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Architekt Tobias Eder, Stadtwerke-Prokurist Thomas Altstetter, Eishockeychef Rainier Sabus und Eishallen-Betriebsleiter Robert Gruber (l.) waren ständig im Austausch. Unser Bild stammt vom Juni 2019.

Erdinger Eishalle

Gladiators für drei Wochen auf Eis gelegt

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Die Verzögerungen beim Hallenbau bringen die Pläne der Erdinger Eishockey-Abteilung durcheinander. Die Stadtwerke und der Projektleiter erklären, warum sich der Verein noch gedulden muss.

Erding – Die Erding Gladiators müssen ihre komplette Vorbereitung nach hinten verschieben. Statt am 1. September können sie erst ab 21. September aufs Eis. „Das ist eine ziemliche Katastrophe“, sagt dazu Rainier Sabus, Vorsitzender der Eishockey-Abteilung des TSV Erding. Schließlich sei nicht nur das Bayernliga-Team betroffen, sondern auch der komplette Nachwuchs. Sportlich und finanziell habe dies erhebliche Auswirkungen.

Die schlechte Nachricht erreichte Sabus am Dienstag, 11. August. „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir baustellenbedingt nicht wie geplant mit der Eisaufbereitung in der nächsten Woche starten können“, schrieb ihm Robert Maier, der Leiter der Freizeitanlagen der Stadtwerke Erding. Er gehe davon aus, dass dies frühestens ab 7. September möglich sei. „Demnach können die Mannschaften der Eishockey-Abteilung voraussichtlich ab 21. September aufs Eis.“

Für die Gladiators bedeutet das laut Sabus aus sportlicher Sicht einen großen Nachteil, „weil wir drei Wochen später mit der Vorbereitung beginnen können als unsere Konkurrenten“. Die bereits vereinbarten Testspiele ab 6. September beim EHC Klostersee sowie die Heim- und Auswärtsspiele gegen den EC Pfaffenhofen und den EV Dingolfing haben die Erdinger bereits gecancelt. „Du kannst die Jungs nicht spielen lassen, wenn sie noch keine Eiszeit hatten. Da wäre die Verletzungsgefahr viel zu groß“, sagt Sabus. Bleiben nur noch die beiden Tests gegen die EHF Passau am 25. und 27. September, bevor die Bayernliga am 2. Oktober gleich mit dem Kracher gegen den TEV Miesbach beginnt.

Dass es bei den rund fünf Millionen Euro teuren Umbauten an der Eishalle zu Verzögerungen kommt, kann Sabus nachvollziehen. „Gegen so etwas bist du bei einem Bauprojekt nie gefeit“, sagt er. Das Problem sei, dass die Nachricht so kurzfristig gekommen sei. „Hätten wir sechs Wochen Vorlaufzeit gehabt, hätten wir noch reagieren können.“

Die Stadtwerke hätten die Eishockey-Abteilung sofort in Kenntnis gesetzt, als klar war, dass der Termin nicht zu halten war, sagt deren Geschäftsführer Christopher Ruthner. „Teile der Bauarbeiten verzögern sich leider. Wir kriegen die Eishalle noch nicht komplett dicht.“ Dabei gehe es nicht darum, dass man eventuell statt einem 1a-Eis nur ein 1b-Eis produzieren könne. Bei Temperaturen von 30 Grad würde sich bei der Eisbereitung eine enorme Feuchtigkeit bilden, wenn die Halle nicht dicht ist, und zu neuerlichen Schäden führen. „Und dann hätte man den nächsten Sanierungsfall“, so Ruthner. Deshalb sei die Eisaufbereitung schlichtweg noch nicht möglich.

Dass der Hallenumbau noch nicht fertig ist, liege wohl auch daran, dass eine am Bau beteiligte Firma ausgerechnet jetzt in den 14-tägigen Betriebsurlaub ging. Das will Projektleiter Tobias Eder so nicht stehen lassen. „Das stimmt so nicht. Es liegt nicht an einer einzigen Firma.“ Vielmehr gebe es coronabedingte Lieferengpässe für bestimmte Materialien, so dass einige Gewerke derzeit ohnehin nicht fertiggestellt werden könnten. Es bringe also überhaupt nichts, nun einem Unternehmen den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Stadtwerke-Chef Ruthner erinnert daran, dass das Projekt bereits seit 2017 laufe. Drei Wochen Zeitverzögerung seien kein Grund, den Projektleiter an den Pranger zu stellen, zumal in einem Altbau immer wieder mal Überraschungen auf einen warten. Näher wollte der Stadtwerke-Chef nicht ins Detail gehen. Als Beispiel nannte er aber den Schimmelbefall in Räumen, die dann hinterlüftet werden mussten.

Den Vorwurf, an der Baustelle sei seit Winter zu wenig gearbeitet worden, bezeichnet er als „Schmarrn“. Von außen könne man die Bautätigkeiten schlecht beurteilen.

Ähnlich sieht es auch Eder, der die Arbeiten von 30 bis 40 Unternehmen zu koordinieren hat. Es sei ja kein Geheimnis, dass bei den Handwerkern die Auftragslage sehr gut sei, deshalb müsse man schon immer wieder mal den Firmen „hinterherbetteln“, aber insgesamt habe man das nach seiner Einschätzung schon ganz gut hingebracht. Der Architekt verwies auch auf Trocknungszeiten in diversen Bauphasen. Da könne man halt dann nichts tun, „was vielleicht bei Beobachtern einen falschen Eindruck erweckt“. Auch Eder erinnerte noch einmal daran, dass es bei Arbeiten an einem Altbau immer wieder mal unangenehme Überraschungen wie den Schimmelbefall gebe.

Und dann kommen auch noch Probleme dazu, mit denen gar niemand rechnet: Der Digitalfunk von Polizei und Sanitätsdienst funktionierte nicht. Kabel mussten neu verlegt werden, was einen fünfstelligen zusätzlichen Betrag verschlang, wie Ruthner sagte. Dass der Notausgang in der bereits fertiggestellten Spielerkabine falsch installiert wurde (Eingang nach innen), konnte Ruthner zwar nicht bestätigen. „Aber auf dem Bau passieren wie überall Fehler, die dann aber die ausführende Firma selbst beseitigen muss.“

Aufräumarbeiten stehen jetzt vor allem der Eishockey-Abteilung des TSV Erding bevor. So musste bereits das Trainingscamp im Nachwuchsbereich abgesagt werden. „Wir hatten 125 Anmeldungen von U 9- bis U 20-Spielern. Uns gehen da 5000 Euro Gewinn verloren“, rechnet Eishockeychef Sabus vor.

Alle Nachwuchsteams des TSV spielen in der Bayernliga beziehungsweise in den höchsten bayerischen Meldeklassen. Der Ligabetrieb beginnt am 19. September – also zwei Tage, bevor die Erdinger erstmals aufs Eis können. Anderweitig Eiszeiten für die Jugend zu suchen, sei aus Kostengründen nicht möglich. „Da zahlst du 150 bis 200 Euro für die Stunde“, sagt Sabus. Also bleibt nur eine Möglichkeit: „Wir versuchen jetzt zumindest die ersten Spiele zu verlegen, wobei das bei dem engen Terminrahmen höchstens um eine Woche geht. Außerdem hoffen wir, dass wir mit Auswärtsspielen beginnen können“, sagt Sabus.

Seine Befürchtung: Talente schauen sich bei anderen Vereinen um, die schon früher mit dem Training beginnen können. „Die Eltern im Eishockey sind relativ fahrbereit“, sagt er. Gut möglich also, „dass einige Spieler abwandern und wir die Mannschaften dann mit Spielern der jüngeren Jahrgänge auffüllen müssen“. Das würde sich natürlich auf die Spielstärke auswirken und habe auch Folgen für die Klasseneinteilung im darauffolgenden Jahr.

Am Kader der Ersten wird sich vermutlich nichts mehr ändern, glaubt Sabus, dessen Vorstandsteam derzeit verzweifelt nach Trainingszeiten in anderen Hallen sucht. Beim EV Moosburg seien nur noch Slots an Werktagen vor 16.30 Uhr frei, „und am Wochenende geht gar nichts“, erklärt Sabus. Neben dem EVM hätten sich hier nämlich bereits der EV Landshut und der EV Aich Zeiten gesichert. Derzeit laufen Anfragen in Dorfen und Grafing. „Alternativ wäre noch ein Kurzcamp in Mittenwald oder Füssen eine Option“, sagt der Abteilungsleiter. Nachdem der Deutsche Eishockeybund für Camps in Tschechien, der Slowakei und der Schweiz eine Reisewarnung ausgesprochen hat, musste der TSV Erding auch diese Möglichkeit streichen. „Wobei die Schweiz für uns natürlich aus Kostengründen ohnehin nicht in Frage gekommen wäre“, ergänzt Sabus.

Der TSV Erding zahlt übrigens auch den Stadtwerken für die Nutzung der Eishalle Miete. Teile davon fließen aber wieder zurück als Zuschuss von der Stadt Erding. Auf der Suche nach einer weiteren Geldquelle hätten die Eishackler übrigens ganz gern die Namensrechte der Halle an einen Sponsor vergeben. Das allerdings hat sich erübrigt. Die Eishalle heißt künftig „Erdinger Stadtwerke-Arena“, wie Ruthner bestätigt. Das wird an der Fassade zu lesen sein – sobald die Halle mal fertig ist.

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