Glitzernde Aussichten: Die Bayern (hier Goretzka und Hummels) bei der Weihnachtsfeier nach dem Abpfiff.
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Glitzernde Aussichten: Die Bayern (hier Goretzka und Hummels) bei der Weihnachtsfeier nach dem Abpfiff.

Bayerns Transferpläne

Im Reich der Scheinriesen - wie die Bayern die Zukunft planen

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Der FC Bayern wird mit Lucas Hernandez und Timo Werner in Verbindung gebracht - die Zeit der üppigen Transfers steht bevor

München – Die süße Prämie nahte mit schnellen Schritten. Eine hübsche Dame des Catering-Personals der Allianz Arena balancierte bereits kurz nachdem die Profis des FC Bayern in der Kabine angekommen waren, ein Tablett durch die Katakomben. Pralinen und Plätzchen – eine Belohnung für das 1:0 gegen RB Leipzig, die sich Franck Ribery und Kollegen verdient hatten. Man ist spendabel beim FC Bayern auf dem Endspurt vor Weihnachten, und nicht nur die eigenen Spieler werden verwöhnt. Auch für Externe liegen Lockmittel parat.

Auf dem internationalen Transfermarkt werden Süßigkeiten nicht ausreichen, auch nicht tablettweise in himmlischen Ausmaßen. Nach dem Abpfiff am Mittwoch erschienen die Stars der Bayern ganz klein auf dem Rasen, während Laser zur Weihnachtsmusik zuckten und ein paar Riesenfiguren in glitzernden Silhouetten einen Riesenglitzerfußball herumkickten. Es sah interessant aus, doch irgendwo dürfte sich der eine oder andere bei dem Spektakel auch gefragt haben, wo künftig der Platz der Bayern sein wird in einer Fußballwelt, in der sogar Scheinriesen effektvoll glitzern.

Um im Reich der Großen bleiben zu können, streben die Münchner hochpreisige Transfers an. Der Name Lucas Hernandez geistert seit Mittwoch durch die Stadt, dazu brachte sich Timo Werner ins Gespräch. Sowohl beim französischen Weltmeister von Atletico Madrid als auch bei Leipzigs Nationalstürmer gab es von den Bayern keine echten Dementis. Beide Personalien scheinen Bestandteile der Zukunftspläne zu sein.

Man sei bei Hernandez „in der Überlegungsphase“, sagte Karl-Heinz Rummenigge zum 22-jährigen Wahl-Spanier. Bestätigen könne man „erst, wenn etwas fix ist – das ist es noch nicht“, so der Clubchef, und man muss die Mechanismen der Branche nicht bereits seit vielen Jahren studieren, um zu erkennen, dass da also zumindest schon Gespräche laufen. Rummenigge referierte einige Momente über das freundschaftliche Verhältnis zu Atletico, Stil- und Etikettfragen, um dann aber auch ganz nüchtern auf eine Ausstiegsklausel zu verweisen, die „in dem Fall sicher ein Vorteil“ sei, weil auf diese Art kein Feilschen um Unsummen aufkomme. Hernandez würde zwischen 80 und 85 Millionen Euro kosten. Das ist, so befremdlich es vielen erscheint, heute keine Unsumme mehr. Ob der FC Bayern so viel Geld für einen Spieler in die Hand nehmen würde, wurde Hasan Salihamidzic gefragt. „Wenn ein guter Spieler da ist, der uns gefällt, werden wir einiges anstellen“, antwortete der Sportchef. „Hasan ist tatkräftig unterwegs, er ist on fire“, sagte Rummenigge. Auch im Winter sind Transfers inzwischen durchaus denkbar.

Wie Salihamidzic läuft seit Mittwoch die Gerüchteküche heiß. Timo Werner war in der Nachbetrachtung der Partie wesentlich aggressiver als in den 90 Minuten zuvor. Über die Winterpause wolle er sich klar werden, ob er in Leipzig bleiben will, sagte er – und befeuerte die Spekulationen dann selbst gehörig, indem er sagte, dass es in Deutschland eigentlich „nur einen Verein gibt, zu dem man wechseln kann“. Höchstens Fußballromantikern schießt da Dortmund durch den Kopf, Tabellenführung und Herbstmeisterschaft hin oder her. Rummenigge grinste süffisant, als er auf Werners Einschätzung der Fußballlandschaft angesprochen wurde. „Ich kann nicht dementieren, dass er Recht hat“, sagte er. Und unterließ es auch in dem Fall, Interesse an dem 22-Jährigen zu verneinen. „Es ehrt uns, dass jeder Spieler zu Bayern will“, sagte Salihamidzic, ehe er sich verrannte, als er auf lange Vertragslaufzeiten bei Werner verwies. Der Kontrakt läuft schon 2020 aus. Leipzig kann bloß noch nach dieser Saison Kasse machen.

Man muss kein großer Prophet sein, um zu wissen, dass Hernandez und Werner die Schlagzeilen der Winterpause bestimmen werden. Ob es klug ist, einen Linksverteidiger für so viel Geld zu holen, selbst wenn er Innenverteidiger auch kann, ist ebenso die Frage, ob der auf Konter ausgerichtete Werner zu Bayern passt. Wobei der Bedarf an schnellen Offensivkräften weiter akut ist: Serge Gnabry fällt mit einem Faserriss erneut aus, bei Kingsley Coman hoffen die Bayern, dass er bis Samstag zum Frankfurt-Duell fit wird. Bei einer Personalie schoben die Münchner unterdessen einen Riegel vor. Mats Hummels werde im Winter nicht gehen, sagten Rummenigge und Salihamidzic. Man habe ein gutes Gespräch gehabt, die Standpunkte ausgetauscht und sei „auf einen Nenner gekommen“, erzählte der Sportdirektor. Der frühere Abwehrchef, seit einiger Zeit nur im Stand-By-Modus, verließ die Arena wortlos. Er hat erlebt, wie schnell man im Reich der Scheinriesen schrumpfen kann.

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