165 Euro gespart, Zeller verloren

Bad Tölz - Floppo Zeller ist enttäuscht nach der Absage der Tölzer Löwen. Er beginnt eine Schreiner-Lehre und wechselt zum TEV Miesbach. Der Bayernligist kann sich über ein Schnäppchen freuen.

Die Tölzer Löwen setzen auf ihren Nachwuchs. Dafür haben sie sogar dem einstigen Publikumsliebling eine Absage erteilt. „Ich kann schon verstehen, dass die Jugend Priorität hat“, sagt Floppo Zeller, der aber von der Entscheidung der Tölzer Führungsriege enttäuscht ist. Vor drei Wochen, im Gespräch mit ECT-Präsident Josef Hintermaier und sportlichem Berater Franz Fritzmeier, war er noch guter Dinge. „Da hieß es, wir werden uns schon einig“, sagt der 33-Jährige. Doch am vergangenen Wochenende folgte die Ernüchterung: eine Absage. „Das hatte ich nicht erwartet“, gibt Zeller zu. „Dass sie keinen Jungen wegschicken wollen, leuchtet mir ein“, meint der Tölzer, der 614 Spiele für die Löwen bestritten hat. „Aber das haben sie ja schon vorher gewusst. So hab’ ich mich hingehalten gefühlt.“

Das kann Hintermaier nachvollziehen. „Es ist nicht ganz glücklich gelaufen“, meint der ECT-Präsident. Doch er und Fritzmeier wollten so eine wichtige Entscheidung nicht übers Knie brechen und haben gründlich überlegt. Das Ergebnis: Keines der aufstrebenden Talente bei den Löwen habe es verdient, weggeschickt zu werden. Dann lieber Zeller. „Auch wenn er uns geholfen hätte und es eine schwierige Entscheidung war“, gibt Hintermaier zu. „Floppo hat uns immer weitergeholfen, in der Vorsaison hätten wir ihn mit Kusshand genommen.“ Doch diesmal musste eine sportliche Entscheidung fallen. Für die Jugend. „Wir wollen für niemanden unser Nachwuchs-Konzept umschmeißen“, stellt Hintermaier klar. „Bei uns ist eben die Mannschaft der Star.“

Der Zeitpunkt von Zellers Anfrage sei kein glücklicher gewesen, fügt Hintermaier hinzu. „Vor drei Wochen war der Kader schon so gut wie voll“, gibt der ECT-Präsident zu bedenken. „Wenn er früher angefragt hätte, wäre es vielleicht etwas anders gelaufen.“ Es stimmt schon, die Quantität ist vorhanden: Die Löwen planen mit 22 Spielern. Doch Unterschriften einiger Talente sowie der Routiniers Yanick Dubé, Martin Hinterstocker und des eventuellen Neuzugangs Anton Prommersberger stehen noch aus. Und es kann immer wieder Verletzte geben, Yasin Ehliz wird voraussichtlich nicht allzu oft für Tölz spielen, sondern per Förderlizenz in Nürnberg. „Ich habe keine Angst, dass uns die Spieler ausgehen“, beschwichtigt Hintermaier. „Es kommen genug junge nach, siehe Michael Fischer oder Dennis Neal.“

Geld habe bei der Entscheidung gegen Zeller keine Rolle gespielt. Warum auch? Der Tölzer beginnt ab September eine Schreiner-Lehre in Reichersbeuern und darf nebenher nicht mehr als 165 Euro verdienen. Für das Geld hätten ihn die Löwen zur Not sogar auf die Bank setzen können. „Aber das kann man mit Floppo auch nicht machen“, sagt Hintermaier. „Er will ja spielen.“

Der lachende Dritte ist nun der Bayernligist TEV Miesbach, zu dem Zeller wechselt. Dass er vorerst nicht mehr für Tölz spielen wird, ist durchaus enttäuschend für ihn. „Kann man nichts machen, es ist schon in Ordnung, ich hege keinen Groll.“ Anfangs war er auch etwas angefressen darüber, wie die Entscheidung gefallen ist. Doch mittlerweile hat er sich damit abgefunden und hat die Zukunft im Blick. „Ich konzentriere mich auf die Arbeit und spiele nebenher Eishockey.“

Auch die Tölzer Löwen blicken nach vorne. Der Nachwuchs hat für sie den größten Stellenwert. Dieses Konzept kommt nun offensichtlich auch bundesweit an: Löwen-Trainer Flocko Funk wird voraussichtlich für den Erich-Kühnhackl-Preis für erfolgreiche Nachwuchsförderung nominiert. Mit ein Grund für die Auswahl des Greilingers: einen Routinier zu Gunsten junger Spieler wegzuschicken.

(Nick Scheder)

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