Lockdown statt Ligaspiele: Die für den 20. und 22. November angesetzten – und mit Spannung erwarteten – Derbys zwischen den Erding Gladiators (grün) und den Dorfener Eispiraten sind auf unbestimmte Zeit verschoben.
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Lockdown statt Ligaspiele: Die für den 20. und 22. November angesetzten – und mit Spannung erwarteten – Derbys zwischen den Erding Gladiators (grün) und den Dorfener Eispiraten sind auf unbestimmte Zeit verschoben.

Eishockey

„Lockdown ein Schlag ins Gesicht der Ehrenamtlichen“

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Die  Verantwortlichen der Eishockeyclubs im Landkreis Erding sind angefressen.

Landkreis – Viel Unverständnis herrscht bei den Eishockeyvereinen im Landkreis nach dem sogenannten „Lockdown Light“ der Bundesregierung. An diesem Wochenende darf noch gespielt werden, ab Montag ist jeglicher Spiel- und auch Trainingsbetrieb verboten – vorerst für vier Wochen. Ob die Saison danach für die Bayernligisten Dorfen und Erding sowie die Bezirksligisten Dorfen 1b und Gebensbach weitergeht, steht in den Sternen und könnte massive Folgen haben. Eishockey ist vom Lockdown am schlimmsten betroffen. Beim Fußball geht es nur noch um den Ligapokal, andere Sportarten wie Handball, Baseball oder Basketball haben sich bereits in die Winterpause verabschiedet.

„Was da am Mittwoch beschlossen wurde, ist ein Schlag ins Gesicht der vielen ehrenamtlichen Helfer“, schimpft Christian Fischer, Jugendleiter des ESV Gebensbach. „Für einen Amateurverein, der mit den Kids durch den ersten Lockdown ging – mit dem Aufwand vom Training in kleinen Gruppen, über Kontaktdatenerfassung zur Nachverfolgung eventueller Ansteckungen, Umziehen in kleinen Gruppen, Desinfizieren von Trainingsgeräten und Kabinen – ist es schwer nachvollziehbar.“ Durch das strikte Halten an Hygienekonzepte sei aus den Vereinen heraus keine Ansteckung und keine Verbreitung passiert. „Eigentlich sollte versucht werden, die Normalität für die Kinder so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, da es wichtig ist für den Nachwuchs etwas zu haben, auf das er sich verlassen kann“, sagt Fischer. „Mit viel Aufwand wurden Trainingskonzepte aufgestellt, auch der Spielmodus geändert, nur um dem Ganzen gerecht zu werden, dann wird alles von der Politik in Frage gestellt und die Leistung und Arbeit von den ganzen Helfern und Verantwortlichen kaputtgemacht.“

Ähnlich sieht es Dorfens Eishockey-Abteilungleiter, der fassungslos ist: „Die Infektionen kommen weder vom Sport noch von der Gastronomie oder sonstigen kulturellen Veranstaltungen, sondern von unkontrollierten privaten Feiern“, weiß Manfred Detterbeck. „Und genau das wird jetzt aus meiner Sicht eher noch schlimmer werden, weil die organisierten Veranstaltungen wegfallen.“ Er sei von der Politik „sehr, sehr, sehr enttäuscht“.

Für den ESC Dorfen bedeute das nicht nur vier Wochen kein Training, keine Spiele – verbunden mit finanziellen Einbußen. Er befürchtet auch: „Was man sich im Sommer- und Wintertraining erarbeitet hat, wird man weitestgehend verlieren.“ Denn schließlich hätten Fitness-Studios ja auch geschlossen. Detterbeck rechnet damit: „Wir brauchen mindestens ein, zwei Wochen Training, um wieder auf dem Stand zu sein – das gilt übrigens auch für den Nachwuchs.“

Detterbeck hofft jetzt, dass alle Helfer, Fans und Sponsoren bei der Stange bleiben, „die bis jetzt den Weg klaglos mitgegangen sind“. Er verspricht: „Wenn die Saison weitergehen sollte – da wären wir alle dafür –, dann werden wir das Eis in Dorfen nicht abtauen: Wir sind weiter dabei, beim Nachwuchs und den Senioren.“

Mitterteich beispielsweise habe die Saison bereits beendet und die Eishalle geschlossen. „Ich befürchte, dass noch die eine oder andere Kommune seine Eishalle schließen wird, und dass es den einen oder anderen Verein über den Hallenbetreiber erwischt“, sagt Detterbeck.

Etwas anders sieht es Rainier Sabus. „Es war absehbar, dass nach dem lockeren und teilweise unvernünftigem Umgang mit den notwendigen Maßnahmen, sowohl im allgemeinen Leben, aber auch im Eishockey, die Infektionszahlen im Herbst nach oben schnellen werden – und wir befinden uns erst zu Beginn des Herbstes, der Winter wird noch lang sein“, betont Erdings Eishockey-Abteilungsleiter. „Die Entwicklungen in Weiden, Landshut und anderen Standorten, gerade in der DNL, mit positiven Covid-19-Fällen und weitreichenden Quarantänen oder auch Videoveröffentlichungen auf einschlägigen Videoplattformen von Pressekonferenzen ohne den notwendigen Abstand oder Mund-Nasen-Schutz waren ja schon Vorboten der Entwicklung.“ Insofern habe der TSV mit zusätzlichen Maßnahmen auf der Zuschauerseite schon gerechnet. „Dass sie allerdings so tiefgreifend auch für den Sport ausfallen würden, hat uns selbst überrascht.“

Die Aufrechterhaltung des Trainingsbetriebs in abgeschlossenen Trainingsgruppen wäre ein großes Anliegen gewesen. „Erst einmal werden wir für die nächsten Wochen wieder in eine Art Tiefschlaf versetzt – sowohl im Nachwuchs- als auch im Seniorenbereich“, weiß Sabus. „Die Spieler müssen schauen, wie sie sich alleine konditionell fit halten können. Nach der baustellenbedingten Aussetzung der Saisonvorbereitung hatten sie gerade spielerisch wieder Fuß gefasst. Und jetzt der Lockdown.“

Wie die Reaktivierung danach aussehen werde, stehe noch in den Sternen. „Gerade im Nachwuchsbereich ist das für die Ausbildung der Spieler, wo es auf stetige Wiederholung ankommt, eine Katastrophe“, weiß der Erdinger Eishockeychef. „Wir hoffen noch, dass sich der Lockdown tatsächlich nur über die angekündigten vier Wochen hinzieht und wir schnell wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen können.“

Ob es im Dezember tatsächlich weitergeht? „Da werden wir noch ein paar Wochen warten müssen, bis hier konkrete Aussagen getroffen werden können“, glaubt Sabus. „Wir können ja nicht davon ausgehen, dass nach vier Wochen wieder alles 1:1 so weitergeht wie vor dem Lockdown.“ Es müsse ein sanftes Anfahren geben, und dann werde es einfach schwierig sein, einen geregelten Spielbetrieb auf die verbleibenden Termine zu organisieren. „Ob alle unsere Gegner dann noch Spielstätten haben werden, ist auch noch fraglich, da es natürlich jetzt für den einen oder anderen Hallenbetreiber verlockend ist, den Betrieb ganz einzustellen“, mutmaßt Sabus. In Erding habe der Verein die Zusage der Stadtwerke, das Eis erst mal über die nächsten vier Wochen zu erhalten, da es aufwändiger wäre, jetzt abzutauen und dann das Eis wieder neu aufzubauen.

Was speziell den TSV Erding betrifft, sieht Sabus auch etwas Positives, den Hallenumbau betreffend, der mächtig in Verzug ist. Vier Wochen könne jetzt ohne Beeinträchtigung durch Spiel- und Trainingsbetrieb weitergearbeitet werden. „Danach sollten Kiosk, VIP- und Kraftraum, Kassen- und Eingangsbereich fertiggestellt, die Soundanlage und hoffentlich die schnelle Datenleitung eingerichtet sein“, listet Sabus auf. Dann könne man eventuell endlich mit einem regulären Livestreaming auch Spiele bei beschränkten Zuschauerzahlen im Stadion übertragen.

Deutlich pessimistischer sieht schließlich der Gebensbacher Eishockey-Abteilungsleiter und -Sportchef die Situation. „Ich gehe davon aus, dass wir zusperren“, sagt Alexander Aigner. „Ich denke, es ist ein bissl naiv, zu glauben, dass es im Dezember weitergeht.“ Er bedauert zum einen, dass bei einer längeren Pause der eine oder andere Spieler aufhören werde, und zum anderen – und das sei viel schlimmer – die Nachwuchsarbeit enorm beeinträchtigt werde. Aigners bitteres Fazit: „Ich gehe davon aus, dass dann überhaupt nicht mehr gespielt wird und die Saison komplett flach fällt.“ Dann wäre aus dem „Lockdown Light“ endgültig ein „Lockdown XXL“ geworden.

wk

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