TEV Miesbach, Eishockey, Jeff Vaive (14), Larry Mitchell
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Jeff Vaive (Nummer 14, hier mit Larry Mitchell) ist eine Legende in Miesbach.

Serie: Wie die ausländischen Spieler den TEV Miesbach beeinflussten

Geprägt vom Kontingent

  • vonThomas Spiesl
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Miesbach – Wenn es um die Geschichte des TEV Miesbach geht, kommt Chronist Jürgen Modler ins Schwärmen. Er hat den Bau des überdachten Eishalle selbst miterlebt und erinnert sich noch an fast jeden einzelnen Ausländer, der in den letzten 50 Jahren ins rot-weiße Trikot geschlüpft ist. Gemeinsam mit der Heimatzeitung hat er in seinem Archiv geforscht und alle Kontingentspieler ausgemacht, die für die Kreisstädter auf dem Eis standen.

Die aktuelle Zahl liegt bei 96, zur neuen Saison wird sich daran nichts ändern, denn Bobby Slavicek und Filip Kokoska haben ihre Verträge, wie berichtet, bereits verlängert. Den Anfang machte Kenneth Eriksson, der Schwede wechselte zur Saison 1973/74 an die Schlierach und blieb anschließend auch drei Spielzeiten in Miesbach. Er heiratete später eine Miesbacherin und kommt auch heute noch immer wieder zum Urlaub ins Oberland.

Mrowcas tranken kein Bier, nur Milch

Es folgten Douglas Morton (1978-1982) und Erkki Käselainen (1978-1980). Der heute 63-jährige Kanadier Morton spielte Anfang der 70er Jahre beim EHC 70 München und wechselte von dort zum TEV. Er absolvierte insgesamt 78 Spiele in der Oberliga und kam dabei auf sagenhafte 145 Tore und 100 Vorlagen. Nach weiteren Stationen als Spieler war er in Deutschland als Spielerberater tätig, seine Tochter Carly lebt noch heute in Lindau am Bodensee. „Doug“ Morton selbst zog es mit seiner deutschen Ehefrau zurück in sein Heimatland. Dort war er in den letzten Jahren für eine Ölfirma tätig. Auch er kehrt alle paar Jahre nach Deutschland zurück an die alte Wirkungsstätte. Er spielte in Miesbach gemeinsam mit Erkki Käselainen, dessen Spur sich allerdings in den 80er Jahren verliert.

Filip Kokoska läuft auch in der kommenden Saison für den TEV auf

Einer, der bis heute geblieben ist, ist David Ollinger. Der Kanadier spielte von 1979 bis 1990 für die Miesbacher und lebt noch heute in Schweinthal. 1983 folgten die beiden polnischen Nationalspieler Adam und Wieslaw Mrowca. „Sie wurden damals am Bodensee abgeholt, als Ablöse mussten wir 20 Paar Eishockey-Handschuhe an den polnischen Eishockey-Verband schicken, damit wir die Freigabe bekommen“, erinnert sich Modler. Noch heute sind beide im Oberland ansässig. Adam Mrowca wohnt in Hausham und trainiert beim TEV die Kleinsten, Wieslaw wohnt in Weyarn. „Die beiden wollten damals kein Bier trinken, immer nur Milch und Äpfel“, berichtet Modler.

Verteidiger Olenberg bringt TEV auf Titelseite der Eishockey News

Mitte der 80er Jahre taucht dann ein gewisser Jeff Vaive erstmals in der Miesbacher Eishockeygeschichte auf. Er sollte in acht Jahren beim TEV zu einer lokalen Eishockey-Legende aufsteigen und bildete mit Max Ostermeier das damals wohl gefürchtetste Angriffs-Duo weit und breit. 464 Treffer erzielte der Kanadier für die Kreisstädter und lief 326 Mal für den TEV auf. Damit liegt er in der vereinsinternen ewigen Torjägerliste auf Rang zwei – wie sollte es anders sein – direkt hinter Ostermeier (544 Spiele, 511 Tore).

In den 90ern spielten dann Cracks wie Jason Dunham, Cory Gustafson und Martin Strida in Miesbach, die wohl heute noch die Idole so mancher Eishockey-Spieler im Oberland sein dürften. Auch kuriose Geschichten gab es zuhauf. 1996 wechselte Stacey Rayan zu den Miesbachern, er war der erste und bislang einzige dunkelhäutige Profi beim TEV und avancierte sofort zum Publikumsliebling. „Damals sind wir in Lederhosen zum Auswärtsspiel nach Bad Nauheim gefahren. Für Stacey haben wir eine Lederhose gefunden, nur mit Haferlschuhen hat es damals nicht geklappt. Dann hat er halt Turnschuhe angezogen, aber das war schon etwas Besonderes“, erzählt Modler. 1998 schaffte es der TEV sogar auf die Titelseite der Eishockey News. Unter dem Titel „Der wilde Süden“ berichtete das Fachblatt damals, nachdem Verteidiger Spartak Olenberg alkoholisiert den Gartenzaun seines Nachbarn demoliert und sich anschließend noch eine handfeste Auseinandersetzung mit dem dort ansässigen Polizisten lieferte.

Die Serie

Die Spieler aus dem Ausland haben in den vergangenen 50 Jahren das Eishockey in der Kreisstadt mehr als nur geprägt. Deshalb widmet sich die Heimatzeitung in einer losen Serie den Geschichte rund um die Kontingent-Spieler beim TEV Miesbach.

Alle Eishockey-Nachrichten aus der Region gibt es unter merkur.de/sport/eishockey.

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