Tölzer Löwen (v. li.) Andreas Schwarz, Manuel Edfelder und Mario Lamoureux
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Unglaublicher Einsatz: Die Tölzer – hier (v. li.) Andreas Schwarz, Manuel Edfelder und Mario Lamoureux, angefeuert von der spärlich besetzten Ersatzbank – lieferten Kassel eine erfolgreiche Aufholjagd und holten einen Punkt.

EISHOCKEY DEL 2 - Tölzer liefern Aufholjagd gegen Kassel, verlieren erst nach Verlängerung 4:5

Einen „großen Punkt“ erkämpft

  • Nick Scheder
    vonNick Scheder
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Die Tölzer Löwen liefern Kassel eine erstaunliche Aufholjagd und verlieren erst nach Verlängerung mit 4:5.

Bad Tölz – Der Kampfgeist ist schon unglaublich: Da stellen sich die Tölzer Löwen mit gerade einmal zwei Sturmreihen dem DEL 2-Spitzenreiter, bekommen von den Kassel Huskies bald die Grenzen aufgezeigt. Teilweise deutlich überfordert liegen die Hausherren nach einer Viertelstunde mit 0:3 zurück. Doch aufgeben? Kommt nicht in Frage. Sie versuchen weiter ihr Glück, fahren Angriff auf Angriff, verkürzen auf 1:3, später auf 2:4, als wäre tatsächlich noch etwas zu holen. Und wirklich: das 3:4, das auf dem Eis und von den wenigen verbliebenen Teamkollegen hinter der Bande bejubelt wird wie der Gewinn der Meisterschaft. Dann doppelte Überzahl, später der Ausgleich. Kassel hat eine abgezockte Mannschaft, doch wer käme bei dem Spielverlauf nicht ins Grübeln? Der Tabellenführer behielt die Nerven, entschied das Spiel aber erst in der Verlängerung mit 5:4 für sich. „Für uns war es ein großer Punkt“, sagt Löwen-Trainer Kevin Gaudet. „Ich bin zufrieden und stolz, dass wir einen Weg gefunden haben, uns diesen Punkt zu holen.“

Großer Punkt mit kleinem Kader

Die Vorzeichen standen alles andere als gut. Tölz musste auf Kapitän Philipp Schlager (Leistenzerrung) verzichten. Hinzu kam Thomas Merl, dessen Fitnessstand nach Corona-Erkrankung doch noch nicht für einen weiteren Einsatz ausreichte. Der Stürmer kommt frühestens kommende Woche zurück. Blieben sechs Tölzer Offensivkräfte – die Talente Oliver Ott und Anton Engel standen lediglich auf dem Spielberichtsbogen, nicht auf dem Eis.

So überraschte es kaum, dass die Gäste fast nach Belieben ihre Angriffe fahren durften – auch ohne Topscorer Corey Trivino. Es dauerte nicht lange, da hatten Marco Müller, Philippe Cornet und Oliver Granz, der Joel Keussen Blueliner noch abfälschte, getroffen. Gaudet: „0:3? Wer hätte gedacht, dass wir da gegen diese starke Mannschaft noch einmal zurückkommen“, sagt der Löwen-Trainer, und es klingt so, als hätte er nicht daran geglaubt.

Doch symptomatisch für den Tölzer Kampf- und Teamgeist: In den letzten Sekunden des ersten Drittels steuerte Marco Pfleger, der zuvor schon aus jeder Lage seine Scheiben abgefeuert hatte, unbeirrt auf das Tor von Gerald Kuhn zu. Und diesmal fand sein Schuss ins Ziel – 1:3.

Die Löwen ließen sich einfach nicht unterkriegen. Auch nicht, als Ryan Olsen, zuvor beim Penalty an Max Franzreb gescheitert, im Kasseler Powerplay den alten Abstand wieder herstellte. Statt das Spiel bei 1:4 abzuhaken, bliesen die Hausherren zur Aufholjagd. Reid Gardiner im Nachsetzen nach einem Konter über Lubor Dibelka und Andreas Schwarz, der seine starke Leistung in der Defensive mit dem vierten Saison-Treffer belohnte, brachten die Löwen wieder heran.

Mit Schlägern an die Bande zum Ausgleich gepeitscht

Nach dem 3:4 schlugen die Wechselspieler die Schläger an die Bande, peitschten Tölz nach vorn, und dann: doppelte Überzahl. Kurz vor Ablauf des Powerplays gab Pfleger mal wieder einen Schuss auf Kuhns Kasten ab, Max French lenkte die Scheibe entscheidend ab, Ausgleich.

Anschließend bewiesen die Löwen auch noch Cleverness: Im Schlussabschnitt wehrten sie sich erfolgreich gegen die Kasseler Sturmläufe, warteten geduldig auf ihre Möglichkeiten. Die kamen nur vereinzelt, die beste vielleicht in Überzahl, als Lubor Dibelka aus kurzer Distanz an Kuhn scheiterte. Beide Mannschaften gaben trotz des intensiven Spiels noch einmal Gas. Kassel hatte die besseren Chancen auf den Sieg. „Wir haben versucht zu überleben, uns in die Verlängerung zu retten“, sagt Gaudet. Und das gelang. Das Schlussdrittel endete torlos. In der Verlängerung brachte ein schöner Spielzug, den Cornet mit dem 5:4 abschloss, die Entscheidung. Gaudet: „Kassel hat verdient gewonnen, aber wir können stolz auf den Punkt sein.“

Tölzer Löwen - Kassel n.V. 4:5 (1:3, 3:1, 0:0/0:1)

Tore: 0:1 (2:27) Müller (Shevyrin/Cornet), 0:2 (14:13) Cornet (Spitzner), 0:3 (15:16) Granz (Keussen/Cameron), 1:3 (19:59) Pfleger (Lamoureux), 1:4 (31:01) Olsen (Cornet/Rutkowski, 5-4), 2:4 (33:13) Gardiner (Dibelka/Leitner), 3:4 (35:02) Schwarz (Lamoureux/Edfelder, 4-4), 4:4 (39:37) French (Pfleger/Dibelka, 5-4), 4:5 (60:40) Cornet (Moser/Keussen), – Strafminuten: Tölz 6, Kassel 10, – Schiedsrichter: Alexander Singer, Ulpi Sicorschi.

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