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Gejubelt wird in jeder Lage, auch in der Horizontalen: Louis van Gaal – gestrauchelt, aber glücklich – erwartet den Ansturm von Arjen Robben.

Bayern-Sieg bei Werder: Am Boden – und doch obenauf

Bremen - Auch der Sonntag, an dem sie selbst die Beine hochlegen konnten, ist für die Bayern spannend geworden: Was macht Leverkusen? Spielte nicht mit, gewann 3:0 in Hoffenheim und blieb an der Tabellenspitze. Doch die Münchner untermauerten mit dem 3:2-Streich in Bremen ihren Verfolgungsanspruch.

Der Samstag war der Tag der Bayern, sie beherrschten ihn mit ihrer Präsenz, sie lieferten die Personen, die Bilder. Mario Gomez saß auf der „Wetten dass“-Couch, top gestylt und frauentraummäßig, man hätte ihn für den Lover von Heidi Klum, Simone Thomalla oder Hillary Swank halten können, die wechselnd neben ihm Platz nahmen. Und nachdem Gottschalk (FC Bayern-Mitglied!) und Gomez kräftig überzogen hatten, kam noch das von Mark van Bommel moderierte, pardon besuchte ZDF-Sportstudio.

Van Gaals Jubel-K.O. und mehr: Bilder und Einzelkritik zum Bayern-Sieg in Bremen

Van Gaals Jubel-K.O. und mehr: Bilder und Einzelkritik zum Bayern-Sieg in Bremen

Die Nachrichtenlage des Tages hatte der FC Bayern schon vor Beginn des abendlichen Fernsehprogramms bestimmt, mit dem 3:2-Sieg in Bremen und jenem gruppendynamischen Bild, das nun das von Dortmund aus dem vergangenen Herbst ablösen wird. Damals: Franck Ribery flog in die ausgebreiteten Arme seines Trainers Louis van Gaal. Diesmal: Arjen Robben, gerade mit einem Torerfolg gesegnet (Freistoß wie Ribery beim 5:1 in Dortmund), strebt in Turbo-Tempo auf den Coach zu, der huscht mit Lachgesicht zur Seite, rutscht weg (Bastian Schweinsteiger: „Falsche Schuhe – oder wir dachten schon: War da ein Foul?“), kommt vor der Bank auf dem Rücken zu liegen und wird von seinen Spielern geherzt, als wäre er ihr allerknuddeligster Kumpel und nicht ihr autoritärer Vorgesetzter. „Ob Franck oder Arjen – man sieht: Die Spieler suchen ihren Trainer heim“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger ergriffen. Die Spieler johlten vor Vergnügen, als sie die Jubelszene in der Kabine am TV-Gerät sahen. Van Gaal sagte trotz erlittener Fingerverletzung: „Ich bin ein glücklicher Trainer.“

Es passt gerade so ziemlich alles beim FC Bayern. Die Historie belegt, dass ein Drei-Punkte-Gewinn in Bremen nicht die Norm ist. Der 3:2-Sieg anno 2010 war „hochverdient“, wie Louis van Gaal zurecht fand, gleichwohl mussten die Münchner durch kritische Phasen gehen. Sie erlebten einen 0:1-Rückstand durch Aaron Hunts Knaller in den Torwinkel (10. Minute) und den 2:2-Ausgleich durch Hugo Almeida zur unpassenden Zeit (75.). Überdies hatten die Bayern das Handicap zu tragen, mit zwei kranken Spielern angetreten zu sein: Torwart Hans-Jörg Butt kapitulierte in der Halbzeitpause vor seinem Magen-Darm-Infekt, während Abwehranker Daniel van Buyten (im Kurzarmtrikot!) durchhielt.

Für Butt kam Michael Rensing zum ersten Bundesligaeinsatz seit 16 Spieltagen, der Ex-Nummer-eins-Mann strahlte: Keine Unsicherheit, hatte er gezeigt, sogar eine wichtige Parade geboten. „Es war gar nicht so schwierig, es musste alles schnell-schnell gehen, weil Jörg nicht weitermachen konnte.“ Mit Franck Ribery kehrte ein weiterer lange nicht mehr gesehener Spieler zurück. „Wir sind sehr froh, seine ersten 20 Minuten erlebt zu haben“, meinte van Gaal, „es ist immer gut, einen so guten Spieler zur Verfügung zu haben“.

Der französische Star selbst, vom Werder-Anhang leicht veräppelt („Auswechselspieler, du bist nur Auswechselspieler“), war zufrieden, „überhaupt wieder dabei gewesen zu sein. Ich muss jetzt spielen, um meinen Rhythmus zu finden.“

Mit Ribery bekommt die Bayern-Offensive eine weitere Option – dabei ist der Angriffswirbel derzeit nur noch in Sachen Chancenverwertung zu verbessern. „Es gab noch kein Spiel, in dem wir den Bayern so viele Möglichkeiten gestattet haben“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf – seine Abwehr wurde phasenweise im Minutentakt überrannt, übertölpelt. „Wir können froh sein, nur 2:3 verloren zu haben“, konstatierte Nationalverteidiger Per Mertesacker – und das nach einem Spiel, in dem sein Team erst zwölf Minuten vor Schluss das 2:3 (durch Robbens Freistoß) eingefangen hatte und sogar selbst noch ein Tor machte (durch Marin – wurde wegen Abseits aber nicht gegeben).

Arjen Robben, am Samstag 26 geworden, fand: „Realistisch gesehen: Wir hätten zehn Tore schießen können.“ Er selbst war der Torschütze des Tages, aber ebenso der Chancen-Vergeuder: „Ich hätte heute Kießling überholen können.“ Das hat er verpasst – der Leverkusener und Leverkusen bleiben vorne. Als Ziele für Bayern.

Günter Klein 

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