Stolz auf den Um- und Neubau (v.l.): Die Architekten Tobias Eder und Ulrich Reiser, Stadtwerke-Geschäftsführer Christopher Ruthner und Stadtwerke-Prokurist Thomas Altstetter.
+
Stolz auf den Um- und Neubau (v.l.): Die Architekten Tobias Eder und Ulrich Reiser, Stadtwerke-Geschäftsführer Christopher Ruthner und Stadtwerke-Prokurist Thomas Altstetter.

Riesenprojekt steht kurz vor dem Abschluss

„Vorher war es eine Eishalle, jetzt ist es eine Arena“

  • Wolfgang Krzizok
    VonWolfgang Krzizok
    schließen

Die Millionen-Sanierung der Eissporthalle Erding steht kurz vor dem Abschluss.

Erding – Wenn Eishockeymannschaften in der Erdinger Eissporthalle zu Gast waren, gab es gemeinhin Lob für eine der schönsten Eishallen in Bayern. Doch der Schein trog, es war zum Großteil nur Fassade, wie sich erst vor einigen Jahren herausgestellt hatte. Eklatante Baumängel waren diagnostiziert worden, vor allem im Bereich Brandschutz. So begannen bereits 2019 umfassende Sanierungsarbeiten. Zudem hatten die Stadtwerke, eine hundertprozentige Tochter der Stadt Erding, beschlossen, auch gleich einen neuen Anbau auf der Westseite der Halle zu errichten. Hierzu wurde unmittelbar nach Ende der Eishockey-Saison 2018/19 der so genannte „Altbestand“ weggerissen, also der seit Eröffnung des damals noch offenen Eisstadions Ende der 70er-Jahre stehende Bau mit Kasse, Kiosk, Umkleiden und WC-Anlagen. 1992 war eine Halle über die bestehende Eisfläche drübergebaut und mit dem Altbestand verbunden worden.

Jetzt offenbarten sich Mängel in fast allen Bereichen. „Auslöser für das Ganze war der Brandschutz“, erinnert sich Architekt Ulrich Reiser vom Erdinger Büro „Architekt.ur“. „Wir haben uns daraufhin mit unseren Partnern zusammengesetzt und überlegt, was wir machen können“, erzählt Stadtwerke-Geschäftsführer Christopher Ruthner. „Da sind Ideen aus vielen Ecken reingeflossen, auch von Vereinsseite her.“ Sehr stolz ist er auf den Anbau mit der großen Galerie: „Das lässt es zur Arena werden.“ Robert Meier, Leiter der Freizeitanlagen, legt Wert auf die Feststellung, „dass wir wirklich alles mit unseren Partnern analysiert und immer wieder überlegt haben: Was kann man noch besser machen?“

Eigentlich hatten die Verantwortlichen gehofft, im September 2020 fertig zu werden. Ein zu ehrgeiziges Ziel, wie sich schließlich herausstellte, denn im Januar 2021 wird nach wie vor gebaut. Dass Corona den Verantwortlichen eigentlich in die Karten gespielt habe, weil kein Eislauf-, Trainings- und Spielbetrieb möglich war, das weisen alle strikt von sich. „Das hat uns auch getroffen“, verteidigt sich Architekt Tobias Eder. Vor allem der Nachschub der Baumaterialien habe sich verzögert, sodass man dem Zeitplan bald hinterher gehinkt sei.

„Gebaut wurde in zwei Abschnitten“, erklärt Reiser. „Zunächst in den Kabinen und Technikräumen, und danach war die Erweiterung dran.“ Ruthner ergänzt: „Da haben wir quasi aus der Not eine Tugend gemacht. Wenn man schon Geld in die Hand nimmt, dann kann man es auch gleich richtig hochwertig machen.“ Der Aufsichtsrat habe sämtliche Entscheidungen dann auch genehmigt. „Und für das Geld hat man ja auch einen entsprechenden Mehrwert“, stellt Ruthner fest. Sogar von einem „irren Mehrwert“ spricht Architekt Reiser: „Vorher war es eine Eishalle, jetzt ist es eine Arena.“

„Stadtwerke Erding Arena“ wird die Eissporthalle in Zukunft heißen.

Als es in der Halle 2019 losging, wurden zunächst neue Fluchtwege gebaut, gleichzeitig aber auch andere Dinge in Angriff genommen. Die Schwierigkeit dabei: Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, musste mit diesen Arbeiten während des laufenden Eishockey-Spielbetriebs begonnen werden. „Wir haben versucht, dass wir das mit möglichst wenig Beeinträchtigungen hinkriegen“, erzählt der Stadtwerke-Chef, und Reiser betont: „Eine Sanierung bei laufendem Betrieb ist immer wahnsinnig schwer.“ Immerhin habe der Eislauf- und Eishockeybetrieb während der Saison 2019/20 „permanent aufrecht erhalten werden können“ – trotz zum Teil intensiver Schimmelbekämpfung in den Räumlichkeiten unter den Tribünen und extrem niedrigen Temperaturen in den Kabinen.

Dass sich die Eisbereitung vergangenen Herbst dann um gleich drei Wochen verzögert hatte, das sei nicht ihre Schuld gewesen, stellt Eder klar. Eine Material-Lieferung habe so lange auf sich warten lassen. „Wir hatten aber bei keiner Firma einen Totalausfall“, berichtet Reiser. „Und es ist auch nicht zu erkennen, dass eine Firma geschlampt hätte.“ Dass es unliebsame Überraschungen gegeben hat, da will Reiser auch gar nicht drumherum reden. „Bei Altbausanierungen ist das üblich“, stellt er fest. Und auch, dass der eine oder andere Fehler passiert ist, gibt er unumwunden zu. „Es gibt keine einzige große Baustelle ohne Fehler“, betont er. „Fehler lassen sich oft nicht vermeiden, deren Behebung ist für mich Alltagsgeschäft.“ Es seien allerhand komplizierte Einbauten erforderlich gewesen. „Und es gab auch Umstände, die wir nicht beeinflussen konnten“, ergänzt Eder. „So hat uns zum Beispiel der Sturm zweimal ein Notdach weggerissen.“ Dass der eine oder andere Fehler später noch auftauchen könne, schließt Stadtwerke-Chef Ruthner nicht aus: „Das wird sich erst in der Benutzung beweisen.“

Mehr Platz gibt es beim neuen Kiosk mit zwei Ausgabefenstern.

Bei den zusätzlichen Fluchtwegen – zwei sind quasi ebenerdig zur Eisfläche entstanden – sei in erster Linie an die Mehrfachnutzung der Halle gedacht worden. „Wenn zum Beispiel bei Sinnflut Veranstaltungen in der Halle stattfinden, braucht man diese Fluchtwege“, erklärt Eder, der darauf hinweist: „Ein großes Thema waren die Toiletten.“ Früher hatten sich – meist in den Drittelpausen – lange Schlangen gebildet. „Jetzt haben wir fünfmal so viele Toiletten, das ist spürbar für jeden Besucher.“ Unter anderem stehen im Anbau drei Behinderten-Toiletten zur Verfügung. „Wir haben versucht, für alle Lagen gerüstet zu sein – sei es beim Eishockey, bei Sinnflut oder beim Herbstfest“, sagt Eder. So sei es jetzt möglich, dass, falls zum Beispiel während des Herbstfestes ein Eishockeyspiel stattfindet, die Volksfest-Gäste in einer Etage von außen Zugang zu den WC-Anlagen hätten, und die Eishockey-Zuschauer in einer anderen Etage von innen. So komme man sich nicht mehr in die Quere.

Viele Entscheidungen, die zusätzlich Geld kosten, seien auch kurzfristig während des Baus getroffen worden. Und die Verantwortlichen hätten sich laut Reiser nicht nur einmal die Frage gestellt: „Lassen wir das Alte, oder machen wir was Neues?“ So habe man zum Beispiel die Belüftung rückgebaut und dafür eine kombinierte Entrauchungs- und Belüftungsanlage installiert. „Das hat sich so ergeben“, sagt Eder. Man habe ständig diskutiert und sei auch permanent im Austausch gewesen, erklärt Reiser. Prinzipiell gelte: „Was mehr kostet, hält länger.“

Auch die Duschen seien noch saniert worden, was eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt geplant war, ergänzt Ruthner. Und auch die Lautsprecheranlage sei komplett erneuert worden, wenngleich die Aussteuerung noch nicht perfekt sei. „Beton, Glas und Eis – wir haben lauter harte Bauteile“, stellt Eder fest, und Stadtwerke-Prokurist Thomas Altstetter ergänzt: „Es ist sehr schwierig, die Anlage perfekt einzustellen, weil es vom Widerhall her natürlich einen Unterschied macht, ob die Halle leer ist, oder ob Zuschauer da sind.“ Da werde man wohl noch entsprechend nachjustieren müssen, wenn der Spielbetrieb wieder begonnen hat.

Die neuen Umkleidekabinen für den öffentlichen Lauf können bei Bedarf geteilt werden.

Sehr viel habe sich in den Räumlichkeiten auf der Südseite getan, wo sich jetzt fast ausschließlich die Hallen-Technik befindet. „Die ist viel effizienter geworden“, erklärt Architekt Eder. „Da sind so viele Sachen passiert, die für den Besucher nicht sichtbar, aber für die Sicherheit sehr wichtig sind – und auch viel Geld gekostet haben.“

Ein großes Thema sei die Dichtigkeit von den Kellerräumen zur Tribüne gewesen, erläutert Stadtwerke-Chef Ruthner. „Die Fugen waren schadhaft und haben teilweise bis zu zwei Zentimeter gearbeitet“, ergänzt Eder. Da sei es wichtig gewesen, welche Materialien man zum Abdichten verwendet, und was die beste Lösung sei, sagt Ruthner: „Das ist halt so bei einem Altbau, aber wir haben für alles Lösungen gefunden.“

Die Leih-Schlittschuhe sind in neuen Schiebe-Regalen untergebracht.

Als „immense Verbesserung“ bezeichnet Architekt Reiser die Verlegung der Eismeister-Räumlichkeiten von der West- auf die Ostseite. Alleine schon aus Sicherheitsgründen, denn nun gebe es keinen „Zuschauer-Querverkehr“ mehr. „Da war immer ein gewisses Gefahrenpotenzial beim Rein- und Rausfahren“, betont Stadtwerke-Prokurist Altstetter. Außerdem setehe jetzt eine Rampe zur Verfügung, auf der Wartungsarbeiten viel leichter durchgeführt werden könnten, dazu ein neues Schmelzbecken, wo die Eismaschine entleert werden kann, „mit einem riesigen Fassungsvermögen und Kanalanschluss“, wie Eder konstatiert. Und ein Roll-Brandschutztor, „das halt auch wieder Geld kostet, aber total sicher ist“.

Ein dickes Lob zollen die Verantwortlichen in diesem Zusammenhang Eismeister-Chef Robert Gruber. „Wahnsinn, was der hier geleistet hat“, schwärmt beispielsweise Altstetter. „Der war immer da und jederzeit ansprechbar.“

Prunkstück ist schließlich der Anbau. Der Kassenbereich bleibt, der Kiosk ist von der südwestlichen in die nordwestliche Ecke gewandert – mit zwei Ausgabefenstern und deutlich mehr Platz. Zudem kann er jetzt von außen beliefert werden. In den ersten Stock kann man übers Treppenhaus gelangen, aber auch über einen Fahrstuhl, der speziell für Behinderte gedacht ist, die ihre Plätze jetzt auf der Galerie im ersten Stock haben – unmittelbar über der Eisfläche. „Der Bau der Galerie war sehr kompliziert“, erinnert sich Architekt Reiser. „Unter anderem musste alles aufwändig abgestützt werden.“ Wenn er die Galerie jetzt so anschaue, dann ist das „eigentlich eine Meisterleistung“. Im ersten Stock befinden sich außerdem Kraftraum, Fanshop und Besprechungsraum, der während der Spiele als VIP-Raum genutzt werden kann.

Neu sind Fluchttreppe und -terrasse an der nordwestlichen Hallenecke.

Wann der Anbau endgültig fertiggestellt wird, sei jetzt vor allem von der Witterung abhängig. „Es sind noch Restarbeiten zu erledigen“, erklärt Reiser. Das Letzte sei die Inbetriebnahme des Digitalfunkkanals für die Feuerwehr. Da habe es jüngst technisch Probleme gegeben, „und es müssen dann noch die Frequenzen genehmigt werden“.

Ruthner jedenfalls freut sich, wenn die „Stadtwerke-Arena Erding“ endgültig ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Wie hoch letztlich die Baukosten werden, kann laut der Verantwortlichen noch nicht beziffert werden. Rund fünf Millionen Euro waren ursprünglich veranschlagt. Der Betrag dürfte letztlich zwar deutlich höher liegen, aber dafür hat man dann in Erding wirklich eine der schönsten Eissporthallen in ganz Bayern – ganz ohne Bau- und Sicherheitsmängel.

wk

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare