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Klopfen an der 2. Liga an: Wenn der Höhenflug der Löwen weitergeht, könnten sie sich durchaus für die Bundesliga qualifizieren. Doch kein Tölzer ist Vollzeit-Eishockey-Spieler, und auch die Finanzen sprechen gegen einen Aufstieg.

Sind die Löwen fit für die Bundesliga?

Bad Tölz - Das sportliche Potenzial für die 2. Liga ist bei den Tölzer Löwen vorhanden, doch die Team-Struktur und die Finanz-Situation sprechen gegen einen Aufstieg. Eine mögliche Lösung wäre eine zweigeteilte Bundesliga.

Erst ging es darum, den Abstieg zu vermeiden. Für das jüngste Team der Oberliga Süd könne das Ziel maximal das Erreichen der Play-offs sein, lautete häufig die Einschätzung vor der Saison. Im weiteren Verlauf wurde schnell klar: Die Löwen müssen sich vor keinem Team verstecken. Die Favoriten verloren ihren Schrecken: Gegen Peiting gab es zwei Siege, gegen Riessersee einen, auch alle anderen Gegner schlug das Überraschungsteam aus dem Isarwinkel. Plötzlich sind die Löwen Spitzenreiter und bleiben es trotz eines Rückschlags gegen Füssen. Bis zum Ende der Saison ist es zwar noch ein weiter Weg. Doch aus sportlicher Sicht scheint ein Aufstieg nicht unrealistisch. Ist das Tölzer Eishockey schon bereit für ein Leben in der 2. Bundesliga?

Die Mannschaft

Das Team der Tölzer Löwen begeistert nicht nur seine treuen Anhänger. Der Altersdurchschnitt der Überraschungsmannschaft liegt bei knapp über 20 Jahren, es gibt drei Routiniers. Trotzdem: „Ein Großteil der Mannschaft kann in der zweiten Liga spielen“, meint Trainer Flocko Funk. Die Spieler haben im Vergleich zur Vorsaison einen weiteren großen Schritt nach vorne gemacht. Wenn sich die Entwicklung in ähnlichem Tempo fortsetzt, sind auch viele Nachwuchsspieler zweitliga-tauglich. Die Torwartposition wäre auch in der Bundesliga optimal besetzt, ist der Löwen-Coach sicher: „Andreas Jenike ist gut genug.“ Yanick Dubé, Christian Urban und Martin Hinterstocker sowieso, die drei besitzen bereits hinreichend höherklassige Erfahrung. Wer in der Oberliga vorne mitspiele, könne in der Bundesliga zumindest hinten mithalten, sagt Funk. „Viele Spieler haben das Potenzial“, glaubt auch Franz Fritzmeier, sportlicher Berater der Löwen. „Mit ein, zwei Routiniers könnten wir in der Bundesliga mitspielen.“

Struktur des Teams

Ein viel größeres Problem sind die Anforderungen der höheren Liga. Die meisten Zweitliga-Teams bestehen komplett aus Profis, der Rest wenigstens zur Hälfte. „Die Gegner kommen mit vier Ausländern, da hast du ganz ohne Profis keine Chance“, betont Funk. Bei den Löwen arbeiten die Spieler, sind in der Ausbildung oder gehen noch zur Schule. Schon jetzt muss Funk im Vormittags-Training auf viele Spieler verzichten, die beruflich eingespannt sind. „Wenn jede Woche eine weite Auswärtsfahrt auf dem Plan steht, könnten wir nur mit zehn Spielern anreisen“, gibt Fritzmeier zu bedenken. Wenn sie an ihre Zukunft denken, brauchen die Spieler eine Ausbildung, oder müssen Profis werden. Aber um von ihrem Sport leben zu können, bräuchten die meisten deutlich mehr Geld, als die Tölzer bieten können. Dass sie für jedes Auswärtsspiel Urlaub nehmen, ist schlicht unmöglich.

Eher denkbar wäre eine zweigeteilten Bundesliga mit Nord- und Süd-Gruppe. „Da müssten wir nicht so weite Wege fahren“, sagt Funk. „Das wäre für uns eine gute Lösung“, pflichtet Fritzmeier bei. Voraussetzung ist in jedem Fall: Den Stamm der Tölzer Spieler zu halten. In dieser Hinsicht sind die Löwen auf einem guten Weg: Fünf Verträge sind schon über die Saison hinaus verlängert, bis Mitte Januar sollen acht oder neun weitere dazukommen.

Trainer-Team

Einen wesentlichen Anteil am sportlichen Erfolg dieser Saison macht Fritzmeier am Trainerstab der Löwen fest. Obwohl Flocko Funk vorher als Coach noch keinerlei Erfahrung im Erwachsenen-Eishockey gesammelt hat, bewältigt er die Aufgabe bei den Löwen hervorragend. Was ihm eventuell an Erfahrung gefehlt hat, macht Eishockey-Legende und Co-Trainer Lenz Funk sen. mehr als wett. Das Sohn-Vater-Duo mit Co-Trainer Randy Neal sollte auf jeden Fall zusammenbleiben, meint Fritzmeier. „Es spricht nichts dagegen, dass wir weitermachen – egal in welcher Liga“, sagt Flocko Funk. „Aber fix ist noch nix.“

Das Umfeld

Das Stadion hat sich in der 2. Bundesliga schon bewährt. Die Hacker-Pschorr-Arena ist von der Kapazität und den Bedingungen auf aktuellem Stand. Nur die Verkehrslösung gerade nach Spielen mit vollem Haus ist verbesserungswürdig. Ein Kreisverkehr statt Ampeln an den Ausfallstraßen würde die Situation vermutlich entschärfen.

Beim Betreuerstab der Löwen fehlt nichts. Die Zuschauereinnahmen lassen sich relativ konstant vorhersagen: Volle Hütte bei Derbys, ein harter Kern von 700 Fans plus 300 bis 700 weitere Gelegenheits-Anhänger bei den meisten restlichen Spielen. Viel mehr Publikum würde auch ein Einsatz der Löwen eine Liga weiter oben vermutlich nicht ins Stadion locken. Zumal nach Niederlagen, wie sie in der 2. Liga zu erwarten wären, beim nächsten Spiel erfahrungsgemäß Zuschauer ausbleiben.

Gegner

Um wenigstens zweimal in der Saison volles Haus zu bekommen, müssten die Löwen Erzrivalen SC Riessersee am besten gleich mitnehmen in die Bundesliga. Das allerdings ist illusorisch. Nicht nur schwächeln die Garmisch-Partenkirchner derzeit mit zuletzt fünf Niederlagen am Stück. Zudem steigt höchstens ein Süd-Verein auf. Ohne den Lieblings-Feind ruht die Hoffnung auf zuschauerträchtigen Spielen gegen bayerische Zweitligisten: Rosenheim, Kaufbeuren, Landshut und Ravensburg. Auch hier wäre eine in Nord und Süd aufgespaltene Liga mit vielen – zumindest oberbayerischen – Derbys nützlich.

Die Finanzen

Die vielleicht wichtigste Voraussetzung. Nach dem finanziellen Schlingerkurs der vergangenen Jahre und zwei Insolvenzen liegt das Hauptaugenmerk strikt auf Wirtschaftlichkeit. Allerdings hat sich die Tölzer Eissport-Gesellschaft (TEG), der ein Wirtschaftsbeirat zur Seite gestellt wurde, positiv entwickelt. Die Saison 2010/11 könnte nicht nur sportlich höchst erfolgreich abgeschlossen werden. Auch finanziell geht es aufwärts. Der Haushalt wurde mittlerweile sogar aufgestockt – ziemlich einzigartig in der deutschen Eishockey-Landschaft. Sponsoren haben mittlerweile wieder Vertrauen zurückgewonnen, die Mannschaft kostet nicht die Welt – obwohl sie für großen sportlichen Erfolg sorgt. Damit geht einher, dass die Zuschauer-Erwartungen übertroffenen wurde, was zusätzliches Geld in Kasse spült.

Doch ein Leben in der 2. Liga kommt der TEG um einiges teurer: Weitere Auswärtsfahrten, eventuell kostspielige Verstärkungen, mehr Geld auch für die jungen einheimischen Spieler und höhere Abgaben. TEG-Geschäftsführer Manfred Gröger war trotz mehrfacher Versuche für genaue Zahlen nicht zu erreichen. Fest steht jedoch: Der Etat für die 2. Liga müsste sich auf mindestens 1,2 Millionen Euro verdoppeln. Dem stehen vermutlich nicht wesentlich höhere Zuschauereinnahmen gegenüber. Die Frage wird sein, ob neue Großsponsoren auftauchen, oder die bisherigen tiefer in die Tasche greifen. Das bestätigt ECT-Präsident Josef Hintermaier: „Zuschauer und Sponsoren entscheiden mit, welche finanziellen Möglichkeiten wir haben.“

Fazit

Die Löwen könnten sportlich in der 2. Liga wohl mithalten – wenn ein Großteil der Spieler in Tölz bleibt. Sie haben sich mit Riesen-Schritten entwickelt und verbessern sich weiter. Finanziell spricht allerdings einiges gegen einen baldigen Wiederaufstieg. Für Hintermaier ist es ohnehin zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Er zitiert ein chinesisches Sprichwort: „Man geht erst dann über die Brücke, wenn man davor steht.“ Das sieht Fritzmeier ähnlich: Ohne Großsponsor sei derzeit keine Lösung in Sicht, wie die 2. Liga finanzierbar sei. Er warnt aber vor einem generellen Denkverbot über einen Aufstieg. „Wir wollen trotzdem alles gewinnen“, stellt Fritzmeier klar. Wenn am Ende die Option auf den Aufstieg steht, sollte man sich Gedanken machen, ob er zu realisieren ist.

Nick Scheder

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