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Traurig: Andreas Eder (17) trug vier Monate lang das Trikot der Vancouver Giants in der kanadischen Juniorenliga WHL. Jetzt spielt er wieder für die Tölzer Löwen.

Andreas Eder zurück aus Kanada

Bad Tölz statt British Columbia

Miesbach/Bad Tölz - Turbulente Tage für Andreas Eder. Anfang der Woche haben ihn die Vancouver Giants nach Hause geschickt. Seit Mittwoch ist Eder wieder daheim in Miesbach. Kommt sein Pass rechtzeitig, läuft das Sturmtalent bereits am Freitag für die Tölzer Löwen auf.  

Andreas Eder hält sich tapfer. Anfang der Woche wurde er von seinem Verein, den Vancouver Giants, nach Hause geschickt (wir berichteten). Sein Kindheitstraum ist zerplatzt, vorerst zumindest. Als ihm die Verantwortlichen die Nachricht mitteilten, war es ein schwerer Schlag. „Inzwischen geht’s wieder ganz gut“, sagt Eder, der seit Mittwoch wieder daheim in Miesbach ist. „Ich bin ja erst 17, ich hab’ noch drei Jahre Zeit“, macht er sich Mut. Trotz der Enttäuschung will er es nächsten Sommer wahrscheinlich nochmal probieren mit dem Eishockey in Nordamerika.

Jetzt läuft Eder erstmal wieder für die Tölzer Löwen in der Oberliga auf. Sein Vertrag besteht weiterhin, er hatte lediglich eine Ausstiegsklausel für Nordamerika. Klar war ihm das so nicht. Sein Trainer Florian Funk sagte nämlich beim Abschied: „Jetzt gehst nach Kanada, und dann will ich dich hier nicht mehr sehen.“ Was scherzhaft als Glückwunsch gemeint war, verstand Eder wörtlich. So fragte er bei seiner Rückkehr kleinlaut, ob er nicht wieder spielen dürfe.

Coach Funk nahm das Sturmtalent mit offenen Armen auf. „Andererseits ist es schade, dass Vancouver ihn nicht brauchen konnte“, sagt Funk. „Er hatte das Pech, in einer Mannschaft zu sein, bei der es nicht gut läuft.“ Der Trainer will seinen Schützling jetzt erstmal aufbauen und ihm Selbstvertrauen zurückgeben. „Deswegen kommt er gleich in der ersten Reihe mit Yanick Dubé und Tobias Biersack zum Einsatz.“ Von den Qualitäten des Miesbachers ist Funk überzeugt. „Er ist ein Torjäger, kann sich gut durchsetzen. Vor allem, weil er ordentlich zugelegt hat. Er wiegt jetzt fast 90 Kilo.“ Eder müsse nur noch lernen, einfacher zu spielen. Auch ECT-Präsident Josef Hintermaier spricht dem 17-Jährige Mut zu. „Allein schon die Tatsache, dass man im Draft ausgewählt wird, ist eine hervorragende Auszeichnung“, stellt er klar. „Ich hoffe, dass nicht nur wir, sondern auch die Fans ihn mit offenen Armen empfangen.“

Kommt Eders Pass rechtzeitig, könnte das bereits heute Abend der Fall sein. Die Löwen treten bei den Blue Devils Weiden an. Die Vancouver Giants empfangen die Seattle Thunderbirds – Oberpfalz statt British Columbia. Beim Gedanken daran ist Eder nicht allzu unglücklich. „Am Schluss war’s nimmer so prickelnd“, gesteht er. „Wir sind relativ schlecht in die Saison gestartet.“ Das Management wurde nervös. „Es sind viele ältere Spieler in die Mannschaft gekommen, da war kein Platz mehr für mich“, sagt Eder, der der Zweitjüngste im Team war.

Angefangen hat das Abenteuer Kanada vielversprechend. „Da hab’ ich relativ viele Spiele machen dürfen.“ So stehen in der Juniorenliga WHL 19 Partien, zwei Tore und ein Assist auf seinem Konto. Mit seinen Teamkollegen und der Gastfamilie, bei der Eder wohnte, verstand er sich gut. „Es war schon schön“, sagt er etwas wehmütig. Auch wenn das Training hart und die Konkurrenz groß war. „Ich war um 7 Uhr in der Kabine und um 9 Uhr auf dem Eis“, erzählt Eder. Im Anschluss stand Kraft- und Ausdauertraining an, dann ging es zu sozialen Projekten. „Wir waren oft im Krankenhaus oder in Kindergärten.“ Von der Stadt oder gar dem Land hat Eder nicht viel gesehen. „Das klingt vielleicht komisch, aber ich war nur zweimal in Vancouver.“ Die Halle der Giants befindet sich nicht direkt in der Olympia-Stadt von 2010, sondern etwa 30 Kilometer außerhalb.

Jetzt konzentriert sich Eder voll und ganz auf die Tölzer Löwen. Bevor er im August nach Kanada ging, beendete er noch die elfte Klasse der Fachoberschule. Klappt es nächstes Jahr mit Nordamerika, will er dort aufs College gehen.

Julia Pawlovsky & Nick Scheder

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