Der Spaß hat ein Loch: Die Schiedsrichter prüfen den Schaden im Grafinger Eis und brechen das Spiel schließlich ab. Foto: sro

„Feiges Urteil“ wird sich jeder Verein abheften

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Bad Tölz - Der abgeschmetterte Protest sorgt bei den Tölzern für Kopfschütteln. Die Gründe für den Spielabbruch waren für das DEB-Spielgericht nicht von Interesse.

Den Kampf um den Finaleinzug haben die Tölzer Löwen auf sportlichem Weg geregelt. Doch zurück bleibt Ärger um den abgeschmetterten Protest gegen das verlegte Wiederholungs-Spiel. Das DEB-Spielgericht hat den Antrag des Tölzer Eisclubs auf Klärung des unübersichtlichen Sachverhalts beim Spielabbruch am Feitagabend gestern Nacht zurückgewiesen. Begründung der zuständigen Richter Dr. Roland Götz und Dr. Jörg Boulanger: Die Vereine hätten sich unter Zustimmung des Oberliga-Leiters Oliver Seeliger bereits geeinigt, die Ursachen für den Spielabbruch spielten für die sportliche Entscheidung keine Rolle mehr.

Die Tölzer Antragsteller finden sich mit dem Urteil zwar notgedrungen ab, haben auf weitere Rechtsmittel im Vorfeld ohnehin verzichtet. „Aber mein Rechtsempfinden ist durch die Entscheidung schwer angekratzt“, sagt ECT-Präsident Josef Hintermaier. „Ein feiges Urteil, mit dem sich die Verantwortlichen aus der Verantwortung ziehen“, schimpft sportlicher Berater Franz Fritzmeier.

Halbfinalentscheidung: Löwen müssen sich Klostersee beugen

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Gestern um kurz vor 22 Uhr lief beim Eisclub Bad Tölz die E-Mail des DEB-Spielgerichts ein. „Ich habe schon um 18 Uhr damit gerechnet“, sagt Hintermaier. Doch viel mehr ärgert er sich darüber, dass Richtlinien nicht eingehalten wurden. Die ESBG-Statuten besagen, dass der Verein oder die Mannschaft, die in den Play-offs einen Spielabbruch verschuldet, sowohl die Partie als auch die Serie verliert. „Aber auf diese Vorgaben ist das Gericht gar nicht mehr eingegangen“, schimpt Hintermaier. Ob menschliches Versagen oder höhere Gewalt Schuld an den Löchern im Eis waren, „kann dahingestellt bleiben“, heißt es in dem Papier. Das Sportgericht geht davon aus, dass die Beteiligten „eine sportliche Entscheidung treffen wollten“.

Der betreffende Passus der Durchführungsbestimmungen wurde ursprünglich eingeführt, als Düsseldorf bei einem Bundesliga-Spiel in Rosenheim einen Spielabbruch provoziert hatte. Die DEG-Spieler sind nicht mehr aufgelaufen, der Schiedsrichter war machtlos. Die Regel sollte Abhilfe schaffen. Doch der Abschnitt lässt sich problemlos auch auf den Fall in Grafing anwenden. „An die Richtlinien muss sich der Verband halten oder die Regel ändern“, sagt Hintermaier. „Wir alle, aber auch der Verband müssen daraus lernen und die Regeln künftig konkreter fassen“, bestätigt Fritzmeier.

Halbfinalentscheidung: Bilder vom Spiel Klostersee gegen Tölz

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Vor allem aber habe sich Seeliger nicht korrekt verhalten, meint der sportliche Berater der TEG. „Er hat eine Fürsorgepflicht für die ganze Liga“, sagt Fritzmeier. Seiner Meinung nach hätte der Oberliga-Leiter deshalb den Sachverhalt prüfen und am Tag nach dem Spielabbruch Stellungnahmen der Beteilgten abwägen müssen. „Stattdessen hat er die Entscheidung auf der Vereinsebene belassen.“ Die Entscheidung öffne Tür und Tor für Missbrauch. „Das Urteil wird sich jeder Verein abheften“, vermutet Fritzmeier. „Sollen sich künftig Clubs untereinander absprechen und ihre Beschlüsse dann nur noch vom Ligen-Leiter am Telefon durchwinken lassen? So geht das nicht.“

Die sportliche Leistung der Klosterseer Mannschaft respektieren beide. Doch Hintermaier hätte seinen Buam gerne ein sechstes kräftezehrendes Play-off-Halbfinale erspart.

Nick Scheder

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