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Steht nun noch mehr im Fokus: Hansi Flick ist beim FC Bayern vom Interimstrainer zur Dauerlösung aufgestiegen.

Bundesliga startet am Wochenende

Exklusives Interview mit einstigem BVB-Insider: „Jetzt muss Flick ...“

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Die Bundesliga meldet sich aus der Winterpause zurück. Der Titelkampf verspricht lange vermisste Spannung. Im exklusiven Interview gibt Trainer Peter Hyballa eine ausführliche Einordnung.

  • Am dritten Januar-Wochenende meldet sich die Bundesliga zurück aus der Winterpause.
  • Der Kampf um die Spitze ist mit RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern spannend wie lange nicht.
  • Peter Hyballa analysiert im Interview die Situation der Klubs.

München - Peter Hyballa (44) hat schon Klubs in Namibia und der Slowakei trainiert, insgesamt kommt er auf 17 Stationen im In- und Ausland. Darunter die U 19-Teams von Bayer Leverkusen und des BVB, in Dortmund förderte er einst einen talentierten Burschen namens Mario Götze.

Hyballa ist ein absoluter Fachmann, wurde vom DFB im Mai 2018 sogar als Trainer-Ausbilder verpflichtet, gab diesen Posten aber schnell wieder auf. Der 44-Jährige ist der etwas andere Experte, die tz erreicht ihn, bevor er zu einem 15-Kilometer-Lauf aufbrechen will. Im Interview vor dem Rückrundenstart der Bundesliga spricht Hyballa über den Meisterschaftskampf, die neue Trainer-Generation und Bayerns Talente.

Herr Hyballa, am Freitag startet die Bundesliga in die Rückrunde. Der Titelkampf ist spannend wie zuletzt selten.

Hyballa: Das ist geil! Ich habe aus der Slowakei immer verfolgt, wer gerade vorne ist - Mönchengladbach, Leipzig - und was der FC Bayern macht. Endlich ist es wieder spannend, da haben sich viele Leute nach gesehnt. Das Interessante an den Bayern-Konkurrenten ist, dass sie sehr dominant spielen. Gladbach und Leipzig halten an ihrer Philosophie fest. Die mauern nicht nur und stehen mit Glück oben in der Tabelle. Und selbst wenn die mal nicht gewinnen, haben sie an ihrer Handschrift festgehalten.

Marco Rose und Julian Nagelsmann stehen stellvertretend für eine neue Trainer-Generation. Was macht die aus?

Hyballa: Die ganz großen Unterschiede bei Trainern gibt es in Sachen Balldruck und tiefe Läufe. In Deutschland wird in der Jugend in den letzten Jahren viel Pressing gespielt. Und ich glaube, dass die Trainer der Spitzenteams sehr genau gucken, wo sie die Bälle erobern können. Sie alle wollen möglichst frühe Ballgewinne. Bei Rose und Nagelsmann fliegen die Teams mit zwei, drei Leuten auf den Ballführenden, aber da steckt eine klare Idee dahinter. Statt fünf, sechs kurzen Pässen geht es bei den beiden sofort in die Tiefe. Das ist dieser Hochgeschwindigkeitsfußball, der vor etwa zehn Jahren von Jürgen Klopp eingeführt worden und von ganz vielen Nachwuchstrainern nachgeahmt worden ist. In den Jugendligen hat das nur keiner mitbekommen, denn da stehen keine Kameras. Im Jugendfußball wurde dieser Stil eher gespielt als in der Bundesliga. Und jetzt sind die einstigen Nachwuchstrainer oben angekommen. Rose und Nagelsmann haben selbst in der Jugend trainiert, auch bei Lucien Favre sind junge Co-Trainer dabei, die aus dem Nachwuchs kommen.

Geht mit einem Team als Tabellenführer in die Rückrunde: Julian Nagelsmann ist seit Sommer Trainer von RB Leipzig.

Was unterscheidet Nagelsmann und Rose von anderen talentierten Trainern?

Hyballa: Viele Jugendtrainer haben Mut. Das kommt aber auch daher, dass bei den Spielen nur 150 Zuschauer am Rand stehen und nach drei Niederlagen keiner sofort entlassen wird. Die Trainer, die es aus dem Nachwuchsbereich in die Bundesliga schaffen, ziehen ihren Stil auch vor 50.000 Zuschauern durch. Das ist stark! Dafür muss man Eier haben und die Idee, die man hat, total häufig trainieren und die Mannschaft mitnehmen. Es ist eine Eigenart der Trainer heutzutage, dass sie eigensinnig sind. Eigensinnig ist aber ein positives Wort im deutschen Fußball geworden, weil es als innovativ gilt. Jürgen Klopp, der Trainer des Jahres, ist eigensinnig. Nagelsmann und Christian Streich sind auch eigensinnige Typen - mit einer klaren Idee dahinter.

Ziehen die beiden Bayern-Konkurrenten ihren Stil über 34 Spieltage durch?

Hyballa: Ich glaube, die können nicht anders. Als Trainer verlierst du die Mannschaft immer dann, wenn die Spieler merken, dass der Trainer etwas anders macht, hinter dem er selbst gar nicht hundertprozentig steht. Trainer wie Rose und Nagelsmann gehen nicht in ein Spiel und sagen: „Wir machen heute mal langsamer, weil wir müde sind.“ Die beiden dosieren vielleicht mal die Belastung im Training, aber im Spiel wird weiter Vollgas gegeben. Mönchengladbach hat den Vorteil, dass sie keine Spiele in der Europa League mehr haben. Leipzig hat so viel individuelle Qualität und Quantität, dass sie ein bisschen das Personal wechseln können.

Was braucht Leipzig, um tatsächlich Meister zu werden?

Kennt sich in der Bundesliga bestens aus: Peter Hyballa machte sich vor allem als Nachwuchstrainer einen Namen.

Hyballa: Ich glaube, dass Nagelsmann seiner Spielidee total treu bleibt und das Selbstbewusstsein mit jedem Sieg steigt. Die Frage ist, ob sich das Team kurz vor einem Riesen-Triumph auch belohnt. Es ist eine psychologische Geschichte, ob man dann den letzten Schritt gehen kann. Beim FC Bayern bleiben sie bis zum Schluss cool, weil die Spieler das alles schon zigmal erlebt haben. Das ist bei Dortmund, Gladbach und Leipzig etwas anders. Ich glaube auch nicht, dass einer wie Robert Lewandowski sagt: „Ich bin jetzt sieben Mal Deutscher Meister geworden, auf das achte Mal habe ich keinen Bock.“ Das sieht man schon daran, dass die Bayern abkotzen, sobald sie auch nur ein Spiel verlieren. Das Streben nach dem Allerbesten ist dieses Gen, über das immer alle sprechen. Wenn die Bayern dieses Jahr auch noch Meister werden, können sie sagen: „Seht ihr, wir haben die anderen mal ein bisschen schnuppern lassen, aber am Ende haben wir sie doch wieder alle überholt.“ Vielleicht macht das ja sogar noch mehr Spaß. Jetzt kümmern sich gerade alle um Leipzig und Gladbach - und der FC Bayern steht im Schatten. Dieses Jägersein ist super spannend.

Vor dem Rückrundenauftakt hat Hansi Flick viele Personalsorgen. Ist der Kader zu klein?

Hyballa: Der Vorteil an einem kleineren Kader ist, dass jeder Spieler wichtig ist und man nicht so viele Unzufriedene hat. Außerdem sieht man jetzt, dass die 18- und 19-Jährigen aus der zweiten Mannschaft einspringen müssen und direkt wichtig sind. Bei einem 25-Mann-Kader ist so ein Talent nie wichtig, in den letzten Jahren kamen ja auch nicht viele Talente hoch beim FC Bayern. Die blödeste Idee im deutschen Fußball war übrigens, die Pflicht von U 23-Mannschaften aufzuheben. Außer den drei, vier Wunderspielern wie Mario Götze und Kai Havertz ist mit 17 oder 18 Jahren noch keiner bereit für die Bundesliga. Bayern hat eine gute U 23 und die wird jetzt durch eine Notsituation plötzlich wichtig. Jetzt muss Hansi Flick eben den Mut haben, auch mal einen 18-Jährigen von Beginn an spielen zu lassen. Diesen Mut bekommst du als Trainer irgendwann automatisch, wenn du nicht mehr anders kannst. Jetzt Einkäufe zu tätigen, hinter denen der Klub nicht komplett steht, ist nicht bayern-like.

Leipzig, Gladbach, Bayern - als Vierter lauert noch Borussia Dortmund.

Hyballa: Ich traue dem BVB auch noch viel zu. Dortmund hat eine brutale individuelle Qualität, das haben sie zum Teil auch in den Spielen gezeigt, die sie nicht gewonnen haben. Der BVB ist sieben Punkte hinter Spitzenreiter Leipzig, bleiben für mich aber ein großer Favorit auf die Meisterschaft.

Und mit Erling Haaland haben die Dortmund ein neues Element dazugeholt.

Hyballa: Das ist ein richtiger Mittelstürmer, der einen guten Riecher hat und die Bälle reinschießt. Ein großes Problem im deutschen Fußball ist, dass wir unheimlich viel überlegen, wie wir Torchancen vorbereiten können. Aber wir schießen den Ball dann eben nicht ins Tor. Viele deutsche Trainer bewerten Stürmer danach, wie sie gegen den Ball agieren. Da sollte man den alten Spruch „Ein Stürmer wird an Toren gemessen“ mal wieder herauskramen. Bayern hat mit Lewandowski einen Knipser, Leipzig mit Timo Werner und beim BVB war die Last bisher auf verschiedene Schultern verteilt. Wenn Haaland der neue Anführer im Sturm wird, dann bekommen sie einen großen Pluspunkt dazu. Er hat auch in den verschiedenen Altersjahrgängen schon richtig gebombt.

Haben Sie ihn da schon gesehen?

Hyballa: Haaland hat bei der U 20-Weltmeisterschaft 2019 in Polen beim 12:0 gegen Honduras neun Tore geschossen. Einen Tag später habe ich mir das Video vom Spiel angeschaut und gedacht: „Wer ist das denn?“ Da habe ich schon seine besonderen Bewegungen vor dem Tor gesehen. Klar ist auch: Zwischen der deutschen und der österreichischen Bundesliga besteht ein Riesen-Unterschied. Haaland hat aber auch in der Champions-League-Vorrunde acht Mal getroffen.

Interview: Jonas Austermann

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