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„Sportlich gehören wir in die DEL 2“

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Von: Oliver Rabuser

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„Wenn es nicht reicht, muss ich ein Stockwerk runter“: Hubert Hörmann kann ein Abrutschen in die Oberliga aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausschließen. Doch so weit sei es noch lange nicht, meint der ECT-Vorsitzende.
„Wenn es nicht reicht, muss ich ein Stockwerk runter“: Hubert Hörmann kann ein Abrutschen in die Oberliga aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausschließen. Doch so weit sei es noch lange nicht, meint der ECT-Vorsitzende. © Archiv

ECT-Chef Hubert Hörmann reagiert gelassen auf Ehliz’ Vorwürfe, mag aber einen Abstieg in die Oberliga nicht ausschließen.

Bad Tölz – Seit 2015 leitet Hubert Hörmann neuerlich die Geschicke beim Tölzer Eisclub und damit als Hauptgesellschafter auch jene der Tölzer Eissport-Gesellschaft. Keine leichte Aufgabe in Zeiten, da Talente im Schüleralter von Akademien geködert werden, das DNL-Team praktisch zum Aufstieg verdammt ist, aber sich auch beim Profiteam diverse Baustellen auftun.

Eine davon öffnete sich eher unverhofft in Form der brüsken Kritik seitens Wee-Founder Cengiz Ehliz (siehe ➔ Seite 3). Der ECT-Chef nahm zu den Vorwürfen Stellung und präzisierte die Situation bei den Löwen.

Sportlich gehören wir in die DEL 2

Herr Hörmann, Cengiz Ehliz schien es ein Bedürfnis zu sein, die Vorkommnisse rund um die temporäre Zahlungsunfähigkeit von Wee, insbesondere den Umgang mit seiner Person, aus einer nunmehr gestärkten Position zu relativieren. Wie fällt Ihre Replik diesbezüglich aus?

Grundsätzlich war es Cengiz zu wünschen, dass er aus dieser Sache wieder rauskommt. Das ist jetzt passiert. Allerdings darf man nicht Ursache und Wirkung vertauschen. Er war kein normaler Sponsor, sondern Beirat der TEG und ein nicht unwesentlicher Gesellschafter. Meine Aufgabe als Beiratsvorsitzender ist es, jeden möglichen Schaden von der TEG abzuwenden.

Das scheint beiderseitig unbestritten, allein die Art und Weise stieß Herrn Ehliz massiv auf.

Tatsache ist, er ist seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Nicht böswillig, aber er hatte eine Verantwortung gegenüber seinen Vertragspartnern. Er ist 670 000 Euro schuldig geblieben, da braucht er jetzt nicht beleidigt zu sein. Wir haben die Außenstände energisch eingefordert. Wenn ich 22 Monate untertauche und mich danach hinstelle und sinngemäß sage, klar würde ich als Hauptsponsor weitermachen, aber nicht mit dem Deppen, dann ist das ganz sicher nicht der richtige Weg. Wenn tatsächlich ich das Problem bin: Ich habe bei der Jahreshauptversammlung vor einigen Wochen klargestellt, dass Josef Hintermeier und ich definitiv zum letzten Mal kandidiert haben. Wenn jemand dieses Ehrenamt gerne machen würde – nur her damit.

Aus den Vorwürfen klang heraus, dass sich Herr Ehliz vorschnell in eine unlautere Ecke gedrängt fühlte, andernorts finanzielle Unwucht und Prozessausgang abgewartet worden wären.

Wir haben ihn nicht vorverurteilt. Soweit ich weiß, hatte der Prozess in Antwerpen auch gar nichts mit Wee zu tun. Uns ging es darum, dass er als Gesellschafter mit 25 Prozent seine eigene Gesellschaft nicht vernichtet. Diese Situation hat uns und die TEG an den Rand unserer Kräfte gebracht. Jeder weiß, dass es die TEG ohne Staatshilfen in dieser Form nicht mehr geben würde.

In diesem Kontext zeichneten Sie im Zuge der Jahreshauptversammlung ein mögliches Oberliga-Szenario, das in seiner Außenwirkung zu keiner vernehmbaren Begeisterung führte.

Sportlich und gefühlsmäßig gehören wir in die DEL 2. Das steht außer Frage, auch wenn die Mannschaft heuer nicht so stark ist. Aber wenn es wegen der Corona-Situation für Sponsoren immer schwieriger wird und wir dadurch erhebliche Verluste auf der Einnahmenseite haben sollten, dann muss ich mit dem Kopf denken. Da lasse ich mich auch nicht beirren. Natürlich ist die DEL 2 viel schöner anzuschauen. Wenn es dafür aber nicht reicht, muss ich ein Stockwerk runter.

Wobei damit der Teufelskreis nur im Radius verändert wird. Die Etats ambitionierter Oberligisten unterscheiden sich nicht wesentlich von den Zahlen einiger DEL-Klubs. Und die Spitzentalente wären dann wohl noch schneller an den Akademien...

In der Oberliga bräuchten wir eine hauseigene Lösung, um Geld zu sparen. Die besten Spieler werden wir uns dann nicht kaufen können.

Stichwort Sponsoring: Aus dem Umfeld tönt immer wieder Misstrauen wider Geschäftsführer Jürgen Rumrich. Es ist zu hören, dass sein Umgang mit potenziellen Sponsoren nicht der geschickteste sein soll. Auch die Transparenz bezüglich der Akquise fehle ein Stück weit. Sie haben Herrn Rumrich als TEG-Verantwortlichen inthronisiert, wie bewerten Sie seine Arbeit bisher?

Jürgen ist ein harter Arbeiter, läuft von einem Sponsor zum anderen. Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er leistet in einem schwierigen Umfeld gute Arbeit.

Tatsache ist aber auch, dass diese Saison einzig wegen des KfW-Kredits (Kreditanstalt für Wiederaufbau, Anm. d. Red.) gesichert ist. Dennoch ist die finanzielle Lage jetzt schon wieder angespannt. Fast schon grotesk ist die Tatsache, dass sich der Spieleretat mit dem des Vorjahres bei signifikanter Qualitätsminderung nahezu deckt.

Der Kredit verschafft uns Liquidität und nachvollziehbare wie transparente Daten für die Lizenzierung. Wir müssen damit verantwortlich umgehen. Natürlich können wir uns so in Corona-Zeiten etwas Luft verschaffen, trotzdem muss jeder Cent auf den Prüfstand. Auf der anderen Seite muss ich aber sagen: Wir haben in Tölz den schwächsten Zuschauerschnitt der DEL 2 und immer schnell Ausreden, wenn es um den Stadionbesuch geht. Schwierig zu glauben, dass Eishockey bei uns das Wichtigste ist.

Wie steht es aktuell um die finanziellen Belange?

Wir haben ein breites Sponsorenfeld. Ganz wenige mussten wegen Corona zurückfahren. Die meisten Sponsoren haben uns die Stange gehalten. Ein Partner in der Größenordnung von Wee wird aber sicherlich nicht so schnell kommen.

Ein neuer Ausländer täte nach der Kopfverletzung von Grant Besse Not. Doch scheinen die Umtriebe in Sachen Marktsondierung überschaubar...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass nichts passiert. Wir brauchen uns nichts vorzumachen. Es ist Besses fünfte Gehirnerschütterung. Wenn er nicht mehr zurückkommen sollte, müssen wir sofort reagieren. Aber wir müssen auch etwas abwarten, was sich in dieser Sache letztlich abzeichnet. Es gibt wohl auch den einen oder anderen Spieler, den man holen könnte. Nur einen fünften Ausländer auf der Tribüne zu haben, wäre in unserer Situation extremer Luxus.

Glauben Sie ob der Geisterspiele jetzt an eine Ausweitung der Staatshilfen?

Es ist jetzt eine neue Regierung im Amt, da muss man abwarten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es keine weiteren Hilfen gibt. Schließlich wird uns durch den Lockdown die Geschäftsgrundlage entzogen.

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