Jürgen Rumrich, neuer Geschäftsführer der Tölzer Eissport-Gesellschaft
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„Da kam alles auf den Tisch“: Jürgen Rumrich, der neue Geschäftsführer der Tölzer Eissport-Gesellschaft, weiß, auf was er sich mit seinem Posten eingelassen hat. „Wir müssen zusammenhelfen, gemeinsam geht’s.“

INTERVIEW - Neuer Löwen-Chef Rumrich über Zusammenhalt, Klinkenputzen und den Nachwuchs

„Oberliga nächste Saison ist kein Thema“

  • Nick Scheder
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Der neue Löwen-Chef Jürgen Rumrich im Interview über Zusammenhalt auf und neben dem Eis, Klinkenputzen und den Tölzer Nachwuchs.

Bad Tölz – Sportlich gibt es bei den Tölzer Löwen nichts zu kritteln. Sie stehen nach sechs Siegen in Serie auf Rang drei der DEL 2. Trotzdem gibt es für den neuen Geschäftsführer der Tölzer Eissport-Gesellschaft einiges zu tun: Jürgen Rumrich (52) muss die Saison zu einem ordentlichen Ende bringen, sich gleichzeitig um die neue kümmern. Es gilt, die Rahmenbedingungen für einen Spielbetrieb in der DEL 2 zu schaffen, obwohl Hauptsponsor Wee bei Tölz in der Kreide steht. Er muss sich um neue und alte Sponsoren kümmern und eine Mannschaft mitsamt Trainer zusammenstellen. Er nehme die Herausforderung an, stellt Rumrich klar. Er kommt aus Miesbach, wohnt in Landshut, hat eine vorübergehende Bleibe in Sachsenkam gefunden, ist aber auf der Suche nach einer Wohnung in der Stadt. Denn er möchte dem Tölzer Eishockey längerfristig helfen, sich weiterzuentwickeln.

Herr Rumrich, seit der Insolvenz 2009 haben sich vier Geschäftsführer in diesem Büro abgewechselt. Wie lange planen Sie, auf dem Posten zu bleiben?

(lacht) Mit der Vergangenheit beschäftige ich mich grundsätzlich nicht. Was ich seit einer Woche miterlebt hab’, gefällt mir. Ich habe schon vor, das hier längerfristig zu machen.

Keine leichte Aufgabe,vor allem in dieser Situation – das ist Ihnen bewusst?

Ich habe viele Gespräche geführt mit ECT-Präsident Hubert Hörmann und seinem Stellvertreter Josef Hintermaier sowie mit Birgitt Breiter, die die Geschäfte interimsweise geführt hat. Es waren offene Gespräche, da kam alles auf den Tisch. Die Situation ist nun keine Überraschung mehr für mich – ich weiß, auf was ich mich einlasse.

Und Sie haben trotzdem Ja gesagt?

Ja, ich liebe die Herausforderung. Tölz hat sich in den vergangenen Jahren schon sehr gut entwickelt, ist ein guter DEL 2-Standort geworden. Die wirtschaftliche Seite gehört auch dazu. Ich möchte mithelfen, das fortzuführen und weiterzuentwickeln.

Die laufende Saison muss möglicherweise ohne Zahlungen des Hauptsponsors beendet werden, aber Sie müssen schon jetzt die kommende Saison planen – ebenfalls eine große Herausforderung?

Ja natürlich, wir haben allerdings Pläne mit und ohne Wee erstellt. Wir arbeiten sehr intensiv, es gibt viele Köpfe, die sich viele Gedanken machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir für die zweite Liga planen können und eine gute Mannschaft zusammenbekommen.

Wie soll das ohne Wee gehen, die normalerweise einen hohen sechsstelligen Betrag gezahlt hätten?

Wir haben schon ein paar Ideen, wie wir das auffangen können. Wir sind dran, aber ich kann jetzt noch nichts dazu sagen.

Ihr Vorgänger Christian Donbeck hat sich in der Vergangenheit sehr auf den Hauptsponsor konzentriert. Dabei sind viele kleine und mittlere Geldgeber auf der Strecke geblieben. Die wären nun wieder wichtig, oder?

Was vorher war, weiß ich nicht. Wee ist ein großer Sponsor, wenn man so einen hat, hat das natürlich den Vorteil, dass es finanziell in eine gute Richtung geht. Der Nachteil ist allerdings, wenn der Sponsor mal wegbricht, hat man größere Schwierigkeiten. Man muss versuchen, das auf mehrere Schultern zu verteilen. Wichtig ist natürlich, den aktuellen Stand der Sponsoren zu pflegen, dass die uns treu bleiben. Ich werde mich bei ihnen vorstellen und sie kennenlernen. Wir sind der kleinste Standort in der DEL 2, da geht’s nur miteinander. Das habe ich schon nach einer Woche hier erlebt: Jeder ist bereit zu helfen, das gefällt mir. Das muss auch das Ziel sein, dass wir zammhelfen, damit Tölz weiter erfolgreiches Eishockey bieten kann.

Sponsorensuche ist Kärrnerarbeit, sind Sie der Richtige zum Klinkenputzen?

(lacht) Das können Sie mich in einem Jahr fragen oder sich bei den Sponsoren erkundigen. Nein, im Ernst, ich habe überhaupt keine Probleme damit, auf Leute zuzugehen. Ich sehe Sponsoren nicht nur als Geldgeber, sondern als Partner, es sollte für beide Seiten eine Win-Win-Situation entstehen. Künftig könnte es eine Möglichkeit sein, dass sich Sponsoren auch untereinander besser austauschen können. Wir haben Ideen, verschiedene Sachen auszuprobieren.

Die Saison dauert noch eine Weile, doch schon jetzt ist die Zeit, die kommende Spielzeit zu planen. Es gilt, wichtige Spieler zu halten. Wie weit sind die Verhandlungen schon gediehen?

Ich spreche mit allen Spielern, um sie kennenzulernen, oder – die meisten kenne ich ja schon – sich locker zu unterhalten und zu erfahren, was sie überhaupt für Planungen haben. Es gilt, einen Überblick zu bekommen, wohin die Reise geht bei jedem einzelnen.

Es gibt vermutlich eine Prioritätenliste, welche Positionen stehen ganz oben?

Am wichtigsten ist es zu wissen, wer nächstes Jahr Trainer ist.

Und wer ist es?

Wir sprechen derzeit mit Kevin Gaudet über eine Vertragsverlängerung, unterhalten uns über die neue Saison. Wir sind auf einem guten Weg.

An Spielern wie Max French, Marco Pfleger oder Reid Gardiner sind gewiss auch andere Vereine interessiert. Da tut eine Vertragsverlängerung vermutlich Not, wenn man sie halten will ...

Das ist klar. Ich bin nicht so ganz neu im Geschäft, mir ist schon bewusst, dass man da jetzt schnell reagieren muss. Wir haben eine gute Mannschaft, wenn auch nur einen kleinen Kader, haben starke Einzelspieler, und die Mannschaft funktioniert sehr gut als Mannschaft. Klar gibt es Spieler, die Angebote von andere Vereinen haben, das ist ja ganz normal, wenn sie gut sind. Sie spielen natürlich auch für Verträge für die neue Saison. Aber jeder weiß, was er an Tölz hat. Wir versuchen schon, den Kern der Mannschaft zu halten.

Sportlich läuft’s – wieder, seit Sie da sind !

(lacht) Ja, dann nehme ich das mal auf meine Kappe. Na, im Ernst: Diese Mannschaft hat einen super Charakter, sie gibt nie auf, das zeichnet sie aus.

Es gibt da so eine Liste, wo sich die Spieler für einen Gesprächstermin mit Ihnen eintragen können...

Ja, die gibt es, aber alle sind noch nicht durch.

Zum wirtschaftlichen Bereich: Die Zusammenarbeit mit Controllerin Birgitt Breiter läuft weiter?

Top, sie unterstützt mich bestens, ist weiterhin für die Zahlen, die Buchhaltung verantwortlich und bringt unheimlich viel Wissen ein. Sie hat viele Aufgaben übernommen, als sie interimsweise die Geschäfte geführt hat. Das hilft mit jetzt dabei, selbst reinzufinden.

Dem Hauptverein EC Bad Tölz ist die Zusammenarbeit zwischen Erster Mannschaft und Nachwuchsteams sehr wichtig. Welchen Stellenwert hat für sie die ECT-Jugend?

Einen sehr hohen. Das war bei mir zum Beispiel auch in Schwenningen so. Da hab’ ich mitgeholfen, dass der Verein fünf Sterne im DEB-Nachwuchs-Programm bekommt. Meine Philosophie ist schon, dass man möglichst viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach oben bringt. Die Identifikation mit der Mannschaft ist hier sowieso mehr gegeben als anderswo. Eishockey in Tölz hat Tradition. Hier kommen Spieler von unten nach, werden hier ausgebildet. Ich kenne die Nachwuchsleiter Florian Funk und Klaus Kathan sehr gut, hab’ mit beiden schon gespielt. Wir setzen uns beizeiten zusammen und tauschen uns aus über interessante Spieler. Wir haben ja jetzt schon mit Niklas Hörmann und Anton Engel neue Förderverträge. Das muss unser Weg sein.

Es darf künftig nicht mehr passieren, dass Top-Spieler wie die Heigl-Brüder in Tölz ausgebildet werden und dann abwandern?

Ja. Beide Seiten müssen gewinnen. Der Nachwuchs, die Spieler müssen sehen, es ist eine Perspektive da, ich kann hier in die Profi-Mannschaft reinschnuppern. Und wir müssen versuchen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich hier zu entwickeln. Natürlich haben wir starke Konkurrenz mit Salzburg, Mannheim oder jetzt auch München. Aber wir müssen trotzdem Wege finden, solche Top-Spieler zu halten.

Vor diesem Hintergrund: Ist es wichtig, den fünften Stern im Fünf-Sterne-Programm zu bekommen – sprich ein Sportinternat?

Das geht jetzt sehr weit. Ich weiß, dass das eine Menge kostet. Da bin ich jetzt auch noch nicht richtig drin. Wenn es sich hier eingespielt hat, kann man sicher zusammen mit dem Eisclub darüber reden.

Sie haben gesagt, Sie wissen, auf was Sie sich einlassen. Wie schaut es denn konkret finanziell aus, müssen sich die Fans Sorgen machen?

Nein. Die Saison ist gesichert. Für die kommende Saison haben wir Plan A und Plan B – aber beide für die DEL 2.

Oberliga ist kein Thema?

Nein, Oberliga ist kein Thema. Aber wir brauchen schon auch Unterstützung, wie beispielsweise jetzt die Aktion mit dem Dauerkartenverzicht. Nur gemeinsam können wir das alles meistern.

Dass die laufende Saison gesichert ist, liegt gewiss auch am Corona-Hilfspaket der Regierung. Ist hier ein Bumerang zu befürchten, sprich dass am Ende hohe Rückforderungen ins Haus stehen?

Prinzipiell muss man immer aufpassen, wenn man zweckgebunden Geld vom Staat bekommt. Aber ich denke schon, dass ich da sehr kompetente Leute habe, die nur das beantragen, was man beantragen darf. Wir werden keinen horrenden Betrag zurückzahlen müssen.

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