Einst war Valerien Ismael auch für den FC Bayern aktiv. Mittlerweile besitzt der Franzose Erfahrung als Trainer - nicht nur gute
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Einst war Valerien Ismael auch für den FC Bayern aktiv. Mittlerweile besitzt der Franzose Erfahrung als Trainer - nicht nur gute.

„Da ticken die Uhren anders“

Vor AEK Athen gegen FC Bayern: Ismael spricht über Griechenland-Intermezzo

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Am Dienstag trifft der FC Bayern in der Champions League auf AEK Athen. Der Münchner Ex-Profi Valerien Ismael spricht über die griechische Mentalität und sein kurzes Trainer-Gastspiel.

München - Das Fußballgeschäft in Griechenland ist bisweilen chaotisch – das weiß kaum jemand so gut wie Valerien Ismael. Der Ex-Profi des FC Bayern (2005 bis 2007) übernahm im Sommer 2018 den Trainerposten bei Apollon Smyrnis, schmiss jedoch bereits nach einem Spiel wieder hin. Wie es so weit kommen konnte und wie stark Bayerns Champions-League-Gegner AEK Athen (Anpfiff: Dienstag, 18.55 Uhr/so sehen Sie die Partie live) einzuschätzen ist, verrät der 43-Jährige im Interview.

Herr Ismael, Sie haben ein griechisches Abenteuer hinter sich: bei Apollon Smyrnis war nach dem ersten Spieltag Schluss. Was ist da genau passiert?

Valerien Ismael: In Griechenland ticken die Uhren einfach anders. Da wird dir in einem Verein viel erzählt, was am nächsten Tag schon wieder anders ist. Ich bin nicht blauäugig dorthin, ich wusste, ich muss offen sein für Strukturen, die ganz anders sind, als wir sie kennen. Für mich war wichtig, wieder mit einer Mannschaft arbeiten zu können. Ich hatte einen Zweijahresvertrag und sollte eine Mannschaft aufbauen. Aber da hatten die Verantwortlichen eine andere Vorstellung, und am Ende wollten sie Einfluss auf die Taktik, Aufstellung und Einwechslungen nehmen. Es war ab einem gewissen Punkt einfach unmöglich für mich, weiterzuarbeiten.

Man hört vieles über den griechischen Fußball, was man kaum glauben kann. Wie sieht die Realität aus?

Ismael: Im griechischen Fußball wissen sie nicht, was das Wort Ruhe bedeutet. Bei Apollon war es so: Nach den ersten beiden Wochen Saisonvorbereitung hatte der Präsident schon zwei Spieler rausgeworfen. Davon einen, der gerade erst verpflichtet worden war. Er sagte einfach, er will diese Spieler nicht mehr sehen. In der Woche drauf waren es noch mal drei, dann noch mal zwei, und eine Woche vor Saisonstart musste der Sportdirektor weg und noch ein Spieler. Wir hatten von einem 22-Mann-Kader nur noch 14 Spieler. Da denkt man schon: Was ist hier los?

Von 2005 bis 2007 schnürte Ismael die Fußballschuhe für den FC Bayern.

Valerien Ismael: „In Rückstand sollte Bayern da nicht geraten“

Es war krasser als erwartet?

Ismael: Ich habe 14 Jahre in Deutschland gearbeitet, schätze die Mentalität hier, habe sie verinnerlicht. In Griechenland habe ich nicht den gleichen Standard erwartet und hätte mich angepasst. Aber es war einfach zu viel.

Wie ist Bayerns CL-Gegner AEK Athen einzuschätzen?

Ismael: Das Level in der griechischen Liga ist nicht so hoch. Olympiakos Piräus, Paok Saloniki und AEK könnten in der Bundesliga mithalten. Alle anderen haben Niveau Zweite Liga. AEK hat sich in der Qualifikation gut präsentiert. Im Olympiastadion herrscht eine emotionale Atmosphäre, das Team kommt über den Kampfgeist und kann punktuell schon gefährlich werden. In Rückstand sollte Bayern da nicht geraten.

Zählen die Bayern noch zum Favoritenkreis der Champions League?

Ismael: In der momentanen Verfassung nicht. Aber Bayern hat viel Erfahrung. Man darf diesen Verein nie abschreiben.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ismael: Ich habe mein Englisch in Sprachkursen intensiviert, weil mir eine dritte Sprache wichtig war. Momentan tendiere ich mehr zu einem Trainer-Job im Ausland, aber ich bin für alles offen. Auch als Sportdirektor habe ich schon Erfahrungen gesammelt. Die Erfahrungen in Griechenland waren wertvoll, um zu sehen, wie es ist, in einer ganz anderen Kultur zu arbeiten. Ich bin seit über 25 Jahren im Profifußball und kenne keine Berührungsängste. Für ein interessantes Projekt werde ich mich immer öffnen.

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Interview: Andreas Werner

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