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Die neue Erlebniswelt des FC Bayern in der Allianz Arena.

Willkommen in Bayerns neuer Erlebniswelt

München - Meisterschalen, legendäre Trikots und alte Eintrittskarten: Rekordmeister FC Bayern München eröffnet an diesem Freitag in seiner Arena eine Ausstellung mit mehr als 400 Exponaten.

Uli Hoeneß war anfangs nicht begeistert von der Idee. Das gibt der Präsident ganz offen zu. Als im Verein der Entschluss reifte, dass auch der FC Bayern ein Museum bauen sollte, dachte Hoeneß an seine Besuche in den Ruhmeshallen von Manchester United, in Barcelona etc. Er glaubte, schon mal in Amsterdam gewesen zu sein, doch so ganz genau wusste er es nicht mehr, das sagt deutlich: Hat ihn nicht vom Hocker gerissen. „Ganz lustig, aber auch ein bisschen langweilig“ fand er es, an den Pokalvitrinen vorbeizuflanieren, „ich konnte mir das hier bei Bayern nicht vorstellen“. Heute denkt der Präsident anders.

Man trifft sie alle, die Größen des Klubs, von Franz Beckenbauer bis hin zu Philipp Lahm, wenn man das Museum des FC Bayern besucht, das heute eröffnet wird. Das heißt: Museum ist der falsche Begriff. Der Klub hat die rund 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in seiner Allianz Arena „Erlebniswelt“ getauft – eben weil Beckenbauer und Co. da nicht nur als Pappfiguren im Raum stehen, sondern ihre Geschichten interaktiv abgerufen werden können.

Vor einem detailliert nachgebauten Präsidentenzimmer gesteht der „Kaiser“ beispielsweise auf einem Monitor, es wären nicht alle Verhandlungen in dem Raum glücklich gelaufen. Als man etwa in den 90ern schon mit Ruud Gullit einig war und der Niederländer in letzter Sekunde absprang. Beckenbauer erzählt es in seinem typischen Jargon („Na gut, Ruud“) – der Besucher hat fast das Gefühl, dabei gewesen zu sein.

Welche Exponate von vielen besonderen haben besonderen Wert? Am besten fragt man da den Mann, der federführend war, als eine Gruppe von zehn Leuten eineinhalb Jahre Ausstellungsstücke zusammengesammelt hat. Tja, sie sind Hans-Peter Renner alle ans Herz gewachsen. Er runzelt also kurz die Stirn, dann beginnt er zu erzählen. Und es wird schnell klar. Der Mann könnte gar nicht mehr aufhören.

Eine herausragende Geschichte, findet er, ist die der vergrabenen Pokale: Die guten Stücke aus der Anfangszeit des Klubs können nur ausgestellt werden, weil sie 1942 vom damaligen Kapitän Konrad Heidkamp gerettet wurden. Hermann Göring hatte alle Vereine aufgerufen, sämtliche Trophäen zum Einschmelzen abzuliefern, doch Heidkamp tuckerte mit einem Holzvergaser-Auto zu einem abgeschiedenen Bauernhof im Bayerischen Wald, um die Pokale der Bayern dort im Stall zu verstecken. Als die Amerikaner 1945 ankamen, eilte ihnen der Ruf der Souvenirjäger voraus. Also wurden die Trophäen sicherheitshalber sogar noch vergraben.

Ein anderes erlesenes Exponat ist der Vereinswimpel von 1932. Der kam den Bayern bei den diversen Umzügen in all den Jahren abhanden. Vielleicht wurde er geklaut. Aber eines Tages tauchte er auf einem Flohmarkt in Riem wieder auf. Heute ziert er die Räume der „Erlebniswelt“. Das Trikot vom 1974er-Finale gegen Atletico Madrid von Beckenbauer mag Renner ebenfalls gern; die Madrilenen hatten es erst in ihrem Museum aufbewahrt, traten es aber jetzt an die Bayern ab.

Einblicke: Das ist die neue Bayern-Erlebniswelt

Einblicke: Das ist die neue Bayern-Erlebniswelt

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Karl-Heinz Rummenigge steuerte gestern seine Torjäger-Kanone von 1984 bei, er strich fast ehrfürchtig über die Auszeichnung, die damals noch aus Holz angefertigt wurde. Der Vorstandschef war eine treibende Kraft des Projekts, dessen Exponate „ja quasi in Detektivarbeit“, wie er lobte, zusammengetragen wurden. Manches springt ins Auge, doch es sind die Details, die eventuell noch mehr Gänsehautgefühle hervorrufen können. Etwa der handgeschriebene Zettel von Ottmar Hitzfeld vor dem Sieg in der Champions League 2001. Fein säuberlich ist seine Ansprache notiert, und Schlüsselworte sind doppelt unterstrichen. „Ihr werdet heute Geschichte schreiben“, hat er damals vorgelesen. Wie wahr.

Gleich beim Eingang wird illustriert, wie es zur Vereinsgründung kam. Nach einem Streit mit dem TSV 1860 arbeitete eine Splittergruppe im „Cafe Gisela“ eine Satzung aus. Die Brücke vom „Cafe Gisela“ zur „Allianz Arena“ ist denkbar groß. Und gespickt mit Anekdoten, die in der „Erlebniswelt“ lebendig werden. Hoeneß hat vor zwei Wochen einen ersten Rundgang gemacht. „Ich werde noch ein paar weitere Runden drehen müssen, um alles rauszufinden“, sagt der Präsident. Langweilig ist ihm offensichtlich nicht geworden.

Von Andreas Werner

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