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Krise beendet, Hände zum Himmel (v. li.): Goretzka, Müller, Rafinha, Neuer, Thiago, Martinez, Hummels, Süle, Lewandowski, Kimmich F.: dpa/Pförtner

3:1 in Wolfsburg

Alles wieder rosarot - wenn man durch die Bayern-Brille schaut

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Der 3:1-Auswärtssieg des FC Bayern beim VfL Wolfsburg war am Wochenende die eine Sache. Das Echo auf die Wut-Pressekonferenz der Bayern-Bosse überragt jedoch alles andere.

München - Die Macht des Wortes ist nicht zu unterschätzen. Das wusste bereits Martin Luther King, als er am 28. August 1963 einer Viertelmillion Menschen in Washington „I have a dream“ entgegenrief. 55 Jahre später, im Pressestüberl des FC Bayern München, nahmen sich Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß ein Beispiel an den großen Rhetorikern dieser Welt und riefen: „We have a team!“ Der Tenor der legendären Rede des Tegernsee-Lippstadt-Duos (Hasan Salihamidzics Intervention sei als Wortmeldung geführt): Nicht immer draufhauen, einfach mal durch die rosarote Brille schauen! Eine Ermutigung, die wir von der tz uns gerne zu Herzen genommen haben. Die Brille war bei 9,95 Euro das Stück im FCB-Fanshop schnell besorgt, die rosaroten Nachrichten des würdevollen FCB-Wochenendes lesen Sie hier.

Lesen Sie dazu auch auch den Kommentar bei tz.de*: tz-Kommentar zum Wochenende: Der FC Bayern ist …

Punkt eins der Tagesordnung: Die Krise ist vorbei. Wobei: Es gab überhaupt keine! Nach vier sieglosen Partien in Folge hat Cheftrainer Niko Kovac die Länderspielpause trotz arg dezimierten Kaders genutzt, um seine Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurückzuführen. Trotz Unterzahl ist es dem FC Bayern im Hexenkessel der Volkswagen Arena gelungen, den VfL mit 3:1 (1:0) zu schlagen und in der Tabelle (vor den Sonntagspartien) wieder auf Platz drei zu klettern. Wobei erwähnt sei, dass der Vier-Punkte-Vorsprung des BVB in der aktuellen Form der Münchner zeitnah schmelzen dürfte. Fazit Kovac in den klubeigenen Medien: „Gratulation an die Mannschaft! Wir hatten viel Druck. Wir wollten, dass sich jeder 90 Minuten konzentriert, zerreißt und für den Klub einsteht. Das hat die Mannschaft außergewöhnlich gut gemacht. Der Sieg ist auch in der Höhe voll und ganz verdient.“ Noch Fragen?

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Weiter geht es mit der befreienden Wirkung, die Hoeneß’ und Rummenigges Plädoyer im Namen des Grundgesetzes (ja ja, Brazzo war auch da…) auf die Mannschaft hatte. Als ob die Redner einen inneren Krampf gelöst hätten, wie das sonst nur die Hände des heiligen Mulls können! Auf den Punkt brachte es Joshua Kimmich, der die interne Eintracht nach hämischen Artikeln über etwaige Dispute in der Kabine ebenfalls den roten Oberhäuptern zusprach. „Das war ein super Zeichen, dass der Verein sich so vor die Spieler stellt und sie schützt“, lobte der Nationalspieler bei Sky. „Man hat wieder mehr dieses Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Und weiter: „Klar merkt man, dass viele von außen gerne über den FC Bayern reden, wenn es nicht läuft. Für unser Gefühl war es ganz gut zu sagen, wir lassen da keinen ran und schützen uns gegenseitig.“

Und wie verhalten sich Gentlemen im Erfolgsfall? Richtig: Sie schweigen und genießen! Das taten Rummenigge und Hoeneß (ja doch, Salihamidzic war auch da, er saß auf der Bank) auf den Rängen des VW-Runds, als sie jeden Treffer des FC Bayern frenetisch bejubelten, um hernach im Bauch des Stadions einen wortlosen Abgang folgen zu lassen. Der Präsident widmete den Pressevertretern in der Interviewzone ein freundliches „Die Herren!“, Rummenigge dagegen wandte den Blick ab – kein Wunder, schließlich wandte er ihn dem Champions-League-Duell am Dienstag in Athen zu. „Ein Spiel, das wir auf keinen Fall verlieren dürfen“, erklärte Mats Hummels. Vielleicht ist ja auch ein Besuch der Akropolis drin. Schließlich steht das Bauwerk nicht nur für die Demokratie, sondern auch für die großen Redner der Antike.

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Frecher Seitenhieb: 1860-Stadionsprecher veräppelt nach Sieg den FC Bayern

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