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Bereit für die große Bühne: Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger freuen sich auf ihr zweites Champions League-Finale.

Was heißt eigentlich "Finale dahoam"?

München – Die Mannschaft schreibt einen offenen Brief, die Fans zünden beim Training ein Feuerwerk. Und Jupp Heynckes verrät, dass er im Champions League-Finale nichts so sehr fürchtet wie ein Elfmeterschießen.

Irgendwann musste sie ja mal kommen, die Frage nach der Bedeutung des Wortes „dahoam“. Ein ungarischer Journalist hat sie am Freitag gestellt. Er hatte sich nach seiner Ankunft in München schwer gewundert, was es mit diesem „Finale dahoam“ auf sich hat, und bei erster Gelegenheit nachgefragt. Bei Philipp Lahm.

Chelsea-Ankunft, PK und Rauchbomben beim Training

Der FC-Bayern-Freitag in Bildern: Chelsea-Ankunft und Rauchbomben beim Training

Der Kapitän des FC Bayern, der im Schatten des Olympiastadions aufwuchs, ist für so ein Thema ein naheliegender Gesprächspartner und hat auch erschöpfend Auskunft gegeben. Aber so einfach ist das mit dem Heimatgefühl nicht, wenn eine Institution wie die UEFA im Spiel ist. Am Ende der Pressekonferenz wies ein Verbandsmensch deshalb mit Nachdruck darauf hin, dass schon vor dem Viertelfinale alle weiteren Ansetzungen inklusive Endspiel ausgelost worden seien. Der Sieger des Halbfinals Bayern – Real würde offiziell Gastgeber sein. Das heißt: „Bayern München ist Gastgeber aufgrund der Auslosung.“

Da haben die Bayern offenbar echtes Losglück gehabt, sonst wäre das „Finale dahoam“ ein Auswärtsspiel gewesen. Jedenfalls in der streng reglementierten Welt der UEFA, die man nicht immer verstehen kann und auch nicht immer verstehen muss. Jupp Heynckes musste sich am Freitag gar vom eigenen Pressesprecher korrigieren lassen, als ihm die Formulierung „Allianz Arena“ herausrutschte. Auch das darf nicht sein. Im UEFA-Wortschatz heißt es „Fußball-Arena München“.

Man sieht als Außenstehender am besten einfach über solche Details hinweg. Als Teilnehmer nimmt man derartigen Unsinn ohnehin kaum wahr. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger berichteten überzeugend, wie „fokussiert“ sie auf das große Spiel seien. „Wir haben den Hunger, den Willen, diesen Pokal zu holen“, beteuerte Lahm. Als ob es dazu noch eines Beweises bedurfte, haben die Bayern einen offenen Brief an die Fans verfasst. Sie versprechen darin, dass sie „alles dafür tun werden, Ihren und unseren Traum wahr werden zu lassen“.

Der Kapitän gehört zu jenen Bayern-Spielern, die schon vor zwei Jahren im Finale standen und Inter Mailand 0:2 unterlagen. Damals hat die Niederlage geschmerzt, dennoch kann Lahm der Erfahrung heute Gutes abgewinnen. „Für uns war das alles neu. Jetzt ist der Glaube an den Titel viel, viel größer.“ Wäre er Profi des FC Chelsea, könnte er natürlich das Gleiche sagen. Auch die Londoner haben ungute Final-Erfahrungen gemacht, 2008 mit der Niederlage gegen Manchester United im Elfmeterschießen.

Es gibt unterschiedliche Arten, mit der Anspannung eines solchen, auch für Bayern-Verhältnisse ungewöhnlichen Finales umzugehen. Lahm nähert sich dem Spiel mit ungetrübter Vorfreude: „Wir sind einfach zuhause, das ist etwas Schönes.“ Bastian Schweinsteiger kaschiert die Anspannung lieber mit Witzchen. Den Samstagvormittag werde er „auf der Maximilianstraße“ verbringen, ansonsten lese er viel Zeitungen, „weil ich gerne über mich lese“. Sagt Schweinsteiger, der Medienmuffel.

Auch Jupp Heynckes wird sicher nervös sein, schließlich sieht er den Verein vor einer „historischen Chance“. Doch die Haltung des Trainers knapp 30 Stunden vor dem Spiel war die eines Elder Statesman. Heynckes (67) kokettierte mit seinem Alter, weswegen er auf ein Elfmeterschießen gerne verzichten würde: „Ich weiß nicht, ob mein Herz das übersteht.“ Er ging auf Distanz zu der allgemein vorherrschenden Einstellung, die Bayern seien Favorit. Bestenfalls habe man „einen ganz, ganz klitzekleinen Vorteil“, weil man im eigenen Stadion „jeden Grashalm kennt“. Und er hatte viel Lob für den Gegner.

Vor allem für den Trainer. Roberto di Matteo, die Interimslösung. Der imponiert ihm, weil er die Mannschaft in einer schwierigen Lage übernommen und mit ruhiger Hand ins Champions League-Finale und zum FA-Cup-Sieg geführt hat. Heynckes’ Rat: „Wenn ich Präsident wäre oder Abramowitsch, dann würde ich mit dem jungen Mann weitermachen.“

Zwei Stunden später beim Abschlusstraining, an dem erwartungsgemäß auch der zuletzt angeschlagene Arjen Robben teilnahm, ging es dann nicht mehr so abgeklärt zu. Ein paar Fans brannten Feuerwerkskörper ab und schickten rote und weiße Rauchwolken über den Rasen. Es hat sich eine Menge Anspannung und Vorfreude angesammelt. Wird Zeit dass es endlich losgeht, das „Finale dahoam“.

Marc Beyer

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