„Wenn du deinen Job liebst, ist so etwas wirklich nicht schön“: Löwen-Trainer Kevin Gaudet (hinten) ist aufgrund der Corona-Quarantäne seiner Mannschaft an diesem Wochenende noch zum Nichtstun verurteilt.
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„Wenn du deinen Job liebst, ist so etwas wirklich nicht schön“: Löwen-Trainer Kevin Gaudet (hinten) ist aufgrund der Corona-Quarantäne seiner Mannschaft an diesem Wochenende noch zum Nichtstun verurteilt.

EISHOCKEY - DEL 2

Tölzer Löwen: Vorsichtige Rückkehr aufs Eis

  • vonOliver Rabuser
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An diesem Samstag endet die Quarantäne für neun Tölzer Eishockeycracks, die sich offenbar in ihrem letzten Heimspiel gegen die Lausitzer Füchse mit Corona infiziert haben. Coach Kevin Gaudet erwartet am Montag seine Schützinge zurück im Training.

Bad Tölz – Quarantäne ist eine völlig neue Erfahrung für die Spieler, Betreuer und natürlich auch den Trainer der Tölzer Löwen. Kevin Gaudet übt den Beruf des Eishockeylehrers mit großer Hingabe aus; im Prinzip dreht sich beim 57-Jährigen im Alltag über weite Strecken ausnahmslos alles um Eishockey. Aktuell ist der Kanadier jedoch zum Nichtstun verdammt. Nicht nur, dass sich mittlerweile neun seiner Schützlinge wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne befinden – auch das von ihm gerne frequentierte Fitnessstudio ist per politischem Dekret geschlossen. Unser Mitarbeiter Oliver Rabuser sprach mit dem Löwen-Coach über alles andere als alltägliche Zeiten.

Herr Gaudet, haben Sie ein paar Minuten für die Heimatzeitung übrig?

(lacht) Natürlich. Ich habe sehr viel Zeit übrig, eigentlich 24 Stunden am Tag.

Klingt ein wenig frustriert?

Es ist einfach doppelt langweilig. Jeder, der schon in Quarantäne war, weiß, wovon ich spreche. Man sieht das Leben vor dem Virus mit einer größeren Dankbarkeit. Das jetzt ist kein Spaß.

Wie sehr fehlen Ihnen Stadion, Eis und Training?

Sehr. Das ist unbeschreiblich. Wenn du deinen Job liebst, ist so etwas wirklich nicht schön. Jemand, der seinen Job nicht mag, und davon gibt es viele Leute, dürften in gleicher Situation glücklich sein. Ich bis es nicht.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aktuell aus – jetzt, wo sämtliche Fitnesseinrichtungen geschlossen sind?

Robin (Niderost, Gaudets Lebensgefährtin und Fitnesstrainerin der Löwen, Anm. d. Red.) hat unsere Wohnung in eine Art Fitnessstudio umarrangiert. Überall sind Gewichte und andere Übungen (lacht). Zudem macht Robin jeden Morgen um 10 Uhr ein Zoom-Training mit den gesunden Spielern. So können wir die Jungs wenigstens für 45 Minuten fit halten. Ich selbst trainiere dann am Abend mit Robin.

Und in der restlichen Zeit?

Ich sitze sehr viel am Computer, schaue mir Spiele von anderen Teams an, vor allem natürlich deren System und Taktik.

Die Quarantäne währt noch bis zu diesem Samstag. Der Kelch, am Sonntag per Kaltstart spielen zu müssen, ist an den Löwen vorbeigegangen. Sind Sie erleichtert darüber?

Natürlich. So etwas geht nicht. Die Spieler waren 14 Tage nicht auf dem Eis. Das ist eine verdammt lange Zeit. Vier oder fünf Tage Pause kannst du mit einem intensiven Training eventuell aufholen. Aber nicht zwei Wochen. Mein Job wird es in der nächsten Woche sein, die Mannschaft einigermaßen fit für die Partien gegen Kaufbeuren und Dresden zu machen.

Inwiefern unterscheidet sich die Rückkehr aufs Eis von gewöhnlichen Spielwochen?

Erheblich. Man darf nicht vergessen, die Spieler waren nicht nur zuhause – sie durften auch teilweise überhaupt nichts machen. Wir müssen am Montag sehr vorsichtig sein, uns nur wieder an die Eisfläche gewöhnen. Ab Mittwoch muss das Training aber hart sein. Das ist nicht optimal, es hilft aber nichts.

Kehren alle positiv getesteten Spieler am Montag zurück aufs Eis?

Was ich gehört habe, passt es bei allen. Mit einer Ausnahme, denn diesen Spieler hat es ziemlich hart getroffen.

Wie stehen die Zeichen bei Löwen-Neuzugang Reid Gardiner?

Gut. Er hat mir gesagt, dass er sich sehr gut fühlt und gegen Kaufbeuren spielen möchte.

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