Uli Hoeneß
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Mann mit Emotionen: Uli Hoeneß beim Basketball.

Acht Seiten Zeugnis mit Schulnote 1

Käßmann über Hoeneß: "Ein Mensch kann sich ändern"

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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München - Das Landgericht lobt Uli Hoeneß in höchsten Tönen und macht offiziell, dass er im Gefängnis erpresst, verleumdet und ausspioniert wurde. Wie geht es nun weiter?

Es ist irgendwie kurios, wenn ein 64-Jähriger auf ein Schreiben angewiesen ist, das in seinem Vokabular mitunter an alte Schulzeiten erinnert. Bei Uli Hoeneß war das im Herbst aber so; der Beschluss des Landgerichts Augsburg spielte eine zentrale Rolle bei der Frage, ob der Ex-Bayern-Boss im Frühjahr auf Halbstrafe gesetzt werde. Der „Focus“ zitiert nun aus dem acht Seiten zählenden Dokument. Es liest sich so ziemlich wie ein Schulzeugnis mit der Durschnittsnote 1.

Hoeneß sei ein vorbildlicher Häftling gewesen, zitiert das Nachrichtenmagazin aus dem Schreiben, in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech, wo er zunächst einsaß, habe er die ihm aufgetragene Arbeit in der Kleiderkammer „gewissenhaft und sorgfältig“ erledigt. Gegenüber Personal und Mithäftlingen sei er stets respektvoll aufgetreten, habe sich kameradschaftlich und hilfsbereit gezeigt. Nie habe er irgendwelche Allüren an den Tag gelegt oder angedeutet, dass er sich „für was Besseres“ hielte, heißt es weiter.

Neben seinem tadellosen Verhalten während der Haftstrafe spielte laut dem Landgericht auch eine Rolle, dass sich Hoeneß mit seiner missglückten Selbstanzeige selbst „ans Messer geliefert“ habe. Zudem floss sein soziales Engagement in die Bewertung ein, sein Umfeld, das einem Rückfall vorbeugt und die Tatsache, dass er die Steuerschulden in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro bereits unmittelbar nach Antritt seiner Gefängnisstrafe „eigeninitiativ“ beglichen habe. Die Summe stamme, so die Gerichtskammer laut „Focus“, aus „dem eigenen erworbenen Vermögen“ von Hoeneß.

Aus dem Beschluss geht allerdings auch hervor, dass die Haftstrafe für den ehemaligen Bayern-Präsidenten schwerer war als für viele andere. Wegen seiner exponierten Stellung in der Gesellschaft sei er verleumdet, erpresst und ausspioniert worden. In dem Beschluss ist von „totaler medialer Beobachtung“ die Rede, er habe sich nie vor „massiven Nachstellungen oder öffentlichen Bloßstellungen sicher sein können“. Ein Fall von Erpressung wurde bekannt, der Täter bereits verurteilt.

Hoeneß wird am 29. Februar auf Halbstrafe gesetzt. Für den 64-Jährigen sind damit die Tage hinter Gitter Geschichte. Er will zunächst Urlaub machen und dabei auch in sich hineinhören, ob es ihn noch einmal auf die Bühne FC Bayern zurückzieht. Im Verein wären sie froh, wenn es so käme. „Ich erwarte ihn und hoffe, dass er in irgendeiner Position zurückkommt“, sprach Franz Beckenbauer bei „Sky“ aus, was das Gros denkt. Er habe sich am Donnerstag auf der Geschäftsstelle an der Säbener Straße länger mit Hoeneß ausgetauscht und meinte, der Ex-Präsident werde gegen Juni sagen, wie es mit ihm weitergehen soll.

In einer „BamS“-Kolumne äußerte sich die evangelische Theologin Margot Käßmann im Übrigen positiv über eine Rückkehr des Steuersünders. „Dass unsere Justiz sich nicht in Abschreckung und Strafe verbeißt, sondern Menschen einen Neuanfang zutraut, ist gut“, schrieb sie. In unserem Rechtssystem stehe nicht der Gedanke der Strafe im Fokus, sondern die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. „Das Menschenbild dahinter hat seine Wurzeln in der christlichen Überzeugung: Ein Mensch kann sich ändern.“

Sie verwies in dem Zusammenhang auf die USA, wo der Gedanke von Rache und Abschreckung stilbildend sei. Mehr als zwei Millionen Häftlinge säßen dort ein, die Rückfallquote läge bei 67,5 Prozent: „Das heißt doch, dass drakonische Strafen die Menschen nicht ändern.“ awe

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