Abgehoben: Alaba (hier mit Robben) erzielte eine exakte Kopie seines Freistoßtreffers in Bremen im März 2015.
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Abgehoben: Alaba (hier mit Robben) erzielte eine exakte Kopie seines Freistoßtreffers in Bremen im März 2015.

Zu viele Selfies

Mal sportlich im Bilde

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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David Alaba hat ein Traumtor reproduziert. Dennoch steht er bei den Bossen des FC Bayern derzeit unter besonderer Beobachtung. Zuletzt litt seine Form - eventuell weil sich der Österreicher zu oft ablenken lässt.

Bremen – Die Videos sind verwunderlich, man könnte sie absolut parallel laufen lassen und würde nur klitzekleine Abweichungen feststellen. Als der Ball im Netz zappelt, jubelt zum Beispiel Sebastian Rode. Die Bayern tragen rot-blau gestreifte Dressen, und im Bremer Tor liegt anstelle des geschlagenen Felix Wiedwald der geschlagene Raphael Wolf. Ansonsten alles frappierend gleich, von der Minute über die Distanz bis zum Zwischenstand von 2:0. David Alaba hat am Samstag eine exakte Kopie seines Freistoßtreffers vom 14. März im Weserstadion fabriziert. Diesmal zirkelte er den Ball sogar noch einen Tick unhaltbarer ins Kreuzeck. Allerdings erschöpfen sich die Parallelen im reinen Momentum, denn die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Insgesamt hat sich Alaba seit 2015 einen Tick verschlechtert.

Ja, so hart muss man das sagen, obwohl die Fallhöhe des 24-Jährigen freilich enorm ist. Über Jahre wurde er als bester Linksverteidiger der Welt gehandelt, und jetzt spielt er ebenfalls sicherlich solide – aber eben nicht mehr so gut. Selbst in Bremen konnte man ihn nicht allein wegen seines Traumtores loben. Man musste ihn genauso tadeln, weil auch er beim 1:2 schlief.

Im März 2015 endete die Partie 4:0, diesmal wurde bis zum Abpfiff des 2:1 gezittert, und auch das macht deutlich, dass nicht nur Alaba 2016/17 hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Allerdings sackte seine Formkurve schon unter Pep Guardiola ab, intern haben die Bosse inzwischen längst den Fokus auf den Österreicher geschärft. Zu oft hat er sich im vergangenen Jahr in den Sozialen Medien außerhalb des Fußballs in Szene gesetzt, es werde Zeit, grummelt man an der Säbener Straße, dass er endlich auch mal wieder sportlich im Bilde ist und nicht nur bei „Selfies“ beim Shoppen in New York oder als Gast beim Skirennen in Kitzbühel letzte Woche.

Die Bayern-Führung liegt da sicher nicht falsch. Denn dass Alaba unter besonderer Beobachtung steht, ist keineswegs einem irrtümlichen Vertauschen von Ursache und Wirkung geschuldet. Auch in den vergangenen Jahren fuhr der Österreicher zum Rennen nach Kitzbühel, doch solange die Leistung passte, waren solche Trips immer geduldet. Gegrummelt wird, sobald das Verhältnis zwischen Kicken und Klicken nicht stimmt. Es wird Zeit, dass der David Alaba 2017 wieder der von 2015 wird. Die Videos von damals sind sein Maßstab. 

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