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Leere Hände, volle Herzen

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Von: Nick Scheder

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Finnlands Arttu Ruotsalainen (li.) und der Gaißacher Leon Pföderl
Nah dran am Finale: Das Halbfinale gegen Finnlands Arttu Ruotsalainen (li.) hätte das DEB-Team niemals verlieren dürfen, meint der Gaißacher Leon Pföderl (re.). „Wir waren die klar bessere Mannschaft.“ © Sergei Grits/dpa

So nah dran, aber am Ende doch mit leeren Händen: Leo Pföderl und Korbinian Holzer über Rang vier und das verpasste Finale bei der WM. Und warum sie aber doch Grund zum Feiern hatten.

Riga/Lenggries/Gaißach – Nach der Schlusssirene fehlten die Worte. Die Spieler saßen bedrückt, mit hängenden Köpfen in der Kabine. Nicht einmal Bundestrainer Toni Söderholm, sonst nie um aufmunternde Worte verlegen, tigerte stumm auf und ab. „Das geht einem schon ans Herz“, sagt Leo Pföderl. Der 27-jährige Gaißacher schied mit seinem Team im Halbfinale der Eishockey-Weltmeisterschaft in der lettischen Hauptstadt Riga aus, verlor dann auch das Spiel um Platz drei gegen die USA.

Leere Hände, volle Herzen

Es war bitter: „Wir waren so nah am Finale dran, dann hätten wir Silber sicher gehabt, und dann gehen wir leer aus“, sagt Pföderl. „Es ist schwer gerade“, sagt Verteidiger Korbinian Holzer. „Die Mannschaft hat so hart gearbeitet und so viel geopfert in den vergangenen Wochen. Wir waren so nah dran an einer Medaille, und es hat einfach nicht gereicht.“ Für den 33-jährigen Lenggrieser hat es zusammen mit Moritz Seider immerhin zum besten deutschen Verteidiger und einen Platz im Allstar-Team der WM gereicht. Der vierte Platz ist aller Ehren wert – ausgegebenes Minimalziel waren die Top-Acht. Trotzdem: „Etwas fehlt“, meint Pföderl. „Wir hätten uns belohnen können, haben aber jetzt nichts in der Hand.“

Das deutsche Eishockeyteam hatte sich bis ins Halbfinale gegen den amtierenden Weltmeister Finnland gearbeitet. Das knappe 1:2 war das Ende, auch wenn im Spiel gegen die USA noch eine Chance auf eine Medaille bestand. Das Match um Platz drei verlor das DEB-Team allerdings mit 1:6. „Da hatten wir Pech, hatten uns viel vorgenommen und noch einmal Gas gegeben“, sagt Pföderl. Irgendwie waren die Akkus leer. „Es war enttäuschend, aber die positiven Momente der WM überwiegen.“

Pföderl: „Eine saugeile Truppe! Mit denen würde ich mich noch mal einsperren lassen.“

Bleibenden Eindruck hinterlassen hat beim Stürmer, gerade Deutscher Meister mit den Eisbären Berlin geworden, vor allem seine Mannschaft. Auch wenn die Spieler nach außen völlig abgeschottet von Spiel zu Spiel tigerten. „Wenn ich noch einmal irgendwo mit 25 Leuten eingesperrt sein müsste, dann wären es genau diese 25“, stellt Pföderl klar. „Eine saugeile Truppe!“ Eine Mannschaft, die die ersten drei Spiele gewann, sogar Kanada mit einem begeisternden Spiel besiegte, es dann allerdings trotzdem noch spannend machte: Nach der etwas überraschenden Niederlage gegen Kasachstan und Pleiten gegen Finnland und die USA musste ein Sieg gegen Gastgeber Lettland her. Das gelang. Holzer: „Wir haben viele Sachen richtig gemacht bei diesem Turnier.“ Auch Pföderl war beeindruckt. „Der Holzer oder der Kühnhackl, die haben die Scheiben gefressen, Wahnsinn, die werfen sich in jeden Schuss, stehen gleich wieder auf und ab in den nächsten.“

Was aber fehlte zu einer Wiederholung eines ganz großen Erfolgs? So wie bei Olympia 2018 in Pyoengchang. Da holten die Deutschen – auch schon mit Pföderl – die Silbermedaille. „Vielleicht sind es einfach noch die kleinen Details und die Kaltschnäuzigkeit, die uns zur Weltspitze fehlen“, meint Holzer. Auch Pföderl sieht ein gewisses Defizit an Coolness oder Qualität im Abschluss. „Die Kanadier oder Finnen hauen die Dinger einfach rein, wenn’s drauf ankommt. Da können wir noch dazu lernen.“

Im Vergleich zur Weltspitze fehlt die Kaltschnäuzigkeit

Damit meint er durchaus auch sich selbst. Zwar zeichnete der Gaißacher für das eine oder andere wichtige Tor verantwortlich – er traf wie Holzer zweimal, bereitete drei Treffer vor (Holzer: zwei). „Aber im Halbfinale war es Wahnsinn, da haben wir so viele Chancen vergeben, auch ich. Das Spiel hätten wir nie verlieren dürfen.“

Holzer gewinnt der Niederlage etwas Positives ab, sieht das starke Auftreten des Teams, das von den Trainern bestens eingestellt worden sei: „Wann hat eine deutsche Nationalmannschaft schon mal gegen einen amtierenden Weltmeister wie Finnland das Spiel selbst gemacht und sich nicht bloß hinten reingestellt?“ In alle Spiele, so sagt es Pföderl, seien die Deutschen sehr selbstbewusst hinein gestartet, sie spielten auch gegen vermeintliche Favoriten auf Sieg. „Wir haben oft genug gezeigt, was wir können.“ Das ging lange gut. Aber eben nur bis ins Halbfinale.

Viel geleistet, Dinge, die man nicht vergisst

Die beiden, ja die ganze Mannschaft, muss nun Revue passieren lassen, was sie geleistet haben. „Es wird sicher noch dauern, bis wir merken, was wir geschafft haben“, sagt Holzer, gibt sich aber mit dem Erreichten nicht zufrieden: „Wir wollten mehr.“ Sie trösten sich mit dem Ergebnis, den Erlebnissen, den Erfahrungen. Pföderl: „Dinge, die man nie vergisst.“

Die Mannschaft hat mitbekommen, welches Eishockey-Fieber sie in Deutschland ausgelöst hat. „Das war schon unglaublich“, sagt der Gaißacher. Seit Montag ist er zurück in Berlin. Hat allerdings noch eine Weile Zeit bis zum Start der Saisonvorbereitung in der DEL. Hat Zeit, vorher noch einmal in die Heimat zurückzukehren. Zumal er gerade Onkel geworden ist: Sein Bruder Michael hat am Freitag Nachwuchs bekommen. „Ich freue mich drauf, Freunde und Familie wiederzusehen.“ Und das auch ohne Medaille im Gepäck.

DEB-Verteidiger Korbinian Holzer (li.) aus Gelting gegen den US-Amerikaner Trevor Moore.
„Viele Sachen richtig gemacht“: Verteidiger Korbinian Holzer (li.) aus Gelting – hier gegen den US-Amerikaner Trevor Moore – spielte sich ins Allstar-Team der Weltmeisterschaft. © IVUSKANS /AFP

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