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Christian Streich ist ein ungewöhnlicher Bundesliga-Trainer

"Streich der Woche" gegen Bayern?

So tickt Trainer-Kauz Christian Streich

Freiburg - Christian Streich wird sich über das Kompliment des FC-Bayern-Trainers Jupp Heynckes gefreut haben und dann trotzdem bleiben, wie er ist. So tickt der Kult-Trainer:

Das Lob kam aus berufenem Munde. „Der beste Mann in Freiburg sitzt auf der Bank“, sagte FC-Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Christian Streich dürfte sich still und leise gefreut haben über die Einschätzung von höchster Stelle. Aber wer den Trainer des SC Freiburg kennt, der weiß, dass der 47-Jährige seine Bodenhaftung auch nach dem Ritterschlag durch Heynckes nicht verlieren wird.

Christian Streich wird weitermachen wie bisher. Der Metzgersohn mit dem ganz eigenen Humor ist einer, der sich treu bleibt im Glamourzirkus Bundesliga, in dem er als Exot gilt. Nicht nur, weil er zum Training gerne mit dem Fahrrad kommt und wie der nette Mann von nebenan wirkt.

Was allerdings nicht heißt, dass Streich - trotz aller Bescheidenheit - mit den zuletzt starken Freiburgern keine Ziele verfolgt. „Wir fühlen uns in der Rolle des Kleinen wohl. Aber wir wollen nicht immer klein bleiben, sondern auch mal größer werden“, sagte der gelernte Industriekaufmann vor dem Duell gegen Tabellenführer Bayern München am Mittwochabend.

Streich macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Entwicklung seines Teams mit zuletzt 14 Punkten aus sieben Spielen auch persönlich gut tut. „Ich bin unheimlich froh, dass wir nicht mit dem Rücken zur Wand stehen. Die Lebensqualität ist besser, man schläft ruhiger“, verriet der frühere Bundesligaprofi des FC Homburg, der seit 29. Dezember 2011 Cheftrainer der Breisgauer ist.

Sein Mut, auf junge, unerfahrene Spieler zu setzen, wurde schon damals belohnt. Als der einstige Co-Trainer Streich kurz vor Silvester die Herkulesaufgabe übernahm, hatte Freiburg fünf Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Doch bereits am 32. Spieltag machte der Sportclub einen Str(e)ich unter die Saisonrechnung: Abstieg vermieden - Mission geglückt. Und Platz drei bei der Wahl zum Trainer des Jahres hinter Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) und Lucien Favre (Borussia Mönchengladbach).

Zusätzlich war ein neuer (Kult-)Star geboren. Auch wenn diesem der Rummel um seine Person etwas unheimlich ist. „Ich bin doch ein ganz normaler Zeitgenosse, ohne Tattoo, ohne Piercing“, sagt Streich. Aber trotzdem oder gerade deswegen interessant für die Medien. Sozusagen als Kontrast in der bunten Fußball-Welt.

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Auf der Internetseite einer Regionalzeitung gab es sogar die Video-Rubrik „Streich der Woche“ mit den lustigsten Sprüchen des kauzigen Trainers - natürlich in seinem besten und unverkennbaren alemannischen Dialekt. Ein Beispiel aus der Kollektion: „Es gibt Spielerberater, weil es Spieler gibt - und es gibt Immobilienmakler, weil es Häuser gibt.“

Für Heynckes jedenfalls stimmt das Paket beim SC - mit Streich als unaufgeregtem Anführer. „Er hat nicht nur an der Basis gearbeitet, er hat den Umschwung bewirkt in Freiburg. Er ist bescheiden, kompetent, lässt moderenen Fußball spielen“, lobte der Bayern-Coach seinen 20 Jahre jüngeren Kollegen.

In der idyllischen Stadt an der Dreisam lieben sie in längst, ihren etwas anderen Trainer. Auch, weil er die Wahrheit immer recht charmant verpackt. „Ich will nicht den Psycho-Doktor spielen. Es geht in Freiburg nicht um Pokale und Titel. Dennoch: Wir wollen eine Energie auf dem Platz erzeugen, die auch die Menschen auf der Tribüne spüren“, meinte der Coach jüngst. „Streich-Fan“ Heynckes wird auch dieser Spruch gefallen haben.

sid

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