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Bereit für die Kompanie der Heckenschützen

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Von: Nick Scheder

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ECT-Vorsitzender Hubert Hörmann (li.) und der neue LÖwen-Chef, Ex-Riessersee-Manager Ralph Bader
Ja, im Ernst, ein Garmischer ist Tölzer-Löwen-Chef: ECT-Vorsitzender Hubert Hörmann (li.) empfängt Ex-Riessersee-Manager Ralph Bader als neuen Geschäftsführer der Tölzer Eissport-Gesellschaft. © Tölzer Löwen

Ein Garmischer an der Spitze des Tölzer Eishockeys: Ralph Bader löst Jürgen Rumrich als Löwen-Chef ab und ist „bereit zum Dialog mit den Fans“.

Bad Tölz – Ralph Bader und die Tölzer Löwen, das war bisher wie Feuer und Wasser. Als langjähriger Manager des Erzfeindes war der Garmisch-Partenkirchner sozusagen die Verkörperung des Bösen. Und er tat viel dafür, das Feuer zu schüren, nahm kein Blatt vor den Mund, schoss gegen die Tölzer Eishockey-Fans zurück. Nun soll dieser Ralph Bader das Tölzer Eishockey wieder ans Licht führen? Ralph Bader, der weiße Ritter? So sieht es aus, der 57-Jährige ist der neue Geschäftsführer der Tölzer Eissport Gesellschaft, wurde am Freitag als Nachfolger von Jürgen Rumrich vorgestellt.

Bereit für die Kompanie der Heckenschützen

Der hat aus freien Stücken hingeworfen. „Ich kann Kritik vertragen“, sagt Rumrich. „Aber das, was hier abgelaufen ist, war mir zu viel, habe ich so noch nie erlebt.“ Hubert Hörmann, Vorsitzender des Hauptvereins Bad Tölz, bedauert die Entscheidung. „Ich habe Jürgen Rumrich als absolut integeren Menschen erlebt, ein Teamplayer, einer mit dem man jederzeit ein Bier trinken gehen möchte. Aber der Shitstorm, der hier über ihn hereingebrochen ist, war zu viel.“

Jubel wird es auch beim neuen Mann nicht geben, der seine Arbeit schon beim Heimspiel gegen Bayreuth am Sonntag aufgenommen haben wird. Aus der Ruhe, die sich Hörmann nach den Querelen der zurückliegenden Wochen gewünscht hat, wird so schnell nichts. „Ich bin mir bewusst, dass jetzt nicht sofort Ruhe einkehren wird, da meine Person im Isarwinkel polarisiert“, sagt Bader. „Aber ich bin hergekommen, um zu 100 Prozent mit Herz und Leidenschaft für das Tölzer Eishockey zu arbeiten“, sagt der 57-Jährige.

Schon so manche schwierige Situation gemeistert

Ein Sport, der für ihn Jahrzehnte lang das Leben bestimmt. Bader ist gelernter Bürokaufmann, war später freier Journalist beim Radio, dann 13 Jahre lang Manager des SC Riessersee. Auch wenn ihm dort finanzielle Schieflagen angelastet wurde, hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen. Und er hat die Garmischer aus so mancher schwierigen Situation geholt.

Hörmann ist von Baders Eishockey-Sachverstand überzeugt, von seinen verkäuferischen Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen. „Deswegen habe ich nicht gezögert und gar nicht erst nach einem anderen Kandidaten gesucht, als wir über die Nachfolge von Jürgen Rumrich geredet haben. Ralph Bader war erste Wahl.“

Bader keine zweite Wahl

Das könnte man auch anders sehen. Schließlich hatte sich Bader nach der Entlassung von Christian Donbeck auch schon um die Nachfolge für den Löwen-Chefsessel angedient, stand seit drei Jahren in losem Austausch mit Tölz. Damals bekam Rumrich den Vorzug. „Das ist egal“, sagt Bader dazu. „Ich bin Profi genug, das hinzunehmen, so ist das Geschäft, das stört mich nicht.“ Das wäre er auch dann nicht, wenn vor ihm sechs Kandidaten abgesagt hätten. Und so konkret wie diesmal sei es noch nie in die Verhandlung gegangen. Bader: „Hauptsache, ich bin jetzt hier. Ich freue mich wahnsinnig drauf.“

Auch Hörmann ist froh. „Ich brauche jetzt einen Kapitän, der es schafft, den Dampfer durch die Ozeane Tölzer Eishockey zu schiffen“, sagt der ECT-Präsident blumig. „Und ich bin davon überzeugt, mit Bader die richtige Wahl getroffen zu haben.“ Der TEG-Beirat habe den neuen Geschäftsführer einstimmig abgesegnet. Wichtigste Voraussetzung sei die Routine des 57-Jährigen. „Für den Job in dieser Situation braucht man ein dickes Fell“, sagt Hörmann. „Das hat er. Und er ist bestens vorbereitet. Er ist motiviert und will anpacken.“ Für die Einarbeitung in näherer Zukunft werden ihm Rumrich und die scheidende Controllerin Birgitt Breiter noch unterstützend zur Seite stehen.

Mit Gegenwind ist zu rechnen

Mit dem Gegenwind, der Bader durchaus von Fan-Seite aufgrund alter Garmisch-Rivalität entgegenschlagen könnte, muss er dagegen allein fertig werden. „Ich stelle mich jeder Kritik. Ich bin aus Garmisch den einen oder anderen Heckenschützen gewohnt“, sagt Bader. „Hier erwarte ich eine ganze Kompanie von Heckenschützen. Ich nehme es mit ihnen auf.“ Soll heißen, Bader ist bereit zum Dialog mit den Tölzer Anhängern, möchte mit Vorurteilen aufräumen. „Ich werde auf die Fans zugehen und möchte sie von mir überzeugen.“

Zu tun gibt es viel. Da wäre zunächst der kleine Kader, von Verletzungen dezimiert. Immer wieder kommen neue Ausfälle hinzu. Doch Bader schließt einstweilen weitere Verstärkungen aus. In sportliche Belange möchte er sich künftig, aber nicht mehr in dieser Saison einmischen. „Heuer geht nichts mehr, unsere Kontingentstellen sind voll, und eigene deutsche Spieler haben wir genug. Wenn sie zurückkommen, ist der Kader stark genug, um den Klassenerhalt zu schaffen.“ Und das sei klar das Ziel. Dann gibt es die Sponsorenthematik, die Bader angehen möchte. „Ich bin Vertriebler, ich kann verkaufen, werde mich um die Pflege bestehender Sponsoren sowie die Suche nach neuen begeben.“

Keine Wunderdinge und Festhalten am Tölzer Weg

Er möchte Geld besorgen, seine Ideen einbringen. „Man darf da jetzt keine Wunderdinge erwarten, die Situation ist schwierig, aber ich denke schon, dass ich etwas bewirken kann.“ Auch die Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs und damit dem Hauptverein EC Bad Tölz möchte Bader fortführen. „Ich denke, das ist der Tölzer Weg, auf den Tölz setzen muss.“ Hört sich zunächst mal gut an. Nun muss Bader liefern.

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