Löwen trainieren Taekwondo

Gnadenlos den Willen schulen

Bad Tölz - Die Tölzer Löwen bereiten sich mit Taekwondo auf die neue Saison vor - Coach Lorenz Funk spricht von einem "optimalen Training“.

Hart trainieren - das nehmen die Tölzer Löwen an diesem Dienstagabend wörtlich. Rund ein Dutzend Spieler liegt auf dem Parkettboden der Turnhalle auf der Flinthöhe. Auf die Ellbogen gestützt versuchen sie, sich zu Liegestützen hoch zu stemmen. Einmal, zweimal, fünfmal, zehnmal. Jakob Wiederspan gibt gnadenlos die Kommandos. „Hoch, und hoch, und hoch.“ Den Spielern kann man die Strapazen aus den Gesichtern ablesen. Florin Ketterers Kopf verfärbt sich zu einem rötlichen Farbton. „Hoch, und hoch, und hoch.“ Franz Mangold verzieht das Gesicht, dann verlassen ihn die Kräfte. Er sinkt auf den Boden. Allerdings nicht lange. Mit dem Charme eines Aufsehers in einem amerikanischen Boot-Camp brüllt Wiederspan: „Franz hooooooch!“ Der Löwen-Stürmer rappelt sich auf. „Hoch, und hoch, und hoch. Bis die Ellenbogen weh tun.“ Florin Ketterers Gesicht verfärbt sich ampelrot. Aus der hinteren Reihe hört man ein verzweifelt-humoriges: „Also mir tun die Ellenbogen jetzt weh.“ Wiederspan überhört es. „Hoch, und hoch.“ Erst dann folgt das erlösende: „Und runter.“ Ein Löwe seufzt: „Scheiße - bin ich fertig.“

Tölzer Löwen beim Taekwondo: Bilder vom Training

Tölzer Löwen beim Taekwondo: Bilder vom Training

Tölzer Löwen
Tölzer Löwen
Tölzer Löwen
Tölzer Löwen
Tölzer Löwen beim Taekwondo: Bilder vom Training

Zweimal pro Woche treffen sich die Tölzer Löwen zu einem Training, das wenig mit Eishockey zu tun hat. Sie üben sich im Taekwondo. Liegestützen sind nur einer von vielen Punkten auf dem Trainingsplan. „Eigentlich haben Eishockey und Taekwondo nur eine Gemeinsamkeit: Es sind Sportarten mit Gegnern“, sagt Hans Kaiser, Leiter des Taekwondo-Kampfkunst-Zentrums Bad Tölz. Was die Löwen trotzdem mitnehmen sollen: Koordination, Kampfgeist, Selbstbewusstsein, unbedingten Willen und Reaktionsfähigkeit. Ob einer der Löwen besonderes Talent für die Kampfkunst hat, will Kaiser nicht verraten. Die „Buam“ seien allesamt sportlich - eine gute Voraussetzung. „Auch wenn sie bei der Gymnastik etwas steif sind“, sagt Kaiser schmunzelnd.

Tatsächlich dauert es etwas, bis die Eishockeyspieler sich mit gespreizten Beinen auf beiden Fäusten nach oben stemmen können. Am Besten gelingt dies Fabian Schlager, der ein Lob erhält. „Jetzt machen wir einen coolen Sprung“, kündigt Kaiser an. „Stellt ihn euch so vor, wie wenn Dagobert Duck einen Cent findet.“ Christian Heller soll den Sprung demonstrieren, es gelingt ihm recht gut.

„Man merkt, dass diese Schüler eine professionelle Einstellung zum Sport haben“, lobt Kaiser. Deshalb hat er auch ein härteres Programm für die „Buam“ parat. Die verschiedenen Kampftechniken, die die Löwen einstudieren, sind nicht unbedingt für die Abwehr von Angriffen geeignet. „Es geht darum, Bewegungsabläufe zu automatisieren“, sagt der Trainer, der betont, dass es sich beim Taekwondo um Kampfkunst, nicht um Kampfsport handelt. „Beim originalen Taekwondo gibt es niemals Körperkontakt. Nicht, dass es beim ersten Check heißt: Das haben die beim Kaiser gelernt“, sagt er und lacht.

Dann fällt ihm noch eine Gemeinsamkeit der beiden Sportarten ein: „Auch beim Taekwondo gibt man immer 30 bis 40 Sekunden Vollgas und hat dann wieder Belastungspausen.“ Die Zuschauer sind jedenfalls angetan. „Ein optimales Training“, findet Co-Trainer Lorenz Funk. Betreuer Ernst Frech ist besonders von Wiederspan beeindruckt, der auch die härtesten Übungen mitmacht. „Der ist ein Phänomen.“

(Patrick Staar)

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