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Eine Menge Defensivarbeit mussten (v. li.) Kevin Wehrs, Stephen MacAulay und Keeper Ben Meisner in Kaufbeuren verrichten. Die Mühe lohnte sich, denn die Löwen entführten zwei Punkte aus dem Allgäu.

EISHOCKEY: DEL 2

Zwei Zähler für die Tölzer Löwen nach einer turbulenten Schlussphase

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Die Auswärtspartie der Tölzer Löwen beim ESV Kaufbeuren war nichts für schwache Nerven: Erst in einem Herzschlagfinale drehten die Tölzer die Partie und holten durch Neuzugang Tyler Gron in der Verlängerung den 4:3-Sieg.

Kaufbeuren/Bad Tölz – Die Tölzer Löwen spielten beim ESV Kaufbeuren über weite Strecken unbefriedigend, machten viele Fehler und gönnten sich ein Übermaß an Strafzeiten. Aber sie erkämpften sich auswärts in einem bizarren Schlussakkord den moralisch wertvollen 4:3-Overtime-Sieg. Diese letzten Spielminuten waren unfassbar, hatten so überhaupt nichts gemein mit den vorangegangenen Spielzügen. Trotz des knappen 1:2-Rückstands gelang den Buam bei ihrer finalen Offensive nicht wirklich viel. Doch dann: Innerhalb von 45 Sekunden zogen sie das Spiel mit einem furiosen Doppelschlag auf ihre Seite – um es sich 37 Sekunden vor Spiel-ende wieder entreißen zu lassen. In der Verlängerung schlug Neuzugang Tyler Gron im Stile eines Klasse-Torjägers eiskalt zu. Scott Beattie lobte seine Cracks über den Schellenkönig: „Ich bin stolz, die Jungs haben sich das hart erkämpft.“ Resümierend sprach der Löwen-Trainer von einem „Charaktersieg“.

Aber was war das vorher? Weniger dominant wird man die Joker in ihrer Heimstätte selten erwischen. Zwei Niederlagen hatten ihnen arg zugesetzt. Dazu waren die Kaufbeurer grippegeschwächt, ohne ihre Nummer eins Stefan Vajs und einige andere Stammkräfte. Nur: Das grippale Argument galt auch für die Tölzer, bei denen Neuzugang Florian Kraus gleich im dritten Spiel nach seiner Verpflichtung passen musste; andere zwar spielten, aber fern der absoluten Belastbarkeit. Eingedenk dieser Hypothek schlagen Strafzeiten ungleich härter ins Kontor als für gewöhnlich.

Kaufbeuren vermittelte zu keiner Zeit den Eindruck des übermächtigen Gegners. Aber fortwährend bitten lässt sich die Brockmann-Truppe dann aber auch nicht. Bei Andreas Paulis verlängertem Strafbankaufenthalt erwischte Brandon Gracel Löwen-Schlussmann Ben Meisner aus spitzem Winkel. Joey Lewis stellte dann kurz vor der Pause nach einem Gestochere am Torraum auf 2:0. Ursächlich war eine schwache Aktion von Tom Horschel, die zum Hinterfragen anregt. Die Tölzer hatten ihre Möglichkeiten vor den maßgeblichen Rückschlägen. Lubor Dibelka tauchte nach gerade elf Sekunden frei vor ESVK-Tormann Marc Hennne auf, und Hannes Sedlmayr verpasste um Zentimeter den Shorthander. In der Summe aber vermittelte die Performance des ECT nicht den unbedingten Willen, den Playdowns auf bedeutsame Weise zu entkommen. Zumal Meisner gegen Blomquist wenigstens zwei weitere Male brisante Momente zu seinen Gunsten entschied. Einer von ihnen fußte auf einer flappsigen Aktion Valentin Gschmeißners bei Tölzer Überzahl.

Viel zu früh sahen sich die Löwen mit der schweren Hypothek des Aufholen-Müssens konfrontiert. Bei numerischer Gleichzahl ging nichts, und das Powerplay sah beinahe aus wie eine Kapitulation. Blieb also nur die Unterzahl. Und tatsächlich: Yannick Drews gelang der Anschlusstreffer, als Gschmeißner gerade draußen Platz genommen hatte, Henne sich aber einen ebenso beispiellosen wie ulkigen Patzer leistete.

Ein Impuls, der die Gäste ins Spiel brachte. Dennoch: Zu viele Icings, Fehlpässe und zu langsames Nachrücken, verhinderten weitere Tormöglichkeiten. Lange plätscherte das Match so dahin, ehe sich die Ereignisse überschlugen. Wehrs glich von der Blauen aus, Dibelka setzte umgehend nach. Dann schmetterte Blomquist einen Schlagschuss in die Maschen: Verlängerung – und schließlich der glückliche Sieg für die Tölzer. „Das war eine der verrücktesten Partien, die ich je erlebt habe“, urteilte ESVK-Trainer Anderl Brockmann mit gequältem Lächeln.

ESV Kaufbeuren – Tölzer Löwen n.V. 3:4 (2:0, 0:1, 1:2, 0:1)

Tore: 1:0 (05:54) Gracel (Blomquist, Thomas, 5-4), 2:0 (18:39) Lewis (Thomas, Ketterer, 5-4), 2:1 (26:51) Drews (Sedlmayr, 4-5), 2:2 (56:58) Wehrs (MacAulay), 2:3 (57:41) Dibelka (MacAulay, Gron), 3:3 (59:23) Blomquist (Lewis, Schmiedle, 6-4), 3:4 (63:26) Gron (Borer) . – Strafminuten: Kaufbeuren 12, Bad Tölz 24. – Schiedsrichter: Dominic Erdle, Vladislav Gossmann. – Zuschauer: 2846.

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