Kleiner, aber feiner Kader: Die Gladiators klatschen sich nach dem überraschenden Sieg in Schweinfurt ab.
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Kleiner, aber feiner Kader: Die Gladiators klatschen sich nach dem überraschenden Sieg in Schweinfurt ab.

TSV verliert daheim nach Verlängerung und gewinnt Auswärts

Erding Gladiators: Ein Punkt mit Glück, drei mit Disziplin

  • Wolfgang Krzizok
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Zuhause haben die Gladiators 5:6 nach Verlängerung gegen Kempten verloren. Dafür gab es einen 6:2-Auswärtssieg in Schweinfurt.

Erding – Es sind Tage, die man als Eishockeyspieler nicht oft erlebt: Du hast ein wichtiges Auswärtsspiel vor der Brust, gefühlt von Stunde zu Stunde reduziert sich der Kader aus den verschiedensten Gründen, sodass du am Ende vor einer der weitesten Auswärtsfahrten nur noch mit zehn Feldspielern dastehst – und am Ende einen grandiosen Sieg feierst. Genau das ist den Erding Gladiators am Wochenende gelungen.

Als am Sonntagabend die Schlusssirene in der Schweinfurter Eishalle ertönte, kannte der Jubel bei den Gladiators keine Grenzen, und die ausgepumpten Spieler brachten das Grinsen kaum mehr aus dem Gesicht. 6:2 hatte das Mini-Aufgebot bei den Mighty Dogs gewonnen und drei unglaublich wichtige Punkte eingesackt.

Dabei waren die Erdinger Eishackler am Freitag nach der 5:6-Heimniederlage nach Verlängerung gegen einen starken ESC Kempten ziemlich geknickt, wussten nicht, ob sie nun einen Punkt gewonnen oder zwei verloren hatten. 1:0 und 2:1 führte Kempten, 3:2 und 4:3 lagen die Gladiators vorne, gerieten aber dann 4:5 in Rückstand. Der Ausgleich durch den dreifachen Torschützen Daniel Krzizok fiel 71 Sekunden vor Schluss, 51 Sekunden nach Beginn der Verlängerung gelang Kempten der Siegtreffer.

„Ich wusste um die Stärke des Gegners und die Stärke der Nummer 10, Nikolas Oppenberger, der ganz klar der Matchwinner war, ihn haben wir nie unter Kontrolle gekriegt“, stellte Erdings Trainer Thomas Vogl fest. Der Top-Stürmer der Sharks traf zweimal, unter anderem in Unterzahl, bereitete zudem einen Treffer vor, und war auffälligsten Akteur bei den Gästen. Oppenbergers Leistung hob auch Kemptens Trainer Carsten Gosdeck hervor. „Das war ein Spiel auf hohem Tempo mit vielen Torchancen“, stellte er fest. „Aber ausschlaggebender Punkt war der Oppi, was der wieder geleistet hat: Der ist Zwei-Minuten-Wechsel gefahren und hat dann auch noch Tore geschossen.“ Im Endeffekt seien es Kleinigkeiten gewesen, die das Spiel entschieden hätten.

„Letztlich bin ich hin und her gerissen“, meinte Vogl. „Wir haben einerseits gut gespielt, aber andererseits auch Fehler gemacht und blöde Strafen genommen.“ Seine Mannschaft habe „mit Glück noch den einen Punkt gerettet“.

Zwei Tage später strahlte Erdings Banden-Chef über beide Ohren, hatte sein Mini-Kader doch mit einem 6:2 drei Punkte aus Schweinfurt entführt, obwohl es anfangs gar nicht danach ausgesehen hatte. Nach nicht einmal zwei Minuten gingen die Mighty Dogs in Führung, hatten nach einer Viertelstunde in Überzahl auch noch Pech mit einem Pfostenschuss, ehe die Partie kippte und die Gladiators auf 6:1 davonzogen. „Ich bin sehr sehr glücklich“, bekannte Vogl in der Pressekonferenz. „Ein großes Lob meiner Mannschaft, die 60 Minuten taktisch diszipliniert gespielt hat.“ Sie hätte genau so agiert, wie man spielen müsse, wenn man nur mit so wenigen Leiten antreten könne: „Neutrale Zone zumachen, Spiel des Gegners zerstören, Konter reinmachen.“ Die Mannschaft habe das zu hundert Prozent umgesetzt. Vogls Fazit: „Ich bin sehr stolz und glücklich.“ Das sah man ihm auch an. 

Wolfgang Krzizok

Corona-Angst: Ulm fährt nicht nach Waldkraiburg – und Erding beinahe nicht nach Schweinfurt

Für heftige Diskussionen hat eine Spielabsage in der Bayernliga gesorgt. Der VfE Ulm/Neu-Ulm hatte am Sonntagmittag, wenige Stunden vor Anpfiff der Partie in Waldkraiburg, dem EHC mitgeteilt, dass man nicht antreten werde. 

Auf der Homepage der Devils heißt es: „In Anbetracht eines Sieben-Tage-Inzidenzwertes von 107,9 (RKI, 18.10.20, 0:00 Uhr) im Landkreis Mühldorf am Inn haben Trainerteam und Vorstand zusammen mit den Spielern des VfE Ulm/Neu-Ulm entschieden, zum heutigen Spiel gegen das Topteam aus Waldkraiburg nicht anzutreten. Wir hoffen, dass Verband und Gegner Verständnis für diese Entscheidung haben und einer Spielverlegung zustimmen.“ Alle VfE-Spieler übten Eishockey als Amateure aus und seien Vollzeit in ihrem Hauptberuf oder als Auszubildende/Studenten eingebunden. Insbesondere für Lehrer und Erzieher im Team, aber auch für Auszubildende und Studenten in der derzeitigen Prüfungsphase stelle das wissentliche Fahren und Spielen in einem Risikogebiet laut der Ulmer Verantwortlichen „ein derzeit nicht kalkulierbares Risiko dar“. Nun ist der Bayerische Eissportverband gefragt, ob er das Spiel neu ansetzt, oder mit 5:0 Toren und drei Punkten für Waldkraiburg wertet. 

Natürlich machte die Ulmer-Entscheidung auch bei den Erdinger Eishacklern unmittelbar vor der Abfahrt nach Schweinfurt die Runde. Stimmen wurden laut, nicht anzutreten, da der Inzidenzwert in der unterfränkischen Stadt über 50 liegt. „In der Kabine ist intensiv diskutiert worden“, sagte Gladiators-Trainer Thomas Vogl in der Pressekonferenz nach dem Schweinfurt-Spiel. Er habe es den Spielern trotz der Personalnot freigestellt, auf die Fahrt zu verzichten. „Wir haben mehrheitlich entschieden, dass wir hierher fahren“, betonte der Trainer, ein Spieler sei daraufhin nicht mitgefahren, was er respektiere. wk

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