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Hohe Hürde: Auch die Bayern verzweifelten schon einige Male an Jan Oblak.

Atlético-Keeper heiß begehrt

100 Millionen als Sicherheit für Oblak

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München - Der Torhüter ist für Bayern-Gegner Atlético Madrid ein starker Rückhalt, das macht ihn heiß begehrt. Interessenten wie Arsenal haben aber schlechte Karten: Eine Ausstiegsklausel soll den Keeper, der als großes Talent gilt, in Madrid halten.

Über den Sinn und Unsinn von offiziellen Fußballer-Wahlen hat man beim FC Bayern aufgehört, öffentlich zu reden. Im stillen Kämmerlein aber schütteln die Verantwortlichen doch regelmäßig den Kopf, wenn die Nominierten für diverse Auszeichnungen bekanntgegeben werden. Heuer geschehen, als die Liste der 40 Spieler herauskam, die den Sprung in das „UEFA-Team des Jahres“ schaffen könnten. Neben Rui Patricio (Sporting Lissabon), Keylor Navas (Real Madrid) und Gianluigi Buffon (Juventus) als Torwart nominiert: Jan Oblak (Atlético Madrid). Nicht nominiert hingegen: Manuel Neuer, der dreimalige Welttorhüter.

Dienstagabend, im sportlich bedeutungslosen abschließenden Gruppenspiel der Champions League (bei uns im Live-Ticker) stehen sich die beiden gegenüber, so wie in diesem Jahr bereits drei Mal. Und auch wenn Manuel Neuer für nahezu jeden Beobachter als bester Torhüter der Welt gilt – und seine Nicht-Nominierung somit relativ unverständlich ist – ist der Mann im Kasten von Atlético Madrid zumindest einer, dem man zutraut, irgendwann das Format des deutschen Nationalkeepers zu erreichen.

Die Bayern wissen das nur zu gut. Im Rückspiel des Halbfinals konnten sie den Slowenen zwar zwei Mal überwinden, schieden am Ende aber trotzdem aus. Weil Oblak in den 90 Minuten auch neun Schüsse parierte, darunter einen Elfmeter von Thomas Müller. Die Schlagzeilen in Spanien am nächsten Tag: „Rot-weiße Mauer“, „slowenischer Gigant“.

„Er ist ein sehr, sehr guter Keeper“, sagt auch Manuel Neuer über den Atlético-Schlussmann, besonders gefällt ihm, „wie er mit der Defensive harmoniert. Sie sprechen sehr viel miteinander“. 18 Gegentore kassierte Oblak in 38 Liga-Spielen der vergangenen Saison, in 24 Spielen hielt er seinen Kasten sogar ganz sauber. Das mag hinter einem Abwehrbollwerk wie jenem, das Diego Simeone in Madrid aufgebaut hat, vielleicht etwas leichter sein als woanders. Oblak aber rundet die zähe Verteidigung Atlético mit immenser Nüchternheit ab. Teils ist er so abgezockt, dass man ihm sein zartes Alter von 23 Jahren kaum abnehmen kann.

Auch die Geschichte seiner bisherigen Karriere liest sich, als wäre er schon ein Jahrzehnt früher im slowenischen Städtchen Skofja Loka auf die Welt gekommen. Oblak, der bereits mit zwölf Jahren sein erstes Angebot erhielt, ist viel herumgekommen, ehe er bei Atlético seine (vorläufige) sportliche Heimat fand. Sein Debüt im Profibereich gab er mit 16 in der ersten slowenischen Liga, mit 17 ging er zu Benfica Lissabon, von wo aus er vor seiner Rückkehr 2013 an vier verschiedene Klubs verliehen, ohne groß aufzufallen. Richtig überzeugen konnte Oblak in Lissabon erst vor drei Jahren, dann aber ging alles ganz schnell.

Atlético bot 16 Millionen Euro, so viel, wie noch keine spanische Mannschaft zuvor für einen Torhüter auf den Tisch gelegt hatte, Oblak wechselte. Und heute: Wissen sie in Lissabon, dass sie einen Fehler gemacht haben, während in Madrid ein ganzes Stadion regelmäßig „Obi, Oblak, cada día te quiero más“ („jeden Tag liebe ich Dich mehr“) singen.

Dabei war das Erbe, das Oblak im Estadio Vicente Calderón antrat, eines, an dem andere junge Keeper womöglich zerbrochen wären. Er folgte auf David de Gea, der seinerzeit als Nationalmannschafts-Nachfolger der Legende Iker Casillas galt, dann aber zu Manchester United wechselte. Auf de Gea folgte der Belgier Thibaut Courtois, der teils noch besser war als de Gea, dann aber auch nach England ging. Es ist also kein Wunder, dass mancher Atlético-Fan beunruhigt ist, wenn er vom vehementen Dauer-Werben des FC Arsenal um Oblak liest. Allerdings: Zu Unrecht.

Denn in Madrid war man weitsichtig genug, dem Slowenen bei der Verlängerung in seinen Vertrag (bis 2021) eine festgeschrieben Ablösesumme zu integrieren. 100 Millionen Euro sind aufgerufen. Die ein oder andere Wahl müsste Oblak gewinnen, ehe diese Summe tatsächlich gezahlt wird.

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