Die Fans des FC Bayern leisteten sich vor 21 Jahren einen bösen Ausrutscher.
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Die Fans des FC Bayern leisteten sich vor 21 Jahren einen bösen Ausrutscher.

„Ihr könnt zu Aldi fahren“

21 Jahre nach „Aldi-Skandal“: Bayern- und Besiktas-Fans versöhnen sich - Kritik an UEFA

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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„Ihr könnt zu Aldi fahren.“ Mit diesem Schmähgesang sorgten die Fans des FC Bayern vor über 20 Jahren gegen Besiktas für einen Skandal. Die Wogen haben sich geglättet.

München - Was Plastiktüten eines Discounters auslösen können, musste Bayern München vor über 20 Jahren schmerzlich erfahren. Beim bislang einzigen Duell im Europacup gegen Besiktas Istanbul hatten die Münchner Anhänger für den sogenannten "Aldi-Skandal" gesorgt. Dieser hätte beinahe sogar eine diplomatische Krise ausgelöst.

Was war passiert? Am 17. September 1997 stand im Olympiastadion das Duell zwischen dem deutschen Fußball-Rekordmeister und Besiktas in der Gruppenphase der Champions League an. Die Bayern-Anhänger bereiteten den türkischen Gästen vor einem Millionen-Fernsehpublikum aber alles andere als einen herzlichen Empfang: Sie hielten Einkaufstüten von Aldi sowie ein Spruchband mit der Aufschrift "Aldi grüßt Kunden" in die Höhe. Zudem sangen einige Anhänger: "Ihr könnt zum Aldi fahren."

Die geschmacklose Aktion bestimmte danach tagelang die Schlagzeilen und sorgte für heftige Reaktionen. So titelte die türkische Tageszeitung Hürriyet: "Rassismus auf der Tribüne." Der kicker bezeichnete die Choreographie als "diskriminierend, dümmlich".

Rummenigge musste Abbitte leisten

Sogar die Politik schaltete sich ein. "Hier wurden zwei Millionen Türken vor der Weltöffentlichkeit beleidigt, denn diese Provokation zielte auf alle in Deutschland lebenden Türken", sagte Grünen-Politiker Cem Özdemir, damals wie heute Bundestagsabgeordneter, der Berliner Zeitung. "Ein kleiner Haufen von Verrückten", fügte er an, würde "eine ganze Tribüne, ja den gesamten Fußball ins schlechte Licht rücken".

Der FC Bayern sah sich schließlich gezwungen, sich mit großformatigen Anzeigen in türkischen Zeitungen zu entschuldigen. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge musste sogar persönlich beim türkischen Generalkonsul Abbitte leisten. Zudem gab es auch bei den Fans Gegenreaktionen: So hielten etwa Dortmunder Anhänger beim Gastspiel des BVB in München einige Wochen später Lidl-Tüten in die Höhe.

So sehen Sie FC Bayern - Besiktas live im TV und im Stream

Nun kommt es am Dienstag (20.45 Uhr bei uns im Live-Ticker) zum erneuten Duell gegen Besiktas - diesmal in der Allianz Arena. Vor dem Spiel kam es zu einer versöhnlichen Geste. Die Bayern-Fans entschuldigten sich bei ihren türkischen Gästen mit einem Essen in München. Rund 70 Fans beider Lager nahmen am Montagabend in München an dem Zusammentreffen teil. Die Kosten für die Bewirtung übernahmen größtenteils die Münchner Anhänger.

Besiktas-Fans dürfen nicht ins Stadion

Die Fanszene der Münchner hat sich seit 1997 stark verändert. Ihr Kern gilt als antirassistisch, die Ultra-Gruppe Schickeria bekam 2014 sogar den Julius-Hirsch-Preis des DFB für ihren Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

Zudem werden die türkischen Anhänger von Besiktas keinen Zutritt zum Stadion erhalten. Dafür ist ein großes Public-Viewing im MMAClub geplant. Nach Krawallen im Europa-League-Viertelfinale 2016/17 gegen Olympique Lyon spielt Besiktas Istanbul auf Bewährung und könnte bei neuerlichen Verstößen seiner Anhänger von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen werden.

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Um das zu verhindern, hat Vereinspräsident Fikret Orman das komplette Kartenkontingent für die Gästefans zurückgegeben und die Münchner gebeten, keine Besiktas-Fans in die Arena zu lassen - dies wiederum sehr zum Ärger der Bayern-Ultras, die dieses Vorgehen stark kritisieren.

Fanvereinigungen hoffen auf freundschaftlichen Umgang

Auch wenn keine Besiktas-Fans im Stadion sein dürfen, hoffen die Münchner Fanvereinigung „Club Nr. 12“ und ihr türkisches Pendant „Carsi Istanbul“ vor, während und nach dem Spiel auf einen „freundschaftlichen Umgang“, wie es in einer Pressemitteilung des Club Nr. 12 heißt. Beide Vereinigungen freuen sich demnach bereits auf das Rückspiel in Istanbul  am 14. März, wenn „alle Fans ihre Mannschaften uneingeschränkt unterstützen können“.

Gleichzeitig kritisiert der Club Nr. 12 die UEFA. Die in München weilenden Match-Delegierten seien zu dem Treffen beider Fanlager eingeladen gewesen, hätten die Veranstaltung aber „ignoriert“. „Aus unserer Sicht wurde damit eine Chance verpasst, ein Zeichen zu setzen, dass die UEFA Bemühungen von Fangemeinden wertschätzt, die sich im Sinne des Fairplays aktiv um eine Verbesserung im Umgang zwischen Fanlagern einzusetzen“, schreibt die Fanvereinigung.

sid/ses

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