Trainer Kevin Gaudet (hinten) und die Tölzer Löwen
+
Großes geleistet: Trainer Kevin Gaudet (hinten) und die Tölzer Löwen haben die Hauptrunde der DEL 2 auf Rang zwei abgeschlossen. So gut waren sie vorher noch nie. Trotzdem steht viel Arbeit an, damit der Eishockeystandort auch in der Zukunft gesichert ist.

EISHOCKEY DEL 2 - Tölzer Löwen kämpfen nach bestem DEL 2-Ergebnis jemals an anderen Fronten

Historischer Erfolg mit Nebengeräuschen

  • Nick Scheder
    vonNick Scheder
    schließen

Zweiter nach der Hauptrunde in der DEL 2: So gut waren die Tölzer Löwen noch nie. Zu kämpfen haben sie trotzdem - auch an anderen Fronten.

Bad Tölz – Das Abschneiden ist historisch. Doch nebendran gibt es Fragezeichen. Die Tölzer Löwen beenden die vorzeitig abgebrochene Hauptrunde der DEL 2 auf Rang zwei – ihre beste Platzierung in dieser Spielklasse jemals. Nur 2009 wurden sie ebenfalls Zweite nach der Hauptrunde – damals noch in der 2. Bundesliga, und danach mussten sie Insolvenz anmelden. „Die DEL einbezogen sind wir die 16.-beste Eishockey-Mannschaft in Deutschland, und das in einer Stadt mit 19 000 Einwohnern, das muss man sich mal vorstellen“, sagt Hubert Hörmann, Präsident des Hauptvereins EC Bad Tölz.

Transparenz hatte zuletzt etwas zu leiden

Die Mannschaft von Trainer Kevin Gaudet hat Großes geleistet. Hat mit durch die Bank kleiner Bank auch die Großen geschlagen. Hat mit unermüdlichem Einsatz, meist großer Effizienz und viel Herz die Runde als engster Verfolger von Ligaprimus Kassel beendet. Dass es auch Turbulenzen gab, aufgrund denen die Transparenz zuletzt zu leiden hatte, räumt Hörmann unumwunden ein. „Unsere Kommunikation glich in letzter Zeit nicht unbedingt einem informativen Feuerwerk“, sagt der Vorsitzende des Eisclubs. „Aber das liegt auch daran, dass das zu erledigende Pensum uns extrem vereinnahmt.“

Nicht nur muss die Tölzer Eissport-Gesellschaft mit ihrem neuen Chef Jürgen Rumrich und damit auch der Hauptverein als Verantwortlicher die Saison trotz Corona-Problemen ordentlich über die Bühne bringen. Sondern es gilt auch, die neue Spielzeit zu planen. Und das wird dadurch erschwert, dass nun wohl endgültig kein Geld mehr vom Hauptsponsor zu erwarten ist. „Wee kommt seiner vertraglichen Verpflichtung in gar keiner Weise nach, schadet damit dem Eishockeystandort in Tölz absolut und stellt sich dieser Verantwortung überhaupt nicht“, moniert Hörmann. Käme die Firma von Cengiz Ehliz auch nur einem Teil ihrer Verpflichtungen nach, „könnten wir relativ entspannt planen“, sagt Hörmann.

Doch davon geht mittlerweile keiner mehr aus, die Tölzer haben den Sponsoring-Vertrag mit Wee gekündigt. Für die damit verbundene Namensgebung des Stadions planen die Löwen in Kürze eine in dieser Form nie da gewesene und durchaus vielversprechende Aktion.

Kaderplanung geht voran - wenn auch mühsam

Und auch bei der Kaderplanung sind die Tölzer mittlerweile schon einen Schritt weiter. Neben den schmerzhaften Abgängen von Topscorer Marco Pfleger, Top-Verteidiger Andreas Schwarz und Stürmer Manuel Edfelder konnten Kapitän Philipp Schlager, der die wohl beste Saison seines Lebens in Tölz spielt, und Tyler McNeely – trotz Verletzung ebenfalls wichtiger Punktelieferant – weiterverpflichtet werden. Auch Top-Torjäger Max French und Trainer Kevin Gaudet sind gewillt, in Tölz zu verlängern.

„Der Coach und das gesamte Team der Tölzer Löwen leisten einen hervorragenden Job“, lobt Hörmann. Trotzdem könnte es weitere Abgänge geben. Die Leistung von Luca Tosto, dem besten Förderspieler der Liga, dürfte Begehrlichkeiten der Konkurrenz geweckt haben. Niklas Heinzinger möchte sein Glück in der DEL versuchen. Hörmann versucht, dem Werben sogar etwas Positives abzugewinnen: „Als junger Spieler kann man solche Angebote nicht ignorieren, und der Verein sollte dies als positiv erkennen, weil nämlich damit seine Ausbildungsschmiede wieder einmal Beachtung gefunden hat.“

Hörmann setzt sich dafür ein, dass nicht nur die laufende Saison in den Play-offs einen sportlich ebenso erfreulichen Abschluss findet. Sondern auch, dass es mit dem Tölzer Eishockey trotz der problematischen Rahmenbedingungen erfolgreich weitergeht. „Wir arbeiten derzeit ohne Unterbrechung, versuchen alles und verschließen uns nicht vor Alternativlösungen. Nur mit Inspiration, Fleiß und seriöser Arbeit werden wir dieses Tal durchschreiten.“ Das Eishockey habe die größte Strahlkraft für Bad Tölz. „Es geht um euer Eishockey und um unsere Heimat. Dafür stehen wir alle geschlossen ein“, verspricht der ECT-Präsident.

Hubert Hörmann, Präsident des EC Bad Tölz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare