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Die Tölzer DNL-Mannschaft ist bereit für die am Wochenende beginnende Saison (hinten, v. li.): Co-Trainer Fabian Schlager, Vilius Dainora, Lukas Kirsch, Florian Heiß, Nico Ontl, Kevin Slezak, Peter Fischer, Maximilian Leitner, Trainer Florian Funk, (vorne) Betreuer Rudi Trasberger, Hans Nachmann, Tobias Böck, Florian Strohmenger, Johanna May, Maximilian Hirschberger, Lars Jäger, Thomas März, und Michael Harrer.

Eishockey: Deutsche Nachwuchsliga (DNL) 

„Dann müssen sie uns rauswerfen“

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Die Tage des EC Bad Tölz in der DNL scheinen gezählt. Der Grund: Die Liga wird immer mehr auf die Bedürfnisse der großen Clubs zugeschnitten.

Bad Tölz – Was den Tölzer Nachwuchs vor allem in Schwierigkeiten bringt, ist die sogenannte Einfrierung der Altersstufen. Das bedeutet: Nachwuchsspieler dürfen länger in der DNL spielen. War die DNL bis zur Saison 2010/11 eine U 18-, und seitdem eine U 19-Liga, dürfen ab dieser Saison auch noch 20-Jährige regulär mitspielen. Das hat Konsequenzen: „Die wirklich guten Spieler sind in der DNL nicht mehr dabei“, stellt Trainer Florian Funk fest. Die „wirklich Guten“ haben mit 20 Jahren meist den Sprung ins Senioren-Eishockey geschafft. Die jüngsten Beispiele: Verteidiger Niklas Heinzinger und Stürmer Luca Tosto, die beide bei den Tölzer Löwen in der DEL 2 unter Vertrag stehen. Oder Kevin Slezak, der ebenfalls auf dem Sprung in die Erste ist. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Beispielsweise mit Talent Leon Hüttl, den Titel-Anwärter Frankfurt unter Vertrag genommen hat. Oder Torhüter Mirko Davi, der in der DEL bei den Grizzlys Wolfsburg sein Glück sucht. Aufgrund dieser hochkarätigen Abgänge wird der Tölzer Kader erheblich ausgedünnt.

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Hinzu kommt, dass viele Spieler mit 19 oder 20 Jahren beruflich am Scheideweg stehen. Benedikt Andrä arbeitet in Feldmoching und hätte größte Probleme, rechtzeitig zum Training zu erscheinen. Also gab er nun dem Beruf den Vorzug. Ähnlich ergeht es Tobias Steiger und Lukas Leitner, die sich ebenfalls gegen das Eishockey entschieden haben. Als weiterer Abgang kommt Paul Stauffert hinzu, der in Regensburg studiert und zudem zuletzt monatelang aufgrund einer Knorpelaufweichung ausfiel.

Auf der einen Seite verzeichnet die Tölzer DNL-Mannschaft viele Abgänge. Auf der anderen Seite gibt es aufgrund der Einfrierung der Altersklassen keine Nachrücker aus den unteren Jahrgängen. Einzige Neuzugänge sind der 17-jährige Lukas Kirsch, der aus dem Rosenheimer Nachwuchs kommt. Und Vilius Dainora. Der 18-Jährige stammt aus Philadelphia, spielte bis 2016 im Tölzer Nachwuchs und zuletzt zwei Jahre für Regensburg in der DNL. Dort blieb er allerdings ohne Scorerpunkt. Mit den beiden Neuzugängen hat Trainer Funk wenigstens 18 Feldspieler im Kader, für ein Spiel mit vier Blöcken reicht es ohne die Unterstützung der U 17 aber nicht mehr. „Für die Spieler ist es eine extreme Umstellung“, sagt Funk. Ihm schwant: „Es wird ziemlich hart für uns, weil der Kader sehr, sehr klein ist.“

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Was dem Eisclub ebenfalls Probleme bereitet, ist das Fünf-Sterne-Nachwuchsprogramm des Deutschen Eishockey-Bundes. Es besagt unter anderem, dass nur Vereine mit Fünf-Sterne-Zertifizierung in der DNL spielen dürfen. Um fünf Sterne zu bekommen, muss ein Verein mindestens 40 von 50 möglichen Punkten erreichen. Das Problem: Ganz gleich wie gut die Nachwuchsarbeit ist – mehr als 41 Punkte kann ein kleiner Verein Verein wie der ECT niemals erreichen. Sechs Punkte gibt es nämlich für Großvereine, die über ein Eishockey-Internat verfügen – wie beispielsweise Mannheim. Drei Punkte gibt es für Vereine, die umfangreich mit Schulen kooperieren. „Das Problem ist, dass ich gar nicht genügend Spieler im Kader habe, die noch zur Schule gehen“, sagt Funk. Mit anderen Worten: Neun von 50 Punkten sind für den ECT von Haus aus unerreichbar.

Dass der Eisclub die restlichen 41 Punkte erhält, ist keinesfalls ausgemachte Sache. Jeder Verein muss nämlich drei Nationalspieler in seinem Kader haben. Sind es nur zwei, werden weitere zwei Punkte abzogen – und die Fünf-Sterne-Zertifizierung ist weg. Somit ist es doppelt fatal, wenn ein Nationalspieler wie Leon Hüttl den Verein verlässt. Aber auch die übrigen Vorgaben sind nicht von Pappe. Vorgeschrieben sind beispielsweise acht Stunden Sommertraining pro Woche.

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Keine Probleme mit den Vorgaben haben nur die großen Clubs wie Mannheim, Berlin und Köln, die ihre Spieler im ganzen Bundesgebiet einsammeln. Alle anderen haben daran zu knabbern. Rosenheim muss seinen Kader beispielsweise mit acht U 17-Spielern auffüllen. „Ich weiß nicht, ob das der Sinn der Liga ist“, sagt Funk. Der ECT werde so lange wie möglich um die Fünf-Sterne-Zertifizierung kämpfen. Und wenn es nicht mehr reicht? „Wenn sie so streng sind, dann müssen sie uns aus der Liga rauswerfen.“

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