Zuversichtlich: Gladiators-Chef Michael Westphal (l.) und Neuzugang Lukas Miculka.
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Zuversichtlich: Gladiators-Chef Michael Westphal (l.) und Neuzugang Lukas Miculka.

Sein Ziel ist die Oberliga

Erding holt Dorfens Torjäger: Lukas Miculka wird ein Gladiator

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Diese Nachricht dürfte bei den Eishockey-Fans im Landkreis wie eine Bombe einschlagen: Lukas Miculka, Top-Torjäger des Bayernligisten ESC Dorfen, wechselt zum Lokalrivalen nach Erding.

Erding/Dorfen – Diese Nachricht dürfte bei den Eishockey-Fans im Landkreis wie eine Bombe einschlagen: Lukas Miculka, Top-Torjäger des Bayernligisten ESC Dorfen, wechselt zum Lokalrivalen nach Erding. Dass der Deutsch-Tscheche, der sieben Jahre lang die Eispiraten-Crew angeführt hatte, wechseln wird, war schon länger bekannt. Dass er ausgerechnet ein Gladiator wird, ist schon eine Überraschung.

Miculka war 2014 über den EHC Waldkraiburg zum ESC Dorfen gekommen, und der „Lugge“ spielte sich auf Anhieb in die Herzen der Fans. 160 Mal stürmte er seit der Saison 2014/15 für die Eispiraten und sammelte stolze 329 Scorerpunkte. In der Saison 2017/18 wurde er in der Bayernliga sogar zum „Spieler des Jahres“ gewählt. Die Saison 2020/21 war in der Bayernliga schon nach wenigen Spieltagen abgebrochen worden. Miculka wechselte für vier Spiele in die Oberliga Nord zu den Saale Bulls und dann weiter in die Oberliga Süd zu den Selber Wölfen, mit denen er Deutscher Oberliga-Meister wurde und in die DEL 2 aufstieg (wir berichteten).

Frühzeitig hatte der 32-Jährige verkündet, nicht mehr für den ESC spielen zu wollen, weil er mit Trainer Franz Steer nicht zurechtgekommen sei. „Ich habe überlegt, ob ich in Selb vielleicht doch noch als Profi DEL 2 spielen soll, aber dann anders entschieden“, erzählt Miculka. Letztlich sei auch seine Frau Stephanie ausschlaggebend gewesen, die als gebürtige Erdingerin in der Region bleiben wollte – zusammen mit dem zweijährigen Sohn Felix. Miculka betont: „Das war eine gemeinsame Entscheidung.“ So wird er jetzt an seinem neuen Wohnort Erding eine Arbeitsstelle antreten – und Eishockey spielen.

Aber wieso hat er sich letztlich für die Gladiators entschieden? „Ich hatte schon längere Zeit Kontakt mit Coach Thomas Vogl, der mir gesagt hat, welche Ziele er hat – und auch die neue Abteilungsleitung“, erzählt der 32-Jährige. „Ich möchte es schaffen, mit Erding in die Oberliga zu kommen.“ Die Verteidiger seines neuen Teams kenne er zwar nicht so gut, aber dafür die Stürmer: „Das sind recht gute Leute.“ Einer seiner Sturmkollegen ist Timo Borrmann, der ebenfalls von Dorfen nach Erding gewechselt und seit der gemeinsamen Waldkraiburger Zeit einer seiner besten Spezln ist. „Das ist ein richtig cooler Typ, der früher verrückt war, aber jetzt älter und vernünftiger geworden ist“, meint Miculka lachend. „Ich denke, das wird passen.“ Dass sich im Gladiators-Sturm viele Ü 30-Spieler tummeln werden, stört ihn überhaupt nicht. „Mit einem Kindergarten gewinnst du nichts“, sagt er.

Etwas ganz Besonderes für den „Lugge“ wird es sein, wenn er zum ersten Mal gegen die Eispiraten spielen wird. „Ich hoffe, die Dorfener Fans sind nicht zu sauer, dass ich nach Erding gegangen bin“, sagt Miculka. „Ich habe viele Freunde in Dorfen, und ich denke, die verstehen das.“

Miculka wird bei den Gladiators mit der Rückennummer 9 stürmen, die er von Sebastian Lachner übernimmt, der seine Karriere beendet hat (wir berichteten). „Das ist eigentlich meine Lieblingsnummer, die war aber nie frei“, sagt der 32-Jährige, der lange Zeit mit der „29“ gespielt hatte und in Dorfen mit der „19“ auflief. „29, 19, 9 – die nächste Nummer ist dann die 0, dann höre ich auf“, meint er lachend.

Aber wie lange will er wirklich noch dem Puck nachjagen? „Bis mein Sohn sein erstes Tor schießt. Der ist jetzt zwei, der geht im Herbst zum ersten Mal aufs Eis“, sagt er schmunzelnd und fügt dann an: „Nein, im Ernst, ich habe vor, noch so fünf oder sechs Jahre zu spielen.“

Miculka freut sich auf die Saison bei den Gladiators. „Ich mag das Erdinger Stadion gern“, sagt er und meint augenzwinkernd: „Ich hoffe, dass es das eine oder andere Mal ausverkauft ist.“ Natürlich wisse er, dass dies bei einer Stadionkapazität von knapp 3000 ein sehr frommer Wunsch sei. „Aber warum sollten nicht 1000 Zuschauer kommen, wenn wir erfolgreich spielen?“, stellt der 32-Jährige fest. „Es gibt doch nichts Schöneres, als vor vielen Fans zu spielen – das will jeder.“

Wolfgang Krzizok

Stimmen zum Miculka-Transfer: „Ausgerechnet zum Konkurrenten“

Manfred Detterbeck, Eishockey-Chef ESC Dorfen: „Da gibt es nicht viel zu sagen, außer dass ich ihm und seiner Familie privat und sportlich alles Gute wünsche – auch in Erding, ausgenommen natürlich unsere Derbys. Da er familienbedingt regional bleiben wollte, war dies die logische Konsequenz.“

Martin Fertl, Fan des ESC Dorfen: „Ich finde es so schade, dass der Lugge geht. Ich hatte gedacht beziehungsweise gehofft, dass er wieder zurückkommt, weil er ja stark mit Dorfen verbunden ist. Was ich nicht verstehen kann, ist, dass er ausgerechnet zum Konkurrenten nach Erding geht, und ich glaube, dass das viele Fans so sehen. Aber Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten, und so wünsche ich ihm viel Glück in Erding – außer natürlich in den Derbys gegen uns.“

Tobias Fengler, Verteidiger beim ESC Dorfen und langjähriger Teamkollege von Lukas Miculka: „Wenn man mich vor ein paar Jahren gefragt hätte, hätte ich es strikt ausgeschlossen, dass der Lugge nach Erding geht. Aber weil Dorfen einen Umbruch plant, fühlen sich einige ältere Spieler, so wie er, nicht mehr ganz so wohl. Ich wünsche ihm alle Gute.“ (wk)

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