Zurück zuhause: Badstuber konnte seine Einwechslung (für Hummels) in der 81. Minute kaum erwarten.
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Zurück zuhause: Badstuber konnte seine Einwechslung (für Hummels) in der 81. Minute kaum erwarten.

Dauerpatient des FC Bayern

Badstubers Regieanweisung: Klappe, die letzte

  • Hanna Raif
    vonHanna Raif
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Der Dauerpatient des FC Bayern genießt sein Comeback, hat aber nun genug Gänsehaut gehabt. Die Rückkehr nach weiteren 259 Tagen Zwangspause soll ein Abschluss sein.

München – Dass im Fußball mit Zahlen gearbeitet wird, um gewisse Phänomene zu belegen, gehört dazu. Manch einen Spieler freuen statistische Werte, Thomas Müller zum Beispiel, für den seit dem 3:1 des FC Bayern gegen den FC Augsburg die erfreuliche Bilanz von 38 Torbeteiligungen in 38 Pokalspielen zu Buche steht. Andere ärgern sich über schlechte Zweikampfwerte und die Zahl gespielter Fehlpässe, die die Bayern kurzzeitig noch mal in Bedrängnis brachten. Und Holger Badstuber? Denkt längst in größeren Dimensionen.

Mit zweistelligen Zahlen beschäftigt sich der Verteidiger schon lange nicht mehr. Solche im dreistelligen Bereich, weit höher als 100, das sind welche, die für ihn relevant sind. Oder besser gesagt: Relevant sein müssen. Die Ziffer, die seine Einwechslung in der 81. Minute des Pokalerfolgs über den bayerischen Nachbarn begleitete, war die 259. Er wird sie im Kopf behalten, genauso wie er es auch mit der 629 und der 200 in den vergangenen Jahren getan hat. Aber während diese beiden Ziffern jeweils von einer neuen abgelöst wurden, ist die aktuelle eine, die bleiben soll. Eine erneute lange Verletzungspause wird es für Badstuber nicht geben. Nach weiteren 259 Tagen Zwangspause, verspricht er, ist nun endgültig: Schluss.

Badstuber: „Heute ist es das letzte Mal“

Er meint damit nicht ein mögliches Karriereende, sollte wieder etwas passieren. Sondern vielmehr seine Überzeugung, dass er durch ist mit großen Verletzungen. Und die Entschlossenheit, mit der Badstuber seine Worte in jede Kamera sprach und in unzählige Blöcke diktierte, war durchaus beeindruckend. Der 27-Jährige wurde nach seinem x-ten Comeback nicht müde zu sagen: „Heute ist das letzte Mal, dass ich zurückkomme. Das habe ich beschlossen.“

Schon sein Sprint aufs Feld, der von Sprechhören begleitete emotionale Höhepunkt eines sonst eher minder spannenden Abends, hatte den Willen des Dauerpatienten dokumentiert. „Ein unglaubliches Gefühl, Emotion pur“, sagte Badstuber über seine Rückkehr auf den Rasen. Trotzdem reicht es, wenn man diese Gänsehaut drei Mal erlebt hat. Nach zwei Kreuzbandrissen und 629 Tagen Pause; nach einem Muskelriss und 200 Tagen Pause; und nun, nach einem Knöchelbruch und 259 Tagen Pause. Badstuber wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder Teil dieser Bayern-Mannschaft zu sein, die ihn in der zurückliegenden schweren Zeit erneut bedingungslos unterstützt hat.

Rummenigge: „Froh, dass er wieder dabei ist“

„Wir sind froh, dass er wieder dabei ist. Er kämpft immer wie ein Verrückter“, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Und Kapitän Philipp Lahm drückte die Freude stellvertretend für die Mannschaft mit den Worten aus: „Jeder, der Fußball liebt, will, dass Holger jetzt einfach gesund und fit bleibt. Und ich spreche wirklich für alle, die mit Fußball etwas am Hut haben.“

Am liebsten will Badstuber das selber. Und es ist auch zu erwarten, dass er Fragen zu seiner Leidenszeit in den kommenden Wochen wieder abblocken wird. Einmal, nach dem erneuten Comeback, musste er nun darüber reden, wie es ihm seit dem Knöchelbruch im Februar ergangen ist. Ab jetzt aber will er als vollwertiges Teammitglied – und nicht mehr als Pechvogel – gesehen werden. „Das Ziel“, sagte er, „ist Langfristigkeit, um dann meine Leistung steigern zu können.“ Er wolle an „ein Limit kommen, wo ich lange nicht mehr war“. Oder, fügte er nach einer kurzen Denkpause an: „Wo ich noch nie war.“

Ein Rückschlag folgt auf den nächsten

Schon im Frühjahr war Badstuber auf einem guten Weg, zwischenzeitlich sogar der einzige Innenverteidiger im Kader des FC Bayern und EM-Kandidat. Im Training dann folgte der nächste Rückschlag, „Das A und O“, sagte er, „ist, dass ich jetzt endlich gesund bleibe.“ Das Gefühl stimme, „für mich, meinen Körper, die Situation“, und er sei nun „in einem Prozess, in dem noch einiges geht“. Das Vertrauen, das ihm Carlo Ancelotti nun gegeben hat, tue gut: „Aber ich muss es mir auch erarbeiten, indem ich mich gut einfüge.“ Für die Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages wäre das von Vorteil.

Badstuber hat schon seine neue Zahl im Kopf: Alles auf null. In großen Dimensionen hat er lange genug gedacht.

Das Spiel im Ticker zum Nachlesen.

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