„Bis zur letzten Patrone“

München - FC-Bayern-Chef Rummenigge gibt sich kämpferisch, schließt Transfers nicht aus und äußert sich zu Schweinsteiger. Hat jemand ein Rezept, das dem FC Bayern in seiner derzeitigen Situation hilft?

Rezepte sind die Sache der Köche – und im kulinarischen Bereich ist Münchens erster Klub bestens aufgestellt. Alfons Schuhbeck trug gestern bei der Abreise das offizielle Vereinssakko, mit Emblem auf dem Herzen, er betreut mit seinen „Warm-kalt-Büffets, Fisch-Fleisch-Geflügel“ die Spieler auch während des Champions League-Aufenthalts in Rom, wo heute Abend (20.45 Uhr/Sky live) gespielt wird, und er erläutert sein Rezept: „Dreimal nacheinander gewinnen – dann sieht’s schon wieder anders aus.“

Das bezieht sich auf die Bundesliga, wo die Bayern Achter sind und 14 Punkte hinter Spitzenreiter Borussia Dortmund liegen – die Champions League, in der man die Achtelfinal-Qualifikation dank der bisherigen Top-Bilanz von vier Siegen aus vier Spielen sicher hat, ist derzeit nur ein Nebenwettbewerb. Doch auch da wird zumindest hingeschaut: Ob es der Mannschaft gelingt, die Fehler in der Defensive abzustellen. Deretwegen sind nach der internen Rechnung zuletzt vier Punkte verloren worden: zwei beim 3:3 in Mönchengladbach, zwei beim 1:1 in Leverkusen. „In beiden Spielen“, reklamiert der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, „haben wir teilweise hervorragend gespielt, aber uns selbst um die Früchte der Arbeit gebracht“.

Deshalb eine klare Ansage: Es ist nicht mehr ausgeschlossen, dass der im Sommer auf dem Transfermarkt enthaltsame FC Bayern im Winter seine Abstinenz aufgibt und nachrüstet. „Ja, daran denken wir, wenn die Fehler nicht abgestellt werden“, sagt Rummenigge und beschränkt die Gültigkeit seiner Worte nicht nur auf die bekannte Problemposition des linken Außenverteidigers, sondern schließt auch die Abwehrzentrale mit ein.

Dazu passt die verstärkte internationale Reisetätigkeit von Sportdirektor Christian Nerlinger. Neulich war er in England und begutachtete beim FC Chelsea den Portugiesen Jose Bosingwa. Zudem räumt er einen Aufenthalt am Sonntag in Italien ein. Dass er gezielt Kandidaten für einen baldigen Transfer sichtete, will er „nicht ausschließen, aber ich kann es auch nicht seriös bestätigen. Die Namen, die kursieren, will ich nicht kommentieren.“ Die Namen lauten: Domenico Criscito (FC Genua), Mauricio Isla (ein Chilene von Udine). Mit Benoit Tremoulinas (Bordeaux) ist auch ein Franzose im Gespräch.

Klare Vorstellungen hat der FC Bayern, was die Zukunft von Bastian Schweinsteiger angeht. „Es ist gesichert, dass er noch eineinhalb Jahre bei uns spielt“, stellt Rummenigge klar. Die Situation ist die, dass Schweinsteigers Vertrag zum 30. Juni 2012 ausläuft und er dann ablösefrei wechseln könnte. In einer solchen Konstellation ist es nicht unüblich, dass ein guter Spieler ein Jahr vor Vertragsablauf zu Geld gemacht wird. Trainer Louis van Gaal war da vielleicht etwas zu vereinsfürsorglich, als er sagte, „dass man 30 Millionen nicht ins Wasser kippen muss“.

Natürlich würde auch er (Vertrag ebenfalls bis 30. Juni 2012) lieber mit Schweinsteiger, einem seiner Musterschüler, arbeiten, doch bei seinen bisherigen Vereinen (vor allem in der Talentschmiede Ajax Amsterdam) war es so, dass van Gaals Ausbildungsarbeit Geld in die Kassen gespült hat. Allerdings müssen die Bayern ihrem Trainer klarmachen, dass sie darauf nicht den primären Wert legen. Rummenigge: „Wenn wir mit Bastian Schweinsteiger verlängern können, sind wir glücklich; wenn nicht, wird er trotzdem noch ein Jahr bleiben müssen, weil er einer unserer wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Spieler ist“. Van Gaal akzeptiert das gerne: „Das ist gut, ausgezeichnet. Der FC Bayern muss ein deutsches Gesicht haben.“

Günter Klein

Rubriklistenbild: © dpa

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