„Es fühlt sich einfach nur gut an“: Müller über das Gefühl, immer als Sieger vom Platz zu gehen.
+
„Es fühlt sich einfach nur gut an“: Müller über das Gefühl, immer als Sieger vom Platz zu gehen.

Erfolgreiche Reise nach Wolfsburg

Bayerns Motto: Ende gut, alles gut

  • vonHanna Raif
    schließen

Egal wie, egal wo, egal wann: Die Bayern machen ihr Dinge - und beweisen in Wolfsburg, dass sie bereit für die heiße Saisonphase sind, die am Dienstag gegen Besiktas beginnt.

Wolfsburg – Ein echtes Happy End gab es für den Tross des FC Bayern erst kurz vor Mitternacht. Die Reise nach Wolfsburg nämlich war nicht nur auf dem Platz beschwerlich gewesen, sondern auch im Nachgang an dieses 2:1 beim VfL. Zahlreiche Flüge nach München waren an diesem Samstagabend bereits annulliert worden, der Schneefall in der Landeshauptstadt hatte für Chaos gesorgt. Und die Bayern konnten aus Braunschweig nicht weg, weil ihre Maschine gar nicht erst da war. Also: Mit dem Bus nach Hannover, Zeit totschlagen, um dann letztlich doch noch abzuheben. Daheim im Bett waren alle erst, als schon lange Sonntag war.

Dass sie aber überhaupt noch ankamen, während zahlreiche andere Reisende gestrandet waren, spricht einmal mehr für diesen Verein, bei dem aktuell augenscheinlich alles möglich ist. Hurra-Fußball wie Arbeitssiege, rausgespielte Treffer wie Standard-Tore, verschossene wie verwandelte Elfmeter – ganz egal: Am Ende, so ist es seit Wochen, jubeln immer die Roten. „Wenn man dann in die Gesichter der Gegenspieler schaut und die sich wieder fragen, warum hat es ganz knapp nicht geklappt gegen die Bayern, dann ist das irgendwo ein bisschen unfair“, sagte Thomas Müller unter dem frischen Eindruck des Last-Minute-Erfolgs in Wolfsburg. Sein Nachsatz war begleitet von einem spitzbübischen Grinsen: „Aber für uns fühlt es sich einfach nur gut an.“

Müller wurde – obwohl die Tore den Stürmern Sandro Wagner (64.) und Robert Lewandowski per Strafstoß (90. + 1) gelungen waren – von Jupp Heynckes als „Schlüssel zum Sieg“ bezeichnet. Die behäbige erste Halbzeit – ohne Ideen, ohne Spielfluss, ohne Torchance – war sicherlich ein Resultat von acht Wechseln, die der Coach mit Blick auf das schon morgen Abend anstehende Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Besiktas Istanbul vorgenommen hatte. Aber auch daraus, dass man laut Arjen Robben „mit viel zu vielen Spielern hinter dem Ball“ agierte.

Wagner war vorne allein auf weiter Flur, eine Unachtsamkeit (der kleine Torschütze Daniel Didavi gewann das Kopfball-Duell gegen den noch kleineren Juan Bernat) führte zum frühen Rückstand. Von draußen beobachtete die unter anderem mit Müller, Lewandowski, Jerome Boateng, Mats Hummels und David Alaba besetzte Bank mit einem Marktwert von 278,1 Millionen Euro, dass sehr, sehr wenig ging. Bis Müller kam und das Spiel in Bewegung brachte.

Eine „Verständnissache“ sei der Auftritt bis dahin gewesen, sagte der 28-Jährige. Im Kopf aber wird ja ohnehin nicht bleiben, dass sich weder Rafinha und Bernat noch Sebastian Rudy oder Corentin Tolisso nachhaltig aufdrängen konnten. Auch die Tätlichkeit – oder nicht? – von dem mit Gelb verwarnten Franck Ribery war kein großes Thema mehr. Sondern ausschließlich „dieser Wille, Spiele gewinnen zu wollen, obwohl es vermeintlich vorne nicht mehr spannend wird“. Müllers abschließendes Fazit: „Die Mannschaft ist einfach geil.“ Für Besiktas sei man „absolut bereit“.

Es ist nur logisch, dass die Mannschaft, die morgen in der Allianz Arena die heiße Phase der Saison einläutet, wieder anders aussehen wird. James und der leicht grippal angeschlagene Kingsley Coman (Hasan Salihamidzic: „Wissen nicht, ob es klappt“) waren gar nicht mit in Wolfsburg, und Thiago braucht nach seinem 62-Minuten-Comeback laut Heynckes noch „viel Spielpraxis“. Die restlichen Spieler aus der ersten Elf sind nun aber gut ausgeruht, die dahinter gesättigt.

Heynckes geht das Risiko der Rotation bewusst ein, er sagte: „Es war einkalkuliert, dass es holprig werden würde.“ In einem (bis auf Manuel Neuer) komplett gesunden Kader sei es wichtig, „dass jeder Einsatzzeiten bekommt, dass sie alle das Gefühl haben: Ich gehöre dazu, ich gewinne mit, ich werde auch Deutscher Meister.“ Dafür, dass er „noch kein Wort“ zu Besiktas verlieren wollte, blickte der 72-Jährige nach der Partie unbewusst schon relativ weit voraus.

Der Titel ist nur noch Formsache – und erstmals zog Heynckes Parallelen zum Triple-Jahr 2013. „Da hatten wir auch 25 Punkte Vorsprung und haben niemals nachgelassen.“ Das Resultat damals ist bekannt: Ende gut, alles gut.

Auch interessant

Kommentare