Nullnummer: Lewandowski und die Bayern.
+
Nullnummer: Lewandowski und die Bayern.

Bayerns Nullnummer

Wartungsarbeiten am Polarexpress

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
    schließen

Der FC Bayern hakt das 0:0 gegen Hertha unbekümmert ab und vermeldet das Ende der Zwistigkeiten um Arjen Robben - Robert Lewandowski verpasst Rekord

München – Die Aufstellung des FC Bayern gegen Hertha BSC verriet am Samstag alles. Jupp Heynckes hatte die Parole „keine Gnade“ ausgegeben, der Coach wählte eine unverhohlen offensive Ausrichtung, in der Hoffnung, die Berliner gleich Demut zu lehren. Doch schon bald entpuppte sich die Partie zu einem Abnützungskampf, und am Ende gönnten sich die Münchner auf dem Weg zu ihrer Meisterschaft eine Nullnummer, die keinen ernsthaft aufregte. „Es fühlte sich relativ früh nach einem 0:0 an“, sagte Mats Hummels. „Das muss man dann auch einfach mal so hinnehmen.“

Am Dienstag war der FC Bayern beim 5:0 über Besiktas Istanbul vor allem ab der zweiten Hälfte Herr der Lage gewesen. Bei Eiseskälte bretterte er wie der Polarexpress in Richtung Viertelfinale der Champions League, doch am Samstag schien es so, als habe man mal kurz einen Stopp für Wartungsarbeiten eingelegt.

Es war nicht so, dass die Bayern miserabel spielten. Allerdings fehlte gegen klug verteidigende Gäste die letzte Konsequenz. Nicht einmal Robert Lewandowski gelang sein obligatorisches Tor, obwohl er elf Schüsse auf den Berliner Kasten abfeuerte. Der Stürmer hätte einen Rekord aufstellen können, hätte er auch im zwölften Heimspiel in Serie getroffen. „Ich hätte es ihm gegönnt“, sagte Heynckes, obwohl im Erfolgsfall seine Marke aus den 70ern gestrichen worden wäre. Aber es sollte nicht sein.

Man muss lange in den Chroniken blättern, um das letzte 0:0 des FC Bayern vor heimischen Publikum zu finden. Am 14. April 2012 gegen den FSV Mainz waren die Begleitumstände weitaus heikler. Mit der Nullnummer gaben die Münchner damals die allerletzten Minimalchancen aus der Hand, Borussia Dortmund noch an der Meisterschaft zu hindern. Diesmal ist die Lage denkbar entspannter. Statt großem Wehklagen rückten gute Nachrichten in den Fokus; die Münchner vermeldeten am Rande des Spiels das Ende jüngster Zwistigkeiten, die obendrein sowieso kein Martinshorn auf den Plan gerufen hatten.

Arjen Robben war wieder beschwichtigt, nachdem er am Dienstag seine Reservistenrolle noch auffallend missmutig beanstandet hatte. Seine Aussagen seien ein bisschen zu sehr ausgeschlachtet worden, fand der Niederländer, gab aber auch zu, dass er zwei Tage später mit der Erkenntnis aufgewacht sei, dass er den einen Satz „nicht hätte sagen müssen“. Gemeint war, dass er seine Emotionen nicht in Worte fassen wollte, „weil ich sonst am nächsten Tag bei Brazzo oder Rummenigge im Büro stehe – jedes Wort ist eines zu viel“. Im Team habe es deshalb keine Aufregung gegeben, so Robben, „ich störe die Mannschaft ja nicht. Es wäre nur schlecht, wenn es gegen die Mannschaft ginge. Aber als Spieler darf, muss man sauer sein.“ Das lässt sogar das Protokoll des FC Bayern zu, bestätigte später noch einmal Hasan Salihamidzic. „Arjen hat nur gesagt, dass er lieben spielen würde. Das ist in Ordnung, ich verstehe ihn“, so der Sportdirektor.

In der Mannschaft sei Robbens Verstimmung „nur ein ganz kleines Thema“ gewesen, erzählte Hummels, generell sei die Rotation kein Zankapfel, im Gegenteil. Gerade jetzt, wo im Grunde alle Feldspieler fit sind, müsste das Ego Geltungspause haben. „Wir wissen ja, dass der Trainer keinen aus Boshaftigkeit rausnimmt“, sagte der Innenverteidiger: „Alle verstehen das, wir kriegen es hin.“

Und so wurde eben auch dieses 0:0 unaufgeregt abgehakt. Thiago nutzte die Partie, um sich weiter an die erste Elf heranzutasten, die Bayern sind gerüstet für die nächsten Aufgaben. „Wir haben zu wenig getan“, sagte Niklas Süle, „aber Dienstag hat Körner gekostet.“ Der Polarexpress wird wohl dennoch bald wieder Fahrt aufnehmen.

Auch interessant

Kommentare