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Rudolf Schels.

Interview mit FCB-Vize Schels

Aus der Bayern-Turner: "Zu viele Fehler gemacht"

München - Das Bundesliga-Aus der Turner beim FC Bayern sorgte für Aufruhr. Der Merkur sprach mit Rudolf Schels, dem 2. Vizepräsidenten des FC Bayern.

Herr Schels, die Turner des FC Bayern müssen ihre Abteilung schließen. Warum?

Leider müssen wir diesen Schritt gehen – und wir haben ihn uns reiflich überlegt. Es geht nicht darum, dass wir die Bundesligamannschaft zurückziehen wollen, sondern um viel mehr. Auch ich musste lernen, dass es beim FC Bayern in der Turnabteilung quasi keine Nachwuchsarbeit gibt. Die Turner starten als Mannschaft für den FC Bayern, treten aber im Einzel für ihre Heimatvereine an. Als mich Uli Hager, der die Abteilung 40 Jahre geleitet hat, informierte, dass er sich nach dieser Saison zurückziehen werde, haben wir es zum Anlass genommen, das Konzept zu überdenken. Es gab einige Präsidiumssitzungen, in denen es besprochen wurde. Am Ende waren sich alle einig – und auch Herr Hager hat das akzeptiert. Es ist allen bewusst, dass in den letzten Jahren dort zu viele Fehler gemacht wurden.

-Wolfgang Priegl, ein ehemaliger Turner, wollte sein Nachfolger werden. Er hatte sich Konzepte ausgedacht, wollte auch in die Jugendarbeit investieren.

Es wurde dort aber in den Jahren zuvor zu viel versäumt, das habe ich auch mit Herrn Priegl besprochen. Er war in der vergangenen Woche bei mir, gemeinsam mit Mannschaftskapitän Jakob Paulicks. Es war ein sehr angenehmes Gespräch mit den beiden. Aber auch ihnen war am Ende klar, dass die Turnabteilung keine Zukunft hat.

-Bundesliga-Turnen ist eine sehr kostspielige Angelegenheit. Pro Wettkampftag mussten alleine 6500 Euro für Geräte ausgegeben werden. Hätte man sich einen Gerätesatz angeschafft, wäre es sicher in den sechsstelligen Bereich gegangen.

Genau so ist es. Die Kosten stimmen mit dem Nutzen absolut nicht überein. Im Vergleich zu den anderen Abteilungen des e.V., denen, in denen es auch Nachwuchsarbeit gibt, die gemeinnützig sind, war das überproportional. Diesen Vergleich musste man irgendwann ziehen. Und es war jetzt, wo auch Herr Hager aufhört, der beste Zeitpunkt für dem Schritt.

-Der Schluss liegt natürlich nahe, dass zugunsten des Basketballs die anderen Abteilungen des e.V. kleiner gehalten werden müssen.

Wir sind uns bewusst und haben auch in den Gesprächen darüber debattiert, dass dieser Schritt in die Öffentlichkeit jetzt so wirken könnte. Der große FC Bayern hat kein Geld für die Turner mehr. Aber es ist mir ganz wichtig, das klarzustellen: So ist es nicht. Über die Turner wurde schon lange diskutiert, schon vor meiner Amtszeit, schon, bevor die Basketballer verstärkt gefördert wurden. Sie sind kein Exempel. In den anderen Abteilungen wird nichts in dieser Art passieren. Es ist mir eine Freude, zu sehen, wie im Breitensport- und Nachwuchsbereich gearbeitet wird. Diese Arbeit hat im Turnen komplett gefehlt.

-Das Geld, das von den Turnern nun übrig ist, fließt also nicht zwangsläufig in die Basketball-Abteilung?

Nein, ganz sicher nicht. Wir haben übrigens auch immer betont, dass sich die Basketballer selbst tragen sollten – und das tun sie zu unserer Freude. Ansonsten ist jeder Abteilungsleiter angehalten, Vorschläge zu machen, Budgetplanungen abzugeben. Dann werden wir entscheiden, wo Förderung am nötigsten ist.

-Die Basketballer sind derzeit noch komplett im e.V. organisiert, die Liga-Mannschaft aber im so genannten „wirtschaftlichen Geschäftsbereich“. Wann ist die komplette Ausgliederung der Profi-Mannschaft geplant?

Darüber wird aktuell diskutiert, weil es für uns als Verein auch extrem wichtig ist. Das Gemeinnützige eines Vereins – das, wofür er steht – darf nicht gefährdet werden. Und deshalb ist eine Ausgliederung in absehbarer Zeit angestrebt.

-Wie definieren Sie „absehbare Zeit“?

Ich würde sagen: In meiner Amtszeit.

-Ist es dann geplant, andere Abteilungen des e.V. mehr zu fördern? Spitzen-Handball in München wird etwa in einer Initiative auf Facebook angeregt.

Nein, das wird es bei uns nicht geben. Weil es auch gar nicht möglich ist, in keiner der Abteilungen. Nicht, weil wir finanziell eingeschränkt wären. Sondern, weil es auch organisatorisch gar nicht gestemmt werden kann. Es gibt nun einen großen Stab an Mitarbeitern, die ausschließlich für die Basketball-Mannschaft arbeiten. Dieses Projekt wird innerhalb des FC Bayern einmalig bleiben.

-Die Tischtennis-Spieler aber haben bereits öffentlich verkündet, grünes Licht für einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb von Ihnen erhalten zu haben.

Ich frage mich wirklich, woher diese Meldung – die ich übrigens auch gelesen habe – kommt. Ich kann mich noch erinnern, dass Uli Hoeneß mich an dem Tag, an dem die Information die Runde machte, angerufen hat, und fragte: „Was hast Du denn da versprochen?“ Ich habe geantwortet: „Nichts.“ Ich habe mich gleich an dem Tag beim Abteilungsleiter informiert. Ich möchte dazu auch gar nicht mehr viel sagen, außer: Es stimmt nicht. Wir werden die Tischtennis-Abteilung genauso finanziell unterstützen wie alle anderen Abteilungen. Aber nur, so weit es eben im gemeinnützigen Bereich möglich ist.

-In Ihrem Verantwortungsbereich ist und bleibt also Basketball die größte Sportart. Wäre es „Ihr“ Erfolg, wenn die Basketballer Meister werden?

Das kann man so sicher nicht sagen. Natürlich fühle ich mich in gewisser Weise verantwortlich dafür, dass es bei den Basketballern bestens läuft. Es wäre aber nicht mein Verdienst, ich achte nur auf das große Ganze. Aber ich würde mich schon auf das ein oder andere Meisterfoto mal dazustellen, wenn es denn so käme (lacht).

-Auch Uli Hoeneß ist oft im Audi Dome, dennoch sieht man ihn zunächst als den Mann, der im Fußballbereich für Organisation sorgt. Wie präsent ist er denn im e.V.?

Niemand ist präsenter als der Präsident. Abgesehen davon, dass wir gut befreundet sind: Uli ist ein imponierender Präsident. Wir telefonieren mindestens alle zwei Tage, er informiert sich über alles, was im e.V. stattfindet. Natürlich diskutieren wir auch manchmal kontrovers, das gehört dazu. Aber er diskutiert im e.V. mit genauso viel Herzblut wie in der AG.

-Auch, wenn es um Schach und Kegeln geht?

Bei den großen Sachen ist er immer informiert. Natürlich habe ich in den kleineren Abteilungen mehr Durchsicht. Er gibt auch ab – aber er will über die wichtigen Vorgänge in Kenntnis gesetzt werden. Auch bei den Turnern war er das.

-Was würde im e.V. fehlen, wenn Hoeneß nicht mehr als Präsident fungieren könnte?

Es würde mehr als ein Stück FC Bayern fehlen, es würden mehr als 30 Jahre Erfahrung bei diesem Verein fehlen. Auch ich musste den FC Bayern erst lernen. Ich bin kein Sportler, ich habe mich immer interessiert, aber war nie derart involviert. Uli Hoeneß gibt mir auf jede Frage, die ich stelle, eine Antwort. Egal, um was es geht, egal, wann ich ihn anrufe. Er kennt alle Vorgänge, er weiß alles. Uli Hoeneß hat mir hier im Verein geholfen wie kein anderer.

Interview: Hanna Schmalenbach

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