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Einmal Löwe, immer Löwe?

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Platz für Notizen: Teilweise sind die Werbeflächen, vor denen die Tölzer Löwen spielen, noch leer. Foto: Ewald Scheitterer © Ewald Scheitterer

Bad Tölz - Zwischen Wut und Optimismus: Der Tölzer Kurier befragt aktuelle und ehemalige Sponsoren über ihr (Nicht-)Engagement bei den Tölzer Löwen.

Die Tölzer Löwen haben bis jetzt die Hoffnungen übertroffen: Mit vier Siegen aus elf Partien rangiert das runderneuerte junge Team auf Rang sieben der Tabelle. In punkto Sponsorensuche wird dagegen vielerorts Nachholbedarf angemahnt. Aber warum gestaltet sich die Suche nach Unterstützern – trotz der ansprechenden Leistung – so schwierig? Der Tölzer Kurier hat bei ehemaligen, aktuellen und potenziellen Geldgebern nachgefragt.

Potenzielle Geldgeber

Yvonne Heimann (Marketingabteilung Hexal): „Wir hatten Gespräche mit den Verantwortlichen der Tölzer Löwen. Aber unser Budget ist stark geschrumpft. Daher hat der Vorstand entschieden, die Löwen nicht zu unterstützen. Wir pumpen unsere Gelder jetzt in lokale und soziale Projekte.“

Beatrix Klemm (Marketingabteilung Mc Donalds/Heinritzi): „Sponsoring einzelner Sportvereine kommt für uns derzeit nicht in Frage. Auch nicht im Fall der Tölzer Löwen. Wir versuchen aber, mit Gutscheinen für Tombolas und ähnlichem verschiedenen Organisationen wie Schulen, Kindergärten und Vereinen zu helfen.“

Markus Teltscher (Teleprofi Teltscher): „Wie viele andere auch habe ich in den vergangenen Jahren viel Geld, Sach- und Dienstleistungen zur Verfügung gestellt. Ich habe immer mal wieder ein Auge zugedrückt, wenn etwas nicht sofort bezahlt wurde. Nach der Insolvenz bin ich allerdings auf offenen Rechnungen sitzengeblieben. Das hat mich sehr geärgert. Trotzdem überlege ich, mein Engagement fortzusetzen. Es gab schon einige Gespräche mit der neuen Führung, aber ganz überzeugt bin ich noch nicht. Seitdem jetzt auch noch unsere Bandenwerbung, die seit vielen Jahren an derselben Stelle hing, ohne mein Wissen versetzt wurde, tendiere ich dazu, nicht mehr zu sponsern. Mich wundert außerdem, dass Kontakte zu größeren Firmen nicht genutzt wurden, die ich hergestellt habe und die bereit gewesen wären, die Löwen zu unterstützen.“

Aktuelle Sponsoren

Reiner Wimmer (Allianz Wimmer): „Für mich war es selbstverständlich die Löwen auch nach der Insolvenz weiter zu unterstützen. Ein guter Sponsor zeichnet sich dadurch aus, in guten wie in schlechten Zeiten zum Verein zu stehen. Und die Mannschaft zahlt derzeit mein Vertrauen voll zurück. Allerdings muss man sagen, dass im Bereich Sponsorensuche sicher noch Verbesserungen möglich sind. Ob es schlau war, mit Hans Stürzer einen Auswärtigen mit dieser Aufgabe zu betrauen, sei mal dahingestellt. Aber es ist noch zu früh ein Urteil darüber zu fällen. Er hat, wie jeder andere auch, eine faire Chance verdient. Am Ende des Jahres wird abgerechnet.“

Willi Streicher (Sprecher Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen): „Für uns war schnell klar, dass wir die Tölzer Löwen auch nach der finanziellen Krise weiter unterstützen. Für uns ist das Gesamtpaket entscheidend. Also Nachwuchsarbeit, Tradition und Leistung. Das hat uns überzeugt.“

Petra Waldherr-Merk (Hirschkuss): „Wir unterstützen schon seit Jahren Sportler und Vereine aus der Region. Als Claus Andrä an uns herangetreten ist und gefragt hat, ob wir uns eine Partnerschaft mit den Löwen vorstellen könnten, haben wir sofort zugesagt. Denn ich denke, dass es gerade in schlechten Zeiten wichtig ist, den Vereinen unter die Arme zu greifen. Die Zusammenarbeit klappt bisher hervorragend.“

Hubert Hörmann (Hörmann Hausbau): „Unser Unternehmen hat einen langfristigen Sponsoring-Vertrag mit den Löwen, der noch Bestand hat. Wie es nach Ende der Vertragslaufzeit weitergeht, wird man dann sehen. Sportlich gesehen bin ich zufrieden mit der Arbeit, die geleistet wird. Ob die Verantwortlichen allerdings derzeit alles richtig machen, ist für mich schwer zu beurteilen. Dafür bin ich zu weit weg. Ich weiß nur, als ich damals diese Aufgaben ausgeführt habe, war das extrem zeitaufwändig. Ich hoffe, dass die Geschäftsführung sich auch so intensiv damit beschäftigt. Sicher könnte man auch vieles anders machen. Aber ob das dann der richtige Weg wäre, kann ich nicht sagen.“

Ehemalige Förderer

-ürgen Rinner (Autohaus Rinner): „Wir haben in den vergangenen Jahren viel Geld in die Löwen investiert und auch immer wieder mit Reparaturen ausgeholfen. Aber damit ist jetzt Schluss. Die Enttäuschung sitzt nach der Insolvenz einfach zu tief. Damals hat sich niemand bei uns gemeldet und uns informiert, wie es weitergeht. Wir sind auch auf einigen offenen Rechnungen sitzengeblieben. Ich kann mir daher nicht vorstellen – auch wenn die aktuelle Geschäftsführung nichts dafür kann –, in naher Zukunft wieder Sponsor zu werden.“

Hans Willibald (Autohaus Willibald): „Das Thema Löwen ist für mich abgehakt. Jedes Jahr starten sie mit großen Versprechungen, und am Ende fehlt wieder Geld – das ist ein reines Kasperl-Theater. Ich habe den Löwen immer wieder geholfen, sei es mit Geld, Fahrzeugen oder Kontakten – aber richtig gedankt wurde es mir nie. Als ich mal – wie versprochen – meine Autos in der Drittelpause präsentieren wollte, wusste plötzlich niemand bescheid, und sie wollten uns erst nicht reinlassen. Das ist nur ein Beispiel. Ich habe den Eindruck, bei den Löwen weiß der eine nicht, was der andere macht. Ich kann mich auch noch gut erinnern, wie der Verein im Juli 2005, auf mich zukam und mich bat, ihm aus der Klemme zu helfen. Damals drohte ein mündlich vereinbarter Sponsoring-Vertrag im sechsstelligen Bereich zu platzen. Durch meine Vermittlung wurde der Vertrag doch noch realisiert, und die drohende Insolvenz abgewendet. Auch diesen Sommer habe ich noch einmal meine Kontakte zur Schörghuber-Familie spielen lassen und den Löwen weitere Gespräche ermöglicht. Das letzte fand sogar in meinem Haus statt. Jetzt habe ich aber keine Lust mehr, weil sich nichts ändern wird.“

Rudolf Heinz (Autohaus Häusler): Es besteht keine Chance, dass ich jemals wieder etwas für die Löwen zur Verfügung stelle. Es wurde in der Vergangenheit nichts eingehalten, was vertraglich festgehalten war, und ständig gelogen. Außerdem sind immer noch viele Rechnungen offen. Das Thema Löwen ist für mich durch.“

Klaus Mangold (Mangold Immobilien): „Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel Geld in die Löwen investiert und auch bei der letzten Insolvenz wieder einiges verloren. Deshalb ist jetzt erstmal Schluss, ich muss auch auf mich selbst schauen.“

Anton Fischhaber (Fischhaber Immobilien): „Ich habe den Verein 14 Jahre mit Eigenleistungen unterstützt. Aber jedes Spiel hat einmal ein Ende. Ich bin zwar mit der Führung und dem Verein zufrieden, aber die aktuelle Wirtschaftslage lässt kein Sponsoring zu.“

Josef Niggl (Huber Präzisionstechnik): „Leider kann ich aus den bekannten Gründen (die Huber GmbH ist insolvent, die Red.) derzeit kein Sponsoring bei den Löwen betreiben. Aber sie brauchen meine Werbetafeln nicht wegzuschmeißen. Wenn es unserem Unternehmen wieder besser geht, dann steige ich wieder groß ein. Dass die Tölzer vergangene Saison Pleite gegangen sind, hält mich nicht ab. Für mich gilt: Einmal Löwe, immer Löwe.“

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