Bayern-Trainer Louis van Gaal (l.) hat sich bei seinen Kollegen, hier Jupp Heynckes, nicht sonderlich beliebt gemacht
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Bayern-Trainer Louis van Gaal (l.) hat sich bei seinen Kollegen, hier Jupp Heynckes, nicht sonderlich beliebt gemacht

Bundesliga-Kollegen kritisieren van Gaal

Stuttgart - Zwei Tage lang trafen sich die Bundesliga-Cheftrainer in Stuttgart. Während die Fußballnationalspieler einen Werbemarathon absolvierten, übten die Trainer-Kollegen Kritik an Louis van Gaal.

Mehr passt nicht hinein in einen Tag, und damit sie sich inmitten von Zeitvorgaben und Veranstaltungsorten zurechtfinden, haben die deutschen Fußball-Nationalspieler Laufzettel erhalten. So wird ihnen diktiert, wann und wo sie welche Werbeaufnahme zu machen haben. Mercedes-Spot? Beim Fahrdienst melden, ins Stuttgarter Stadion kutschieren lassen! EA Sports-Videospiele, Playstation, Sony, Adidas, Rewe, Lufthansa, Panini-Klebebilder – hier entlang, zur Molly-Schaufele-Halle, in der parallel auch der Parcours für die Kraft- und Fitnesstests aufgebaut ist. Und woZoffz schießt man gleich wieder die Modefotos? Das ist im Hotel am Schlossgarten, Untergeschoß, Raum Trocadero, dort hängen schon die weißen und schwarzen Sakkos von Strenesse. Und wenn die Spieler für alles posiert haben, müssen einige noch sprechen: Auch ein Kinder-Hörbuch lässt der Deutsche Fußball-Bund seine Nationalmannschaft produzieren.

Zwei Tage Gewusel in Stuttgart: Für heute sind zusätzlich noch Ausdauertests angesetzt, und gestern waren im Hotel auch zwei Drittel der Bundesliga vertreten. Bis auf einige verhinderte Kollegen (van Gaal vom FC Bayern, Gross vom VfB Stuttgart, Rangnick aus Hoffenheim, Schaaf aus Bremen, Slomka aus Hannover und Armin Veh, der im Zentrum der Wolfsburger Krise steht) waren sämtliche Bundesliga-Cheftrainer gekommen, die Liga hatte ihre Geschäftsführer Christian Seifert und Holger Hieronymus entsandt, für den DFB waren neben der Bundestrainerschaft noch Sportdirektor Matthias Sammer und einige Coaches der U-Auswahlteams da – eine große Runde zum Start ins WM-Jahr.

Doch bei aller Prominenz: Richtige Beachtung hat dem Kreis ja erst Louis van Gaal verschafft, der Bayern-Trainer, mit seiner Anmerkung, er halte es für „Wahnsinn“, dass man ihm fünf Spieler für ein paar Tage wegnehme. Das sagte er am Freitag – und ab da war die Fitnesstest- plus Marketingmaßnahme des DFB ein Politikum.

„Wenn jemand wie van Gaal dazu eine andere Meinung hat - okay, isch halt so“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Aus seiner Sicht war es notwendig, die Sache durchzuziehen: „Wir haben gegenüber unseren Sponsoren eine Verpflichtung.“ Aus Rücksicht auf Vereinsinteressen habe man den ursprünglichen Werbetermin 10./11. Januar storniert, man wolle nicht die Tage ums einzige Länderspiel vor Saisonende, am 3. März gegen Argentinien in München, mit PR-Verpflichtungen belasten, man benötige auch Daten über die Belastbarkeit der Spieler (Löw: „In der WM-Vorbereitung will ich mich aufs Taktisch-Technische konzentrieren“), und es sei grundsätzlich so, dass doch auch die Nationalmannschaft was fürs Wohl der Bundesliga tue. „Zum Beispiel die China-Reise im Sommer, da haben wir was für den asiatischen Markt getan, die Liga repräsentiert.“

Dreieinhalb Stunden tagten gestern Bundes- und Klubtrainer, die Atmosphäre wurde als angenehm beschrieben. Kein DFB-Protest war zu vernehmen aus den Vereinen. Dafür wurde Kritiker van Gaal von den Kollegen gescholten. Dieter Hecking vom 1. FC Nürnberg: „Der Termin war lange bekannt, da darf es nicht kurzfristig einen Aufschrei geben.“ Jupp Heynckes von Bayer Leverkusen: „Der Termin war mit der DFL und den Managern abgestimmt - da kann man nicht hinterher kritisieren. Aber in anderen Ländern ist solch ein Termin nicht üblich und daher für Louis van Gaal ungewohnt.“ Für die in Stuttgart erschienenen Trainer gab es als Programm Vorträge von Albert Capellas, Koordinator der Nachwuchsbasis des FC Barcelona, und von DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann über psychische Erkrankungen und Depressionen, ein großes Thema seit dem Fall Robert Enke. Die Bundesliga-Trainer reisten gestern wieder ab, ihre Nationalspieler bleiben bis heute zum Abendessen. Danach dürfen sie ihre Laufzettel zerknüllen.

Günter Klein

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