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Kommentar: RB wird romantischer

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Von: Hanna Raif

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Plötzlich Erster: Leipzig wird spätestens seit dem vergangenen Woche auch von Bayern ernst genommen.
Plötzlich Erster: Leipzig wird spätestens seit dem vergangenen Woche auch von Bayern ernst genommen. © dpa

Der Vergleich zwischen Leicester City und RB Leipzig wird immer öfter gezogen. Er passt nicht ganz - aber die Tatsache, dass RB die Liga mal wieder spannend macht, dürfte dem umstrittenen Klub helfen, schneller Sympathien zu ernten. Ein Merkur-Kommentar.

Ob Jürgen Klopp schon geahnt hat, was passieren würde? Zumindest platzierte der ehemalige BVB-Trainer seinen Spruch in der vergangenen Woche so, dass er mit ein paar Tagen Abstand betrachtet eine noch bessere Pointe erhält. Denn die in Richtung des FC Bayern getätigte Aussage „Auf Platz eins große Probleme zu haben, finde ich immer noch die coolste Variante, die man so wählen kann“, hat sich am Wochenende ja vollkommen überholt. 1. hat der FC Bayern eine schmerzhafte Niederlage einstecken müssen, 2. hat er plötzlich mindestens zwei Widersacher, und 3. ist er zum ersten Mal seit 39 Spieltagen nicht Tabellenführer. Für den Rekordmeister heißt das also: Probleme wie schon lange nicht mehr.

Es klingt gemein, aber Philipp Lahm hat schon Recht, wenn er sagt: „Das haben sich doch alle immer gewünscht.“ Es stimmt, dass die Fußballrepublik seit dem Wochenende vielleicht mehr denn je in zwei Lager gespalten ist: In eine große Gruppe an Bayern-Fans und eine mindestens genauso große an solchen, die sich über die neue Spannung an der Tabellenspitze diebisch freuen. Die Liga lebt wieder, bis zur Winterpause ist oben alles drin. Jedes Spiel ist interessant, wichtig, kann Konsequenzen haben. Die Bayern, ein wieder erstarkter BVB – und ein Tabellenführer, den man nun auch in München endgültig ernst nimmt.

Das Leipziger Märchen ist nicht ganz so romantisch wie jenes, das sich im vergangenen Jahr in England abgespielt hat. Denn es handelt nicht von einem Traditionsverein, der auf herrlich sympathische Art plötzlich richtig gut kickt und Meister wird. Sondern von einem Klub, der mit unfassbar viel Geld unfassbar schnell konkurrenzfähig gemacht wurde. Zum Vergleich: Leicester City wurde 1884 gegründet, RB Leipzig 2009. Die Mechanismen der Branche aber nehmen auf solche Details keine Rücksicht. Wer einen Lauf hat, hat einen Lauf – und deshalb ist es auch angebracht, dass der Name Leicester die Leipziger Serie ab sofort begleiten wird.

Freilich traut man dem BVB eher als Leipzig zu, bis zum Schluss oben zu bleiben. Und trotzdem ertappen sich im Moment nicht wenige dabei, dass sie auch RB mal die Daumen drücken. Für den vermuteten Fremdkörper im Liga-Betrieb ist die derzeitige Situation deshalb nicht nur sportlich ein Traum-Szenario. Sie könnte auch dabei helfen, die Sympathiewerte in der ganzen Republik im Schnellverfahren etwas zu steigern. Probleme sehen anders aus.

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