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Dagegenhalten – auch in München: Callsen-Bracker (l., hier gegen Stuttgarts Abdellaoue) hofft, dass der FCA bei den Bayern „was mitnehmen kann“.

Jan-Ingwer Callsen-Bracker im Interview

„Für die Bayern sind wir der bayerische Bruder“

München - Wie dominant sind die Bayern? Kann der FCA den Bayern-Rekord verhindern? Und wie kam Jan-Ingwer Callsen-Bracker zu seinem Namen? Wir trafen Augsburgs Abwehrchef vor dem Derby in München.

Am Samstag (15.30 Uhr) kann der FC Bayern eine historische Marke erreichen: zum 37. Mal in Folge in der Bundesliga ungeschlagen bleiben. Oder wird der FC Augsburg es verhindern? Ein Gespräch mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker, 29, Augsburgs Innenverteidiger und Kopfballspezialist, über die Dominanz der Bayern, den Traum des FCA und die Zukunft von Stürmern und Abwehrspielern. Und er klärt über seinen außergewöhnlichen Namen auf.

In Hoffenheim und Pilsen sind dem FC Bayern die Siege nicht mehr so leicht von der Hand gegangen. Was bedeutet das für das Spiel des FC Augsburg in der Allianz Arena?

Gar nichts. Bayern hat eine sehr starke Mannschaft, war auch in diesen beiden Spielen dominant. Ich habe auch ihr Spiel bei Manchester City gesehen, da haben sie ein wahres Feuerwerk abgebrannt. Aktuell ist das die beste Mannschaft auf der Welt.

Trotzdem muss man mit einem Sieges-Vorsatz nach München fahren. Ein Boxer geht auch nicht in den Kampf und sagt, er wolle nach Punkten verloren oder nicht so schwer k.o. gehen.

Wichtig wird sein, dass wir unsere beste Saisonleistung bringen. Wir sollten gar nicht so sehr darüber nachdenken, gegen wen man da spielt. Wir fahren hin mit dem Traum, dass es der Tag ist, an dem man was mitnehmen kann.

Zumindest ist es Ihnen noch nie passiert, dass Sie mit ihren Teams eine Klatsche bezogen hätten gegen die Bayern. Mit Leverkusen, Mönchengladbach und Augsburg waren Ihre Resultate: viermal ein 1:2, einmal ein 0:2. Ihr erstes Spiel gegen die Bayern, mit Leverkusen, war 2007. Die Münchner Aufstellung: Kahn, Lell, Lucio, van Buyten, Lahm, Hargreaves, Salihamidzic, van Bommel, Santa Cruz, Podolski, Makaay. Eingewechselt wurden Pizarro, Görlitz, Ismael. Ist erst sechs Jahre her, klingt aber wie aus einer ganz anderen Zeit.

Ja, absolut. Kommt mir auch vor, als ob es richtig lang her wäre. Aber auch das war eine hochkarätige Bayern-Mannschaft. Am Ende dieses Spiels habe ich mir das Trikot von Roy Makaay geschnappt.

Sie sind seit zehn Jahren im Profifußball. Von außen hat man den Eindruck, dass das Spiel sich in dieser Zeit wahnsinnig verändert hat, sogar schlechtere Bundesliga-Mannschaften spielen nun teilweise gepflegten One-touch-Fußball.

Der Fußball entwickelt sich von Saison zu Saison, es wird überall tagtäglich nach Verbesserungsmöglichkeiten Ausschau gehalten, das Training wird verfeinert, die Taktik verbessert. Wir als Spieler haben selber den Eindruck, dass das Tempo von Saison zu Saison höher wird. Manchmal, wenn man in andere Ligen schaut, sieht es nicht ganz so schnell aus wie bei uns.

Sie waren selbst in den U-Nationalmannschaften des DFB. Wen von den Bayern kennen Sie von damals noch?

Mit Bastian Schweinsteiger war ich in einem Team, mit Manuel Neuer auch.

Ihre Karriere ist in den drei Jahren, die Sie beim FC Augsburg sind, in Gang gekommen, hier haben Sie 65 Ihrer 112 Bundesligapartien absolviert. Zuvor, bei Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach, wurden Sie oft in die zweite Mannschaft versetzt, da haben Sie acht Jahre gebraucht für 47 Spiele in der ersten Liga.. Haben Sie nie an den Wechsel ins bürgerliche Leben gedacht?

Beharrlichkeit ist eine Stärke von mir. Meine Karriere hat gut begonnen, ich spielte Champions League. In Leverkusen war die Konkurrenz stark mit Juan, Lucio, Jens Nowotny, Roque junior, das waren schon Kaliber, von denen ich halt gelernt habe. In Gladbach hatte ich Verletzungspech. Daraus habe ich gelernt und setze meinen Fokus immer auf das Heute. Die letzten drei Jahren war meine Entwicklung dann so, wie ich sie mir vorstelle.

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Und Sie sind die geheime Kopfballwaffe des FCA.

Das ein oder andere Mal kam eine ganz gute Flanke. Ab und zu sollte man als Innenverteidiger auch ein Kopfballtor machen.

Wenn die Bayern spielen und in der Allianz Arena die Ergebnisse aus den anderen Bundesliga-Stadien angezeigt werden, gibt es für FCA-Tore stets anerkennenden Beifall. Erstaunlich, wo doch im Sport zwischen München und Augsburg schwere Rivalität herrscht. Woher dürfte die FCA-Sympathie kommen?

Wir werden als sympathischer Verein wahrgenommen, der bodenständig ist und sich alles hart erarbeiten muss, wir repräsentieren einen guten Teamgeist, und das spürt der Zuschauer. Für die Bayern sind wir auch kein Konkurrent, wir sind eine Art bayerischer Bruder. Und in Bayern hält man zusammen.

Und wie ist – im nunmehr dritten Jahr – die Wahrnehmung des FCA außerhalb Bayerns, bei Auswärtsspielen?

Unsere Fans werden überall freundlich empfangen, da entwickeln sich zahlreiche Fan-Freundschaften. Wir als Mannschaft, wenn wir das Stadion betreten, bekommen natürlich schon Pfiffe zu hören und Gesten zu sehen. Aber das zeigt, dass wir wahrgenommen werden.

Wen glauben Sie am Samstag als Bayern-Mittelstürmer anzutreffen?

Ich gehe von Mandzukic aus, er ist der Mittelstürmer, den sie haben. Wobei ich schon weiß, dass da auch Thomas Müller spielen kann und dass sie da vorne sehr flexibel sind. Da kann jeder aus dem offensiven Mittelfeld in die Spitze stoßen.

Hat der klassische Mittelstürmer, der auf Chancen lauert und köpfen kann, noch eine Zukunft? Und mit ihm der klassische Innenverteidiger, der groß ist und vielleicht auch kantig?

Ja. Standardsituationen werden auch in der Zukunft wichtig sein. Man kann auch groß und spielstark sein oder groß und beweglich. Nehmen wir Zlatan Ibrahimovic: Er ist groß und dennoch technisch filigran. Es geht nur um die Qualität und nicht um Körpergröße und Spielertyp.

Vielen Fußball-Interessierten sind Sie wegen Ihres markanten Namens ein Begriff. Doppelter Vorname, doppelter Nachname, und gesundheitsbewusste Menschen merken vor allem bei „Ingwer“ auf. Wie kam es zum Jan-Ingwer Callsen-Bracker?

Die Geschichte geht so: Ich bin in Schleswig-Holstein geboren, dort ist Ingwer ein gängiger Name, zumindest an der Grenze zu Dänemark, südlich von Hamburg dann wieder seltener. Jeder bei uns in der Familie hat einen Doppelnamen, meine Brüder sind noch nach den beiden Großvätern benannt worden, ich bin der Drittgeborene, da konnten meine Eltern sich überlegen, was schön klingt. Das haben sie mit Jan-Ingwer geschafft.

Und der Callsen-Bracker? Bracker mit langem A.

Richtig. In Bracker ist ein Dehnungs-c wie in Mecklenburg-Vorpommern. Kommt daher: Mein Großvater war ein geborener Bracker. Oben in Schleswig-Holstein gibt es den Callsen-Hof. Der Bauer Hans Callsen hat im Zweiten Weltkrieg seinen Sohn verloren, und damit der Hof nach der Höfeordnung übernommen werden konnte, hat er meinen Großvater adoptiert. Der hieß erst Bracker-Callsen, das hat nicht so gut geklungen, dann hat man Callsen-Bracker daraus gemacht..

Das Interview führte Günter Klein

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