Löwen-Sturm-Talent Luca Tosto (li.)
+
Hatte heuer schon oft Grund zum Jubeln: Sturm-Talent Luca Tosto (li.) lieferte durchschnittlich fast in jedem Spiel einen Punkt für die Tölzer Löwen ab und machte nun seine erstes Partie nach einer Verletzungspause.

INTERVIEW mit Luca Tosto

„Wir kämpfen traditionell bis zum Umfallen“

  • Nick Scheder
    vonNick Scheder
    schließen

Luca Tosto, Sturm-Talent der Tölzer Löwen, über Vertrauen, den kleinen Tölzer Kader und einen Riesenschritt.

Reichersbeuern/Bad Tölz – Er ist die Überraschung der Saison: Luca Tosto, mit 20 Jahren einer der Jüngsten im Tölzer Eishockeyteam, war ein zuverlässiger Punktelieferant, bis ihn eine Verletzung zu einer Pause zwang. Brachte es der Stürmer in der gesamten Vorsaison noch auf acht Punkte, lieferte er jetzt bereits nach 20 Spielen 16 Zähler ab, war bester U 21-Förderspieler, bis ihm ein Puck die Fingerkuppe an der linken Hand zertrümmerte.

Tosto hatte sich im DEL2-Spiel gegen Kaufbeuren Ende Januar in einen Schuss geworfen. Nach vier Wochen Verletzungspause machte der Reichersbeurer am Wochenende gegen Freiburg wieder sein erstes Spiel und spricht im Interview über seine Entwicklung, seine Ziele und die verrückte Corona-Saison.

Herr Tosto, ärgert es Sie, dass Philipp Krauß vom ESV Kaufbeuren Sie während Ihrer Verletzung als bester U 21-Förderspieler überholt hat?

Nein, ich vergönne ihm das. Ich freue mich immer, wenn junge Spieler sich verbessern. Das ist doch auch gut fürs deutsche Eishockey. Und Philipp hat sich echt gut entwickelt. Aber ansonsten schaue ich auf mich, und dass ich für mich und meine Mannschaft alles gebe.

Wenn Sie auf sich schauen: 16 Punkte in 20 Spielen sind aller Ehren wert. Man könnte sagen, Sie sind in der DEL 2 angekommen, oder?

Absolut. Ich denke, ich habe im Vergleich zur Vorsaison einen Riesenschritt gemacht. Da ist mir der kleine Kader zu Gute gekommen, weil wir keine großen Alternativen in der Aufstellung hatten, und dass ich das Vertrauen des Trainers bekommen habe. Ich freue mich, dass ich diese Leistung bringen kann, auch wenn natürlich immer noch Luft nach oben ist. Gerade defensiv muss ich noch besser werden, gerade im Hinblick auf die DEL.

Ist die denn Ihr Ziel?

Klar ist es ein Ziel, in der höchsten deutschen Eishockeyliga zu spielen. Aber ich möchte aktuell nicht darüber reden, sondern einfach für Tölz das abrufen, was ich kann und für Tölz alles geben.

Wie erklären Sie sich Ihre gute Entwicklung?

Ich hatte im Sommer viel Zeit zum Trainieren und habe diese Zeit auch genutzt. Ich glaube, ich habe es ganz gut hingekriegt, mich auch körperlich gut entwickelt, bin erwachsener geworden. Ich bin zwar noch ein junger Spieler, aber ich denke, es kommt schon auch eine gewisse Erfahrung zum Tragen. Das macht auch etwas aus.

Ändert sich durch Ihre gute Entwicklung in der Wahrnehmung in der eigenen Mannschaft oder beim Gegner etwas?

Nein, eigentlich nicht. Man muss realistisch bleiben. Ich denke, ich bin immer noch einer der Schwächeren bei uns im Team. Aber ich merke schon, dass ich das Vertrauen der Mitspieler habe: Ich bekomme die Scheibe, ohne dass jemand überlegen muss, ob sie mir gut aufgehoben ist. Das schon.

Der ohnehin schon kleine Tölzer Kader wurde durch Ihre Verletzung nochmals dezimiert. Hat es geschmerzt, in dieser Situatuation nur zuschauen zu können?

Ja, das hat richtig weh getan. Es war aber umso schöner, zu sehen, dass es die Mannschaft trotzdem so gut hinbekommen hat.

Kann es sein, dass der kleine Kader dafür sogar förderlich ist, weil jeder gefordert ist und sich nicht auf jemand anderes verlassen kann?

Das spielt sicher eine Rolle. Es ist in den Köpfen drin, dass jeder Fehler bestraft wird und jeder alles geben muss, weil es eben so wenige Alternativen gibt. Aber wir haben schon auch auch viel Qualität im Kader und mit Maximilian Franzreb einen überragenden Torwart. Hut ab, der hat uns echt schon viele Spiele gerettet. Und wir haben ein sehr gutes System, sind das Spiel mit drei Reihen gewohnt – wir spielen ja die ganze Saison nichts anderes. Und in der Vorsaison war es auch nicht anders. Außerdem haben wir als Team gut zusammengefunden – und die Tölzer Löwen kämpfen eben traditionell bis zum Umfallen.

Dazu braucht es Fitness...

Ja, ich denke, die haben wir. Wir spielen seit Mitte Dezember mit nur wenigen Leuten, jedes Spiel ist ein gewaltiges Ausdauertraining. Deshalb sind wir fit. Und wir sind clever, also wir wissen, wie wir uns die Kraft einteilen, wann wir damit haushalten müssen.

Haben Ihre Mitspieler auch einen Einfluss auf Ihre Entwicklung?

Ja natürlich, einen großen. Man spielt jeden Tag zusammen, schaut aufeinander und lernt voneinander.

Sind Sie bei ihrem ersten Spiel nach der Verletzung in Freiburg wieder gut reingekommen?

Naja, die ersten zwei, drei Wechsel waren schon bissl hart. Aber dann bin ich ganz gut ins Spiel gekommen und habe – glaube ich – auch recht solide gespielt.

Zum Sieg hat es aber nicht gereicht...

Ja, leider tun wir uns in Freiburg immer schwer zu gewinnen. Aber es ist auch eine gute Mannschaft mit guten Spielern. Und Torhüter Ben Meisner hat an diesem Tag unglaublich stark gehalten.

Die Tölzer Löwen sind nach der Niederlage Vierte, stehen aber insgesamt besser da, als vielleicht viele erwartet haben. Was ist noch drin in dieser Saison?

Wir wollen auf jeden Fall die Play-offs erreichen. Aber nicht nur das. Wir schwimmen in der Tabelle immer so zwischen zwei und fünf – und deshalb wollen wir immer weiter nach oben. Jetzt haben wir morgen Kassel da, das wird ein schwieriges Spiel, aber das ist doch unsere größte Herausforderung. Das letzte Spiel gegen die Huskies war auch knapp, wenn wir da jetzt gewinnen, das wäre doch cool.

Corona bestimmt derzeit alles. Ist die Saison für Euch auch etwas Besonderes oder lebt Ihr in einer Eishockeyblase zwischen Spielen und Training?

Nein, es gibt Dinge, die gehen schon ab. Zum Beispiel mit Spezln Essen gehen oder sich einfach mal zum Kaffee zusammensetzen. Aber abgesehen davon, sind wir schon sehr froh, dass wir unseren Beruf ausüben, unserer größten Liebe nachgehen können. Da hat es andere deutlich schlimmer getroffen. Aber natürlich ist es auch für uns etwas anderes, beispielsweise bei den Busfahrten zu Auswärtsspielen. Da gibt es einfach vorgegebene Regeln, an die man sich halten muss. Oder in einem Stadion ohne Fans zu spielen. Die fehlen am meisten. Es ist schon viel besser, vor 3000 oder 4000 Leuten in der Halle zu spielen.

Auch interessant

Kommentare