+
Die richtige Entscheidung treffen: Kontingent-Verteidiger Iiro Vehmanen beweist auf dem Eis gute Übersicht. Er fehlte bisher in fast keinem Spiel der Tölzer Löwen.

Interview

„Bei der Weißwurst gibt es keine Regeln“

  • schließen

Löwen-Verteidiger Iiro Vehmanen im Interview über die Oberliga-Meisterschaft, defensives Eishockey und bayerische Besonderheiten. 

Wackersberg/Bad Tölz– Es musste schnell gehen: Auf der Suche nach einem Kontingent-Verteidiger hatten die Tölzer Löwen heuer kein Glück. Der erste Kandidat, der Schwede Filip Björk, war mit einer Schulterverletzung nicht einsatzfähig. Bald besetzte Iiro Vehmanen die freie Ausländer-Position. Erste Eindrücke ergaben ein wackliges Bild auf dem Eis, schnell wurde Kritik laut. Doch der 27-jährige Finne hat sich mittlerweile zum zweitbesten Verteidiger (nach Punkten) gemausert, zeigt immer großen Einsatz, hat sich in die Herzen vieler Fans gespielt, und ist – zumindest laut Trainer Axel Kammerer – „schon fast ein echter Tölzer“. Vehmanen spricht im Interview über die finnische Art des Eishockey, leise Stadien in seiner Heimat und die Vorzüge bayerischen Essens.

-Herr Vehmanen, Sie haben anfangs viel Gegenwind bekommen, als Sie nach Tölz gekommen sind. Wollten Sie gleich wieder weg?

Nein, gar nicht. Zu keiner Zeit. Ich kam während der Saison, nachdem ich in meiner Heimatstadt Pori in der ersten Liga kurz vor Saisonstart nicht genommen wurde. Da war ich sehr enttäuscht, aber sehr froh, als es mit Tölz geklappt hat.

-Viele bemängeln Ihre Schlittschuhtechnik. Mal ehrlich: Wer ist der beste Skater im Team?

Ah, jetzt verstehe ich (lacht). Ich bestimmt nicht. Vielleicht... Stefan Reiter.

-Was sind Ihre Stärken?

Ich denke, ich habe eine gute Übersicht. Und wenn es in Situationen zwei verschiedene Möglichkeiten gibt, entscheide ich mich oft für die richtige, glaube ich. Außerdem trage ich wahrscheinlich zur guten Stimmung im Team bei, in der Kabine oder beim Anfeuern.

-Immerhin haben Sie es zum zweitbesten Verteidiger gebracht...

Ja, okay, nach Punkten, aber das ist nicht das einzige Kriterium. Tom Horschel beispielsweise haut sich immer voll rein, ist wichtig für die Mannschaft, hat aber nur sechs Punkte. Ich spiele in Überzahl, da ist es klar, dass mehr Punkte zusammenkommen. Es dürften bei mir sogar noch mehr sein...

-Kamen Sie zurecht mit der Spielweise bei den Löwen?

Generell wird in der Oberliga viel offener gespielt als zum Beispiel in Finnland. Es gibt sehr viele 2:1- oder 3:2-Situationen, weil die meisten Mannschaften hurra-nach-vorne stürmen. Aber die Löwen sind das am besten organisierte Team, würde ich sagen. Das zeigt sich auch in den wenigen Gegentoren, die wir kriegen. Und wenn man nur wenige Treffer bekommt, gewinnt man oft. Defensive gewinnt. Wir haben einen ganz starken Torwart, das macht auch viel aus.

-Über Sie wird gesagt, Sie seien unberechenbar, deshalb für den Gegner schwer auszurechnen, nicht einmal Sie selbst wüssten, was Sie als nächstes tun...

(lacht) Ich hoffe schon, dass ich weiß, was ich tue. Schwer ausrechenbar zu sein, ist gut, denn das Wichtigste für einen Verteidiger ist doch, dafür zu sorgen, dass der Gegner nicht trifft. Und wenn wir die Scheibe haben, muss man einen guten Pass spielen können. Das versuche ich zu tun.

-Gefällt es Ihnen bei den Löwen?

Ja, ein super Team, und es gibt keine Probleme innerhalb der Mannschaft.

-Ein paar Mal haben die Zuschauer Sie nach Siegen schon zum Tanz aufgefordert. Haben Sie ein gutes Verhältnis zu den Fans?

Ich hoffe schon. Das mache ich gerne. Wir müssen den Zuschauern dankbar sein, dass Sie uns unterstützen. Die Stimmung ist hier sowieso der Wahnsinn. Als ich in Finnland in der zweiten Liga gespielt habe, war das ganz anders. Da war Stille im Stadion. Vielleicht 500, 600 Leute. Und nur, wenn wir ein Tor geschossen haben, hat jemand verhalten geklatscht. Das ist hier viel besser, vor allem, wenn es mal fast 2000 Zuschauer sind.

-Die Löwen haben das Viertelfinale erreicht, wie weit soll’s noch gehen in den Play-offs?

Wir wollen alles gewinnen! Ich weiß, dass das nicht einfach wird, aber ich glaube, wir haben es drauf. Wir wollen Meister werden, na klar!

-Was macht die Löwen heuer so stark?

Die Defensive funktioniert, jeder hilft mit, wenn es auf unser Tor geht. Und wir haben mit Markus Janka den besten Torwart, das ist ein entscheidender Punkt. Und der Teamgeist ist extrem gut. Selbst einer wie Klaus Kathan, den ich schon von früher kenne, rackert für die Mannschaft. Ich habe ihn gesehen, als er bei Olympia gegen Finnland gespielt hat, da habe ich zugeschaut, und auf einmal spiele ich mit ihm in einer Mannschaft. Das wusste ich vorher gar nicht. Wahnsinn. Aber er lässt nicht den Superstar raushängen, bleibt auf dem Boden. Bei den Löwen ist jeder Spieler gleich wichtig.

-Wollten Sie jemals höher hinaus, in die NHL?

Ja klar, das will jeder. Aber ich hab’ mit 18 oder 19 gemerkt, dass ich NHL nur auf der Play-Station spielen kann.

-Wie schaut es mit der Sprache hier aus?

Ich verstehe nach einem halben Jahr hier schon besser Deutsch als nach zwei Jahren in Frankreich Französisch. Da habe ich in Anglet an der Atlantikküste gespielt, das war auch gut – außer die Sprache. Da konnten nur die Ausländer Englisch, und Französisch fand ich extrem schwierig. Deutsch verstehe ich jetzt schon ganz gut, kann sogar ein paar einfache Sachen sprechen.

-Wer bringt es ihnen bei?

Der Franz Mangold bringt mir Einiges bei. Aber da ist auch viel Schmarrn dabei (lacht). Aber (spricht Bairisch) heid is a scheena Dog, auf gähds, Deiza, pack ma’s kann ich schon. (wieder auf Englisch): Der Bene Huß redet die ganze Zeit Deutsch mit mir, da verstehe ich nicht so viel, aber das ist ihm egal, er redet einfach weiter. Ein guter Typ.

-Welchen Eindruck haben Sie sonst von Bayern?

Super Land, super Leute, zumindest die meisten. Einmal im Supermarkt habe ich auf Englisch um Hilfe gebeten. Die Frau hat gesagt, sie versteht nichts und ist weggegangen. Das fand ich komisch. Aber Tölz gefällt mir gut, die Gebäude, die Isar. Auf dem Oktoberfest waren wir auch. Da wollte mir der Mangold eine Lederhose organisieren, die hat aber nicht gepasst. Nur dieses spezielle Hemd, dazu Jeans, ich glaube, ich sah aus wie ein Clown. Auch Wackersberg ist gut, wo ich mit meiner Freundin Nette wohne. Und das Essen in Bayern ist unglaublich.

-Was denn?

Die Weißwurst! Das ist mein Lieblingsessen. Einmal habe ich zehn Weißwürste gegessen, mit diesem süßen Senf. Die letzte war schon etwas schwierig, aber ich fand’s trotzdem super. Ich hab’ erst danach gesehen, dass die anderen diese Haut abmachen.

-Da haben Sie für nächstes Mal dazugelernt, oder?

Ach was, bei der Weißwurst gibt es keine Regeln.

-Wollen Sie in Tölz bleiben?

Ich will schon, habe aber noch keine Gespräche geführt. Vielleicht gewinnen wir erst mal, und dann schauen wir weiter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Live-Ticker: Tölzer Löwen gegen Bietigheim
Denkbar schwierige Aufgabe für die Tölzer Löwen: Das DEL 2-Schlusslicht empfängt heute Abend Spitzenreiter Bietigheim, ein Team, das in der Liga in allen Belangen vorne …
Live-Ticker: Tölzer Löwen gegen Bietigheim
Überlegen unterlegen
Chancen vergeben, einfache Gegentore bekommen: Wieder einmal kassierten die Tölzer Löwen als mindestens ebenbürtiges Team in Dresden eine unglückliche und unnötige …
Überlegen unterlegen
Das Spiel der Tölzer Löwen in Dresden im Liveticker
Die Tölzer Löwen sind mit dem 6:2-Sieg gegen Freiburg optimal aus der Länderspielpause gekommen. An diesem Sonntag gastieren sie bei den Eislöwen aus Dresden. Von der …
Das Spiel der Tölzer Löwen in Dresden im Liveticker

Kommentare