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„Für mich der Prototyp eines modernen Trainers“: David Niedermeier, Chef der „Münchner Fußball Schule“, über Niko Kovac.

Kroate übernimmt die Roten im Sommer

Experte analysiert Kovac: Stark in Richtung Heynckes

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Niko Kovac hospitierte einst bei Pep Guardiola, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel - ist er bereit, beim FC Bayern nach Jupp Heynckes zu übernehmen? David Niedermeier, Chef der „Münchner Fußball Schule“, analysiert den künftigen Coach des Rekordmeisters, der am Samstag im Pokal-Finale seinen baldigen Arbeitgeber fordert 

München - Am Samstag trifft Niko Kovac auf den FC Bayern, den er ab dem 1. Juli trainieren wird. Kann der Kroate den Rekordmeister anleiten? Bisher coachte er die U 21 sowie die A-Elf seines Heimatlandes und Eintracht Frankfurt - Mannschaften, die für einen anderen Fußball als die Münchner stehen. David Niedermeier, Chef der „Münchner Fußball Schule“, analysiert den Trainer Niko Kovac.

Die Persönlichkeit

„Entgegen seiner Kritiker sehe ich in ihn den Prototypen eines modernen Trainers. Er war selber ein Sechser, stand im Zentrum des Spiels und hat sich immer Gedanken um den Offensivaufbau sowie die Kompaktheit der Defensive gemacht. Strategie ist auf der Position das Schlüsselwort. Ihm ist klar, dass ein Team auf allen Ebenen funktionieren muss. Er bringt durch seine aktive Karriere enorm viel mit. Ein Plus ist, dass er den FC Bayern gut kennt, er weiß, wie der Verein und die Bosse ticken – daran sind Louis van Gaal oder auch Carlo Ancelotti gescheitert. Nur die Erfahrung fehlt ihm noch, sonst sehe ich kein einziges negatives Element, das gegen ihn als Persönlichkeit spricht.“

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Die Philosophie

„Kovac hat zu Beginn seiner Trainer-Karriere bei Pep Guardiola, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hospitiert, womit er heute auf ein sehr, sehr breit gefächertes Portfolio aufbauen kann. Er ist wissbegierig. Die Ideen von Guardiola imponieren ihm, er wird sie kopieren. Bei Kroatien und Frankfurt stellt sich so eine Grundsatzfrage ,Ballbesitzfußball oder Umschaltspiel?’ ja gar nicht, weil das an der Qualität der Mannschaft liegt. Gute Fußballer wollen immer den Ball besitzen, er weiß, er ist beim FC Bayern jetzt gezwungen, offensiver zu spielen. Zentrumsspieler sind ihm wichtig. Ihm ist es wichtig, in der Mitte Kompaktheit herzustellen mit zwei defensiv denkenden Männern, die wissen, wie sie stehen müssen, wenn es etwa ins Gegenpressing geht. Eine Grundausrichtung mit zwei Sechsern lässt Konter schwer zu – Guardiola zollt da immer Tribut gegen die ganz starken Teams, weil er mutiger agiert und deshalb hinten offener ist. Kovac geht da stark in Richtung Heynckes. Weil er zu Beginn auch in Salzburg gearbeitet hat, ist ihm das Umschaltspiel zudem nicht fremd. Man sieht das, er legt Wert auf schnelle Kombinationen ab der Mittellinie.“

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Die Taktik

„Obwohl er bei Frankfurt oft in einem 3-1-4-2-System auflief, bevorzugt Kovac eigentlich wie Heynckes oder auch Joachim Löw ein 4-2-3-1 oder 4-1-4-1. So bist du stabil, und im Ernstfall geht das vor. In Frankfurt hat er oft während der Spiele eingegriffen, was dafür spricht, dass er als Trainer variabel und kein sturer Hund ist. Ich halte ihn für einen schlauen Kerl, der weiß, dass er die Taktik anhand seines Teams formen muss und sie ihm nicht überstülpen kann. In Frankfurt hat er sogar mehrere Systeme gespielt, nur hatte er dort nicht das Personal für rauschenden Offensivfußball zur Verfügung. Die Eintracht tat sich immer schwer, wenn sie selber das Spiel machen musste. Das ist ein Klassiker von schwächer besetzten Teams, dass sie eher destruktiv agieren und darauf aus sind, dass der Gegner den Spielaufbau übernimmt. Bei Bayern ist das so nicht möglich, das weiß Kovac natürlich. Genauso wird ihm auch klar sein, dass er in München keine defensive 5er-Kette aufbauen kann. Ich bin sicher, er geht Heynckes’ Weg mit einem 4-2-3-1 und einer Doppelsechs, die alles wegräumt. Tuchel war mit Mainz auch mit defensivem Stil erfolgreich - und dann kreierte er bei Dortmund Ballbesitzfußball. Gute Trainer passen sich an. Und Kovac hat nach dem Wechsel von Kroatiens Nationalelf zu Frankfurt schon einmal eine 180-Grad-Wende geschafft.“

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Die Menschenführung

„Als Spieler hatte er bei Bayern in Ottmar Hitzfeld einen der besten Lehrmeister. Die Rotation ist ihm nun vertraut. Bei Kroatien hat er mit so schwierigen Charakteren wie Luka Modric und Mario Mandzukic erfolgreich gearbeitet. Bei der WM 2014 verlor er den Auftakt gegen Brasilien wegen eines zweifelhaften Elfmeters von Neymar - dann schlug man im nächsten Spiel Kamerun 4:0. Ein Team wie Kroatien neigt dazu, sich zu zerfleischen, bei Kovac hieß es: Gegenhalten! Eher typisch Deutsch: Nicht aufgeben! Und er moderiert Krisen gut weg. In Frankfurt hat er im März 2016 gleich das erste Spiel 0:3 in Gladbach verloren, blieb aber ruhig. Er verkauft sich gut, gleichzeitig wirkt er, als habe er ein Messer in der Tasche. Die Spieler haben Respekt vor ihm. Da er selber Profi in Top-Teams wie Bayern war und bei Kroatien sogar als Kapitän auflief, ist er sensibel genug für die Charaktere in einer Mannschaft. Typen wie Kevin-Prince Boateng bekommen ihre Freiräume, wenn sie zurückzahlen. Kovac wird auch wissen, dass es ihm Thomas Müller dankt, wenn er ihn nicht auf der Außenbahn martert - und dass er weiß, dass Thomas Müller sowieso immer spielen muss.“

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