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Seht her – ein ganz Großer: Bayern-Torwart Neuer lässt seinen neuen Abwehrkollegen Dante hochleben.

Dante war das fehlende Puzzle-Teil

Arbeiter unter Artisten

München - Die Familie des Abwehrspielers will schon nicht mehr weg aus München und auch der Trainer kann sich den FC Bayern nicht ohne Dante vorstellen: Jupp Heynckes sieht in dem Brasilianer ein Stück, das vergangene Saison im Bayern-Puzzle fehlte.

Es ist schnell gegangen mit der Liebe der Familie Dante zu ihrem neuen Umfeld. Jetzt hat der Familienvater ein Problem. Im Sommer siedelte er mit seiner Gattin Jocelina und den beiden Töchtern von Mönchengladbach nach München um, und nach wenigen Wochen schon „will die Familie hier nicht mehr weg“, erzählt der Brasilianer. „Ich stehe jetzt unter Druck: Ich muss so lange wie möglich beim FC Bayern bleiben.“

Dante lacht, als er das erzählt. Er lacht gerne und oft, und auch das ist ein Grund, warum Jupp Heynckes in dem Neuzugang ein Stück sieht, das dem Puzzle FC Bayern in der vergangenen Saison gefehlt hat. „Er hat Persönlichkeit, er tut gut, und auf dem Platz ist er zuverlässig, spielt fast fehlerfrei.“ Das Loblied endet fortissimo: Der Trainer findet, Dante sei inzwischen längst „nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken“. Sieht gut aus mit dem Plan, möglichst lange zu bleiben.

Dante wurde bisher nur in einem Pokalspiel geschont, ansonsten verpasste er keine Spielminute. Neun Mal spielte der FC Bayern zu Null. In der Liga protzt man mit einem Torverhältnis von 38:5. All das, sagt Heynckes, sei mit ein Verdienst des neuen Innenverteidigers. Man hat vor der Saison nicht unbedingt mit dieser Entwicklung rechnen können, gibt der Trainer zu: „Dante konnte ja anfangs nicht davon ausgehen, dass er Stammspieler wird. Aber er hat seine Chance sofort genutzt.“ Zunächst profitierte er von der Verletzung von David Alaba, weil Holger Badstuber als Vertreter von der Zentrale auf die linke Außenbahn verschoben wurde. Als der Österreicher zurückkehrte, verabschiedete sich Badstuber in den Krankenstand. Und als der wieder Diensttauglichkeit signalisierte, setzte Jerome Boateng ein Muskelfaserriss matt. Inzwischen sind alle fit – aber Dante bleibt gesetzt. Denn längst, sagt Heynckes, „hat er bei uns Fuß gefasst“.

Der Coach nennt Dante Bonfim Costa Santos, so lautet der volle Name des Verteidigers, „einen Charakterspieler“. Wie Javi Martinez steht er für die Einkaufspolitik der Bayern, bei der man versucht hatte, mehr als sonst gezielt Qualitätslücken im Kader zu schließen. „Normalerweise holt man ja eher Artisten, Spieler mit Phantasie und Kreativität – aber Spieler wie Dante sind genau die, die uns gefehlt haben“, meint Heynckes. Der 29-Jährige ist einer der Arbeiter unter den Artisten, allerdings kann auch er mal glänzen, wenn er für einen Moment den Dienst gegen den Ball quittiert, um sich beispielsweise beherzt in eine Ecke zu werfen. Am Samstag erzielte er auf die Art das 4:0 gegen Hannover. Heynckes hatte ihn zuvor explizit dazu auserkoren, sich bei Standards verstärkt einzubringen. Die Bayern haben in dieser Sparte ein Manko, Dante verspricht Abhilfe. „Er ist ein guter Kopfballspieler, hat ein gutes Timing“, sagt Heynckes, „das Tor vom Samstag wird ihm jetzt sicher noch etwas mehr Sicherheit geben.“

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Nicht, dass er das unbedingt bräuchte. Dante, hat der Trainer festgestellt, weiß auch so, was er kann. „Er ist sehr von sich überzeugt“, so Heynckes, „er bleibt dabei aber trotzdem bescheiden. Dante ist einfach ein sehr guter Einkauf.“ Konserviert er diese Form, wird es Boateng mit der Rückeroberung des Stammplatzes nicht leicht haben – wobei auch im Fall Dante weiter erst noch die wahren Feuertaufen abzuwarten sind: Wie wird er sich gegen Dortmund schlagen, wie gegen Real Madrid oder Barcelona? Fragen, die nur die Praxis klären kann. Am Samstag kommt mit dem BVB der erste echte Prüfstein.

Doch davor müssen die Bayern heute erst mal beim SC Freiburg antreten. Heynckes verbat sich gestern nachdrücklich Fragen zum Spitzenspiel am Wochenende: Der Fokus liege allein auf der Partie im Breisgau. Im vergangenen Jahr reichte es dort nur zu einem mühevollen 0:0. Im Anschluss daran hakte der damalige Sportchef Christian Nerlinger vorzeitig die Meisterschaft ab, was in der Rückschau ein Sargnagel für seine Demission gewesen ist. „Alles ad acta gelegt, alles vergessen“, blockt Heynckes Fragen zur Vergangenheit ab. Es werde ein „schweres Spiel“, unkt er, und er werde keinen seiner Stars schonen – trotz des bevorstehenden Duells mit dem BVB. „Ich werde das bestmögliche Team aufstellen.“ Dazu gehört auch Dante, dem die Familie zuhause die Daumen drücken wird, damit das Abenteuer München möglichst lange dauert.

Von Andreas Werner

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