Da war noch alles gut: James Hall (l.) und Christopher Stemke kurz nach der Ankunft in Miesbach. Im Winter 2017 setzten sie sich zurück in die Vereinigten Staaten ab. ArchiV: Thomas Plettenberg
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Da war noch alles gut: James Hall (l.) und Christopher Stemke kurz nach der Ankunft in Miesbach. Im Winter 2017 setzten sie sich zurück in die Vereinigten Staaten ab.

Die kuriosesten Geschichten der Kontingentspieler des TEV Miesbach

Heimliche Flucht aus dem Oberland

  • vonThomas Spiesl
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Die Kontingentspieler prägen den TEV Miesbach seit gut 50 Jahren. Dabei gab es auch einige kuriose Vorfälle.

Miesbach – Wenn es um die Geschichte des TEV Miesbach geht, kommt Chronist Jürgen Modler ins Schwärmen. Er hat den Bau des Kunsteisstadions und der überdachten Eishalle selbst miterlebt und erinnert sich noch an fast jeden einzelnen Ausländer, der in den letzten 50 Jahren ins rot-weiße Trikot geschlüpft ist. Gemeinsam mit der Heimatzeitung hat er in seinem Archiv geforscht und alle Kontingent-Spieler ausgemacht, die für die Kreisstädter auf dem Eis standen. Die aktuelle Zahl liegt bei 96, in dieser Saison wird sich daran nichts ändern, Bobby Slavicek und Filip Kokoska stehen weiterhin in Miesbach auf dem Eis. Doch es gibt allerlei Geschichten und Kurioses rund um die Kontingent-Spieler beim TEV. Heute: die Chaoten.

Andere Länder, andere Sitten: Schon die ersten Ausländer mussten sich im Oberland akklimatisieren. So soll es vorgekommen sein, dass einer der Miesbacher Kontingentspieler versucht hat, ein komplettes gefrorenes Hendl in der Pfanne zuzubereiten. Seine Wohnung brauchte im Anschluss viele Lüftungsstunden. Zudem wurde vor einigen Jahren auch einmal ein TEV-Legionär gesichtet, der seine Einkäufe im Einkaufswagen durch die komplette Stadt zu seiner Wohnung schob. Gerade die osteuropäischen Kontingent-Spieler wollten auch in Miesbach nicht auf ihren Schnaps verzichten. Es wird sich unter ehemaligen Spielern die Geschichte von einem tschechischen Kontingentspieler erzählt, der sich vor den Spielen nicht nur die Beine mit Sliwowitz einrieb, sondern auch einen tiefen Schluck aus der Flasche nahm. Ein weiterer Tscheche brachte in den Drittelpausen erst einmal seinen Kufenschutz an und rauchte vor der Eishalle eine Zigarette, ehe er zur Teambesprechung in die Kabine ging. Mitte der 2000er packte dann einen Kanadier das Heimweh so stark, dass er bereits nach wenigen Tagen wieder abreisen wollte, ehe er sich doch in Oberbayern zurechtfand.

TEV Miesbach: Geprägt vom Kontigent.

Hall und Stemke flüchten

Vielen Anhängern noch präsent sein dürfte das Verschwinden der beiden US-Amerikaner James Hall und Christopher Stemke. Die beiden zeigten auf dem Eis eher durchschnittliche Leistungen, wirklich heimisch wurden sie in der Kreisstadt nicht. In einer schlechten Phase führten die TEV-Verantwortlichen ein Gespräch, um den beiden ihre Rolle im Team zu verdeutlichen, diese erbaten wenig später eine Auflösung ihrer Verträge. Man wurde sich nicht einig. Im Dezember der Saison 2017/18 waren die beiden plötzlich verschwunden und tauchten nicht zum Mannschaftstraining auf. Auch in ihrer Wohnung waren sie nicht anzutreffen, vielmehr fanden die TEV-Verantwortlichen diese leer vor. Die beiden Amerikaner hatten sich kurzerhand ein Rückreise-Ticket in die Staaten gebucht und sich stillschweigend vom Acker gemacht. Nun galt es noch, das Auto zu finden, das sich die beiden geteilt hatten. Zum Flughafen München musste dafür niemand fahren: Man fand das Fahrzeug unversperrt auf dem Eisstadion-Parkplatz, mit dem Schlüssel im Handschuhfach.

Kontigentspieler beim TEV: Imposantes Auftreten zwischen den Pfosten.

Auch etwa zehn Jahre zuvor geriet der TEV in die Schlagzeilen, als es Gerüchte um die Verpflichtung eines ehemaligen NHL-Spielers aus Lettland gab. Im Internet war ein Foto aufgetaucht, auf dem ein Mann vor dem Stadion im lettischen Riga ein TEV-Trikot präsentierte. Nun machten verschiedene Namen die Runde, darunter auch der eines ehemaligen NHL-Spielers aus dem Baltikum und der Fantasie-Name Pavel Fuasskaas. TEV-Vorsitzender Dieter Taffel musste sich nach seiner Absage zu einer eingleisigen Oberliga sogar von Funktionären anderer Klubs fragen lassen, wieso man sich diese Liga nicht leisten, im Gegenzug aber ehemalige NHL-Cracks verpflichten könne. Letztlich entpuppte sich das Bild als gestelltes Urlaubsfoto.

Anekdoten gibt es also jede Menge, die TEV-Legionäre sorgen seit inzwischen 50 Jahren für Gesprächsstoff auf und neben dem Eis.

Die Serie

Die Spieler aus dem Ausland haben das Eishockey in der Kreisstadt mehr als nur geprägt. Deshalb widmet sich die Heimatzeitung in einer losen Serie den Geschichten rund um die Kontingent- Spieler beim TEV Miesbach.

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