 Toren, bester Assistent Newhook mit 52 Vorlagen. Natürlich sollte man dabei nicht vergessen, dass Dylan Stanley erst im 20. Spiel wieder zum Kader stieß. Rechnet man Tore pro Spiel, stünde er an der Spitze - wenn man einmal von Matt Smith absieht, der in seinem einzigen Spiel zwei Tore erzielt hatte.

Noch ein paar Höhepunkte im Detail. Da wäre natürlich vor allem das 9:2 gegen Herne zu nennen: Höchster Play-off-Sieg, dritthöchster Oberliga-Sieg überhaupt, darin enthalten zwei Unterzahltore von Gottwald und Stanley binnen 13 Sekunden, und das vor der vierthöchsten Kulisse der Oberligazeit (4.729 Zuschauer); nimmt man die beiden 5000plus-"Events" aus, sogar der zweithöchsten. Dann natürlich der Oberliga-Rekordbesuch von 6339 im Finale gegen Peiting, im ersten ausverkauften Haus seit dem 3. Januar 1997 (Jim Hillers Overtime-Tor gegen Landshut, das den Einzug in die Meisterrunde bedeutete, wer erinnert sich noch?)

Außerdem ein paar Serien: Dylan Stanley stellte seinen eigenen Rekord von sechs Spielen hintereinander mit Torerfolg ein (Stephan Gottwald verfehlte ihn mit einem Spiel weniger nur knapp), Mitch Stephens scheiterte mit 19 Spielen mit Scorerpunkt nur knapp an Stanleys Bestmarke von 22 Begegnungen, Ron Newhook egalisierte Matthias Bergmanns Rekord von fünf Vorlagen in einem einzigen Match, und nicht zu vergessen: Claus Dalpiaz erwies sich mit vier Assists in der Saison als absoluter Topscorer unter den Torhütern! Aber auch seine eigentliche Aufgabe, Tore zu verhindern, vergaß er nicht: Im Oktober blieben die Starbulls 131 Spielminuten und 30 Sekunden lang ohne Gegentreffer, die zweitlängste Phase ihrer Oberliga-Historie, und während Backup Lukas Steinhauer zwischendurch drei Treffer kassierte, steigerte Dalpiaz seine persönliche Shutout-Phase auf fantastische 206,04 Minuten, das entspricht fast drei Spielen in Folge ohne Gegentor!

Sollte hier noch ein herausragendes Detail vergessen worden sein: Entschuldigung! Aber es wäre möglich in einer Spielzeit, die phasenweise nicht arm an Unerfreulichem war, aber zum Schluss vom Außergewöhnlichen dominiert wurde, bis hin zum Happy-End.

Manfred Eder (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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