Bereit für den nächsten Einsatz? Die Erding Puckjäger müssen noch warten, bis im August oder September wieder aufs Eis dürfen. Inzwischen sind aber alle Fragen rund um die Abteilungsleitung geklärt. ArchivFoto: Christian Riedel
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Bereit für den nächsten Einsatz? Die Erding Puckjäger müssen noch warten, bis im August oder September wieder aufs Eis dürfen. Inzwischen sind aber alle Fragen rund um die Abteilungsleitung geklärt.

EISHOCKEY

Bayernliga de luxe und Talentschmiede

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Die neue Erdinger Abteilungsleitung steht nun fest. Und sie kann auch schon den ersten Erfolg verkünden. Gladiators-Trainer Thomas Vogl verlängert seinen Vertrag. Der neue Eishockeychef Michael Westphal erläutert die künftigen Ziele.

Erding – „Jahrelang hat sich niemand um diesen Job gerissen, und jetzt hat ein Wahlkampf gedroht“, sagt Michael Westphal. Seit Mittwochnachmittag wissen wir: Er wird am 1. April das Amt des Eishockey-Abteilungsleiter des TSV Erding übernehmen.

Der bisherige Eishockeychef Rainier Sabus wollte nach sechs Amtsjahren nicht mehr kandidieren. Und weil auch dessen komplettes Führungsteam mit von Bord geht, galt es eben nun gleich eine Handvoll neuer ehrenamtlicher Funktionäre zu finden. Eine Aufgabe, an der schon viele Vereine verzweifelt sind.

Nun, der TSV hatte sie im Eishockeybereich im Übermaß. Eine Gruppe um Westphal traute sich das zu. Diese Mannschaft gefiel der aktuellen Abteilungsführung gleich so gut, dass sie Teile daraus zu Beisitzern machten, die in den vergangenen Monaten auch schon Gespräche führten und an Verbandssitzungen teilnahmen. Aber da war dann noch eine zweite Gruppe um Franz Bittel, die ebenfalls ihren Hut in den Ring warf.

Gemeinsames Leitbild

Im Gespräch mit der Heimatzeitung räumte Westphal ein, dass jenes Team Bittel insbesondere in der Nachwuchsarbeit einiges verändern wolle, „aber das liegt ja auch in unserer Intention“. Das Ergebnis ist, wie es Schriftführer David Whitney formuliert, „eine Art Fusion aus den beiden Teams unter dem Leitbild der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit, um das Beste für die Abteilung herauszuholen“. Die gebündelten Kräfte und Kompetenzen würden mehr Durchschlagskraft bringen. „Es soll ein produktives Miteinander gelebt werden, um maximal erfolgreich zu sein.“

Was heißt das genau? Das Herrenteam soll laut Westphal in der Bayernliga oben mitspielen. „Wir wollen aber auch die Strukturen schaffen, dass die Gladiators in der Oberliga nachhaltig mithalten könnten.“ Nur mal eine Stufe höher ein bisserl Luft zu schnuppern, sei keineswegs das Ziel. Das macht der Abteilungsleiter klar: „Lieber Bayernliga de luxe als im Armenhaus der Oberliga rumzudümpeln, denn das braucht kein Mensch. Unser Anspruch ist es, in der Bayernliga in Zukunft stabil unter den Top drei zu sein.“

Derzeit gelte es aber erstmal die kommende Saison zu planen. Mit dem bisherigen Trainer Thomas Vogl seien die Gespräche bereits erfolgreich geführt worden. „Der Vertrag ist inzwischen verlängert worden“, verkündet Westphal. Er gibt sich auch zuversichtlich, den alten Kader zusammenhalten zu können. Zudem würde man auch mit auswärtigen Spielern reden. Finanziell bleibe aber vorerst alles beim Alten. „Wir planen mit dem gleichen Etat wie in den Vorjahren“, sagt Westphal. Aber es gebe aufgrund der Corona-Pandemie mehrere Szenarien, wie die Saison, die der Verband unbedingt spielen will (Bericht folgt), ablaufen könnte, die der neue Eishockeychef so skizziert: „Erstens: Friede, Freude, Eierkuchen. Zweitens: mit erlaubten 200 Zuschauern pro Spiel. Drittens: mit komplettem Zuschauerverbot.“ Entsprechend werde man dann auch die Verträge ausarbeiten und Livestreaming anbieten.

Probleme bei U15, U17 und U20

Auch in der Jugendarbeit gebe es viel zu tun. „Speziell in den Bereichen U 15, U 17 und U 20 haben wir große Probleme. Das liegt daran, dass vor gut acht bis zehn Jahren im Nachwuchs nicht besonders gut gearbeitet wurde.“ Aus den eigenen Reihen dürfte deshalb nicht viel für die Bayernliga-Mannschaft zu erwarten sein. „Wir wollen die Jugendarbeit massiv ausbauen, damit wir in acht bis zwölf Jahren wieder aus dem Vollen schöpfen können“, betont Westphal und lässt durchblicken, dass sich gerade hier das eingangs erwähnte „Team Bittel“ stark engagieren wollte.

Neben Stefan Teufel will die neue Abteilungsführung einen zweiten hauptamtlichen Nachwuchstrainer installieren. Aber auch alle anderen Trainer im Jugendbereich sollen laut Westphal ganzjährige Verträge erhalten. Das sei bisher ein wenig lockerer gehandhabt worden, sagt der neue Eishockeychef, dem zudem ein wichtiges Gespräch mit der Stadtwerke als Hallenbetreiber ins Haus steht. „Wir wollen heuer früher aufs Eis, schon im August.“ Es sei wichtig, gerade dem Nachwuchs möglichst schnell etwas anbieten zu können, „denn wir verlieren ansonsten Spieler an andere Sportarten. Die Fußballer zum Beispiel können einfach so auf den Platz. Wir dagegen sind nun mal aufs Eis angewiesen“. Noch ein Vorteil einer früheren Eiszeit: Die Gladiators und Young Gladiators könnten schon vor der Saison die ersten Turniere durchführen. Westphal und Co. würden am liebsten heute als morgen mit ihrer Arbeit loslegen. Dass die komplette Führung neu ist, hält Westphal für kein Problem. „Wir hatten in den vergangenen Monaten genügend Zeit, uns einzuarbeiten. Außerdem steht uns die alte Abteilungsleitung noch immer zur Seite und hilft uns.“

Wahl wird nachgeholt

Aufgrund der Corona-Pandemie fand bisher keine Mitgliederversammlung statt, bei der die Führung hätte gewählt werden können. Deshalb setzte das Präsidium des TSV Erding sie als kommissarische Abteilungsleitung offiziell ab 1. April ein. „Es muss ja irgendwie weiter gehen“, sagt Präsident Thomas Zahn, deshalb sehe die Satzung auch diese Möglichkeit vor. Die Versammlung soll nachgeholt werden, sobald es wieder erlaubt ist, 200 Menschen in einem Raum zu haben. „Wir haben rund 400 Mitglieder und müssen laut Satzung davon ausgehehen, dass die Hälfte der Stimmberechtigten tatsächlich zur Versammlung kommen“, erklärt Westphal.

Bei dieser Versammlung werden dann auch die Mitglieder über die Entlastung der bisherigen Abteilungsführung entscheiden und die neue Führung wählen. Falls – und das ist jetzt nur hypothetisch – dann Westphal und Co. durchfallen würden, wären die bis dahin beschlossenen Entscheidungen natürlich trotzdem gültig. „Aber ich denke, die werden das im Griff haben“, meint der TSV-Chef.

Er findet das große Interesse an einem ehrenamtlichen Posten „mehr als erfreulich“. Seit 20 Jahren ist Zahn selbst schon ehrenamtlich beim TSV tätig. Dass sich gleich zwei verschiedene Teams um die Abteilungsleitung beworben haben, sei selbst für ihn Neuland gewesen, „So etwas hat es höchstens mal bei einzelnen Positionen gegeben.“

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