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Schier keine Grenzen kannte der Jubel der Löwen um (v. li.) Joonas Vihko und Philipp Schlager, nachdem Schlitzohr Hannes Sedlmayr in der Verlängerung den 3:2-Siegtreffer gegen Kaufbeuren erzielt hatte.

Eishockey: DEL 2

Sedlmayr schießt die rote Laterne aus

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Große Kulisse, viel Leidenschaft und ein überragender Torhüter. Die Tölzer Löwen starten mit dem 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen den ESV Kaufbeuern nahezu perfekt ins neue Jahr.

Gewinner sind immer für ein Bonmot zu haben. Egal, was sich in den Wochen zuvor zugetragen hat. „Welche Niederlagen?“ Rick Boehm schmunzelte als er auf der Pressekonferenz gefragt wurde, wie er sich denn nach dem Ende der Durststrecke fühlen würde. „Das war letztes Jahr“, so der Löwen-Trainer. Die Erleichterung war groß, klar. Doch die Löwen hätte wohl auch die siebte Partie in Serie verloren, wäre nicht Andreas Mechel zu Weltklasseform aufgelaufen. Der Tölzer Goalie lieferte sein bestes Spiel im Tölzer Dress ab – mit Abstand. Mechel stoppte diverse Alleingänge, machte keinerlei Fehler, hielt überdies die Löwen in der Overtime gegen Max Schmiedle und Joey Lewis im Rennen. Boehm nickte beim Begriff „Weltklasse“. Dass der Miesbacher nicht zum Spieler des Abends gekürt wurde, war nicht mehr als ein schlechter Witz.

Wobei Beppo Frank keineswegs die falsche Wahl war. Der Routinier hatte eine außergewöhnliche Aufgabe zu bewältigen: Frank war der Partner von Leon Hüttl im dritten Verteidigungsgblock. Der 18-Jährige debütierte gegen Kaufbeuren im Herrenbereich, empfahl sich in dieser Form für weitere Einsätze „Hervorragend“, entfuhr es Boehm bei der Leistungsdiagnostik. „Ich kann nur hoffen, dass es so weiter geht.“ Hüttl wäre beinahe mit zum Matchwinner avanciert. Seinen Schlenzer von der blauen Linie vollendete Philipp Schlager zum 2:1. Vermutlich hätte diese Führung eingedenk der Leistung von Mechel gereicht. Doch neben Weltklasse, gabe es gestern auch Kreisklasse zu bestaunen. André Lakos gerät immer mehr ins Visier der Fans. Die Leistung des Österreichers gibt seit Wochen Rätsel auf. Für einen Kontingentspieler sind die Vorträge des Wieners in der Tat dürftig. Auf Lakos´ Kappe geht ein Alleingang von Blomquist, den den Anfang von Mechels beachtlicher Liste an Paraden bedeutete. Aber auch der 2:2-Ausgleich, als der 38-Jährige hinter dem Tor die Scheibe unbedrängt an den Mann bringen konnte. Boehm verzichtete auf öffentliche Kritik, antwortete aber deutlich zwischen den Zeilen: „Bevor ich etwas Negatives sage, sage ich lieber nichts.“ Für Mechel freute sich der Coach indes. „Er hat in den letzten Wochen viel Kritik einstecken müssen.“

Kaufbeuren ging durch einen Schuss von Daniel Oppolzer unter die Latte des Tölzer Gehäuses in Führung. Aber sofort waren die Buam zur Stelle, als Antworten gefragt waren. Klaus Kathan lenkte einen Abpraller von der Plexiglasscheibe zu Hannes Sedlmayr, der den entscheidenden Pressschlag gewann. Die immer spannender werdende Partie sorgte für Stimmung auf den Rängen. 450 Kaufbeurer Schlachtenbummler lenkten die Zuschauerzahl nahe an die 3000er-Grenze.

Kaufbeuren dominierte den Mittelabschnitt, fand aber keine Wege, um Tore zu erzielen. In der Overtime standen die Fans beider Teams auf den Zehenspitzen, drückten mit aller Kraft die Daumen. Als Lewis sein Solo verpatze, kamen die Tölzer in Scheibenbesitz, und Sedl-mayr, das alte Schlitzohr, drosch die Scheibe ansatzlos unter die Latte. Er durfte sich anschließend für eine weitere Heldentat feiern lassen. Da Bayreuth kurz darauf gegen Crimmitschau verlor, war er es praktisch, der die rote Laterne ausgeschossen hat. Punktgleich steht Bayreuth nun hinter den Löwen.

Tölzer Löwen – ESV Kaufbeuren n. V. 3:2 (1:1, 0:0, 1:1, 1:0)

Tore: 0:1 (5:03) Oppolzer (Wolter, Pfaffengut), 1:1 (6:53) Sedlmayr (Kathan, Schwarz), 2:1 (45:13) Schlager (Hüttl, Rodman), 2:2 (52:35) Ketterer (Wolter, Oppolzer), 3:2 (62:04) Sedlmayr (Schlager, Lakos). – Strafminuten: Bad Tölz 2, Kaufbeuren 4. – Schiedsrichter: Aumüller, Haupt. – Zuschauer: 2710.

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