+
Nach einem Top-Jahr bei Düsseldorf wechselt Maxi Kammerer nach Washington. 

Eishockey

Übersee, die Zweite

  • schließen

Der Reichersbeurer Maxi Kammerer folgt erneut dem Ruf nach Nordamerika und hofft auf Einsätze für die Washington Capitals, dem „besten Team der Welt“.

Washington/Reichersbeuern – Das Team, das in der besten Liga der Welt ganz oben steht, kann mit Fug und Recht als beste Mannschaft der Welt betrachtet werden. Und wenn der Stanley-Cup-Gewinner 2018 sich der Dienste eines 21-jährigen Talents aus Reichersbeuern versichert, kann man sich zu Recht gebauchpinselt fühlen: „Das ist eine Bestätigung für meine Leistung, ich freue mich wahnsinnig, dass es mit der Chance auf die NHL geklappt hat“, sagt Maxi Kammerer, der einen Drei-Jahres-Vertrag bei den Washington Capitals unterschrieben hat.

Der ehemalige Stürmer der Tölzer Löwen hat schon einmal versucht, in Nordamerika Fuß zu fassen. 2013/14 spielte der Sohn von Ex-Löwen-Trainer Axel Kammerer für die Regina Pats in der Junioren-Liga WHL, kehrte aber noch vor Saisonende zurück. Er hat nun aber keine Bedenken, dass er sich erneut schwertun könnte. „Ich war damals vielleicht ein Jahr zu jung, es hat mir trotzdem viel gebracht. Jetzt habe ich mich weiterentwickelt und glaube, dass ich bereit bin.“ Zumindest muss er die Capitals beeindruckt haben, und das obwohl er weder zum Olympia- noch zum WM-Kader gehörte. Dafür stach er aus einer allenfalls mittelmäßigen Düsseldorfer DEL-Mannschaft heraus, die ihr erklärtes Ziel, die Play-offs, 2018 verpasste. „Wir haben zu oft wichtige Spiele verloren.“

Er selbst hatte jedoch ein gutes Jahr. Selbst wenn ihn viele vor der zweiten DEL-Saison warnten, bestätigte er als zweitbester Scorer der DEG seine starke Vorsaison, als er Rookie des Jahres wurde. Er hatte seinen Vertrag verlängert, weil er sich trotz der enttäuschenden Saison wohlfühlte. „Ich wollte nicht um jeden Preis aus Düsseldorf weg“, stellt Kammerer klar. „Aber die Chance auf die NHL konnte ich mir nicht entgehen lassen.“

In der besten Liga der Welt angekommen ist Kammerer freilich noch nicht. Aber er hat einen Fuß in der Tür. Der Reichersbeurer kommt gerade von einem Kennenlern-Camp in der US-Hauptstadt zurück – „eine super Erfahrung“. Doch der entscheidende Termin ist das Rookie-Camp Anfang September. Da stehen Training und Testspiele auf dem Programm, und dann wird entschieden, welcher Neulinge in welche Liga geschickt wird. Im Normalfall landen die Rookies im Farmteam der Capitals, den Hershey Bears in der AHL. Zumal Kammerer mit seinen 21 Jahren zu den jüngsten zählen dürfte. „Aber egal, ich will alles geben und mich für die NHL empfehlen, aber ich mache mir keinen Druck, wenn es im ersten Jahr nicht klappt, klappt es vielleicht im zweiten oder im dritten.“ Vor Ablauf der drei Jahre zurückzugehen, ist keine Option.

Die kleine Eisfläche in Nordamerika ist für einen schnellen, offensiv ausgerichteten Spieler wie Kammerer eher ein Vorteil. Ebenfalls ein Vorteil könnte Alexander Owetschkin sein. Einerseits, weil es für Kammerer ein zusätzlicher Anreiz ist, mit dem russischen Superstar und Capitals-Torjäger in einer Mannschaft zu spielen. Andererseits, weil der 32-Jährige mit seinen knapp 10 Millionen Dollar Gehalt den Salary Cap schon ein gutes Stück weit füllt: NHL-Teams dürfen kommende Saison maximal 75 Millionen Dollar für den Spieler-Etat ausgeben. Da könnten verhältnismäßig billige Spieler wie Kammerer (700 000 Euro) zum „Auffüllen“ der Mannschaft dienen.

Eine Wohnung hat sich der Reichersbeurer noch nicht gesucht. Er möchte abwarten, in welchem Team er im September schließlich wirklich landet. Auch seine Mannschaftskollegen kennt er noch nicht. „Aber neben Owetschkin gibt es schon noch andere Top-Spieler.“ Vielleicht gehört ja auch Maxi Kammerer irgendwann dazu.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Flotte Truppe macht Lust auf mehr
Das neue Löwen-Rudel macht definitiv Lust auf mehr. Im ersten Testspiel ließen die Buam dem neu formierten Oberligisten SC Riessersee beim 6:0- Erfolg nicht den Hauch …
Flotte Truppe macht Lust auf mehr
Klaus Kathan: Gänsehaut zum Karriereende
Es war der würdige Abschluss einer großen Karriere: 1100 Zuschauer feierten den 154-fachen Nationalspieler Klaus Kathan bei seinem Abschiedsturnier im Tölzer Eisstadion.
Klaus Kathan: Gänsehaut zum Karriereende
Der Eishockey-Torhüter, der sich töten wollte
Ben Meisner ist einer der Neuzugänge beim DEL2-Club Tölzer Löwen. Einer, in den man Hoffnungen setzt: ein deutsch-kanadischer Torwart mit DEL-Erfahrung. Große …
Der Eishockey-Torhüter, der sich töten wollte

Kommentare